Affordable Housing Act: EU plant Obergrenzen fĂŒr Kurzzeitvermietung
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 21:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
**Die EuropĂ€ische Kommission bereitet einen neuen gesetzlichen Rahmen vor, um den wachsenden Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen. Am 9. September 2026 stellt die KommissionsvizeprĂ€sidentin Teresa Ribera den Entwurf des sogenannten âAffordable Housing Actâ vor.
Die Initiative zielt darauf ab, die Kurzzeitvermietung in Gebieten mit akutem Wohnungsmangel stÀrker zu regulieren und Kommunen gezielte Eingriffsmöglichkeiten einzurÀumen.**
Mit dem geplanten Gesetzentwurf reagiert die EU-Kommission auf die angespannte Situation in vielen europĂ€ischen StĂ€dten und Tourismusregionen. Das Vorhaben sieht vor, dass lokale Behörden kĂŒnftig Obergrenzen fĂŒr Kurzzeitvermietungen festlegen dĂŒrfen, sofern in der jeweiligen Region eine nachweisbare Wohnungsnot herrscht.
Um solche BeschrÀnkungen zu rechtfertigen, definiert der Entwurf spezifische Kriterien. Dazu gehören das VerhÀltnis von Immobilienpreisen zum durchschnittlichen Einkommen, das lokale VerhÀltnis von Angebot und Nachfrage sowie das allgemeine Bevölkerungswachstum.
Fokus auf Gebiete unter Wohnungsdruck
Ein zentraler Bestandteil des âAffordable Housing Actâ ist die Definition von Gebieten, die als besonders belastet gelten. Diese werden im Entwurf als âAree sotto stress abitativoâ (Gebiete unter Wohnungsdruck) bezeichnet.
Ausschlaggebend fĂŒr diese Einstufung ist primĂ€r die Entwicklung der Hauspreise im Vergleich zur Kaufkraft der Bevölkerung. In diesen ausgewiesenen Zonen sollen Kommunen das Recht erhalten, restriktiv gegen die Nutzung von Zweitwohnungen und rein kommerzielle Tourismusvermietungen vorzugehen.
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Gleichzeitig sieht die Kommission wichtige Ausnahmen vor, um die VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit der MaĂnahmen zu wahren. Die gelegentliche Vermietung der selbst genutzten Erstimmobilie, also des Hauptwohnsitzes, soll weitgehend vom neuen Regulierungsrahmen ausgenommen bleiben. Zudem wird angestrebt, Komplettverbote zu vermeiden und stattdessen auf Obergrenzen sowie den Schutz bestehender Rechte zu setzen.
Drastische Preissteigerungen und hoher Leerstand
Hintergrund der gesetzgeberischen Initiative ist eine besorgniserregende Entwicklung der Wohnkosten innerhalb der EuropÀischen Union. Daten der Kommission zeigen, dass die Wohnungspreise in der EU seit 2013 um 60 % gestiegen sind, wÀhrend die Mieten im gleichen Zeitraum um 20 % zunahmen. Trotz des Mangels an bezahlbarem Wohnraum stehen derzeit rund 20 % der bestehenden Wohnungen in der Union leer.
Die Branche der Kurzzeitvermietungen verzeichnete unterdessen ein massives Wachstum. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 854 Mio. Ăbernachtungen in diesem Segment registriert, was einem Anstieg von 93 % gegenĂŒber dem Jahr 2018 entspricht.
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Um den Bedarf zu decken, seien laut Berechnungen der Kommission jÀhrlich 2 Mio. neue Wohneinheiten erforderlich. Dies erfordere jÀhrliche Investitionen in Höhe von 153 Mrd. Euro. Bereits im Mai trat zudem eine Verordnung zum verstÀrkten Datenaustausch im Bereich der Kurzzeitvermietungen in Kraft, um mehr Transparenz in den Markt zu bringen.
Kritik aus der Digitalwirtschaft und Marktreaktion
Gegenwind fĂŒr das Vorhaben kommt vonseiten der Industrie. Der Branchenverband CCIA (Computer & Communications Industry Association) warnte bereits im Vorfeld der PrĂ€sentation vor unverhĂ€ltnismĂ€Ăigen BeschrĂ€nkungen. Der Verband mahnte an, dass der geplante EU-Rahmen die Dienstleistungsfreiheit nicht ĂŒbermĂ€Ăig einschrĂ€nken dĂŒrfe.
An den FinanzmĂ€rkten sorgte die bevorstehende Regulierung in den letzten Tagen fĂŒr Bewegung. In Berichten vom 6. September 2026 notierte die Aktie des BranchenfĂŒhrers Airbnb an den US-Börsen bei 181,83 US-Dollar, was einem RĂŒckgang von 1,85 % entsprach. An europĂ€ischen HandelsplĂ€tzen wurde das Papier zeitgleich mit 156,72 Euro bewertet.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 65,7 Mrd. Euro bei einem Kurs-Gewinn-VerhÀltnis (KGV) von 35,80. WÀhrend einige HandelsplÀtze leichte AbschlÀge verzeichneten, notierte die Aktie in anderen Segmenten mit 18,80 Euro leicht im Plus (+1,08 %).
