ROUNDUP, Menschen

Fast 270.000 Menschen ohne AbschlĂ€ge frĂŒher in Rente

22.06.2025 - 15:14:03 | dpa.de

(Aktualisierung: Angaben zur Rente fĂŒr schwerbehinderte Menschen)BERLIN - Fast 270.000 Menschen sind im vergangenen Jahr als besonders langjĂ€hrig Versicherte frĂŒher ohne AbschlĂ€ge in Rente gegangen.

(Aktualisierung: Angaben zur Rente fĂŒr schwerbehinderte Menschen)

BERLIN (dpa-AFX) - Fast 270.000 Menschen sind im vergangenen Jahr als besonders langjĂ€hrig Versicherte frĂŒher ohne AbschlĂ€ge in Rente gegangen. Insgesamt haben 2024 rund 937.000 Versicherte erstmals eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten, wie der Co-Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung Bund, Jens Dirk Wohlfeil, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte.

Die Altersgrenze der Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte nach 45 Versicherungsjahren steigt in Stufen. Sie lag 2024 bei 64 Jahren und 4 Monaten fĂŒr 1960 Geborene. Nach ihrer EinfĂŒhrung 2024 war die Rentenart als "Rente mit 63" bekanntgeworden. Vor allem wegen der Kosten ist sie umstritten. Besonders die SPD hatte sich stets fĂŒr einen Erhalt dieser Rente starkgemacht.

Babyboomer ante portas

Mitte Juni hatte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit einer Studie Alarm geschlagen, nach der fast jeder zweite Babyboomer im Rentenalter bisher generell vorzeitig in Rente gegangen ist. Bezogen auf alle Angehörigen des jeweiligen Geburtsjahrgangs ist das ein Anteil von 44 Prozent, bezogen auf die Neurentnerinnen und -rentner mehr als 55 Prozent.

Die derzeit beginnende Übertrittswelle von geburtenstarken Babyboomer-JahrgĂ€ngen ins Rentenalter ist der Hauptgrund, weshalb die Rente von der Politik als akute Herausforderung gesehen wird. Wenn die Rente wie geplant stabil gehalten werden soll, droht der Finanzbedarf deutlich zu steigen - je stĂ€rker, desto mehr Menschen frĂŒher als regulĂ€r aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

2023 hatten rund 279.000 Versicherte erstmals eine Altersrente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte erhalten.

Ein neuer Höchststand

Vergangenes Jahr wurden rund 18,9 Millionen Altersrenten gezahlt, wie Wohlfeil sagte. "Dies ist ein neuer Höchststand." Die Rentenversicherung gab demnach 286 Milliarden Euro dafĂŒr aus.

Wohl auch an die Adresse der schwarz-roten Koalition sagte Wohlfeil: "Diese Summe verdeutlicht die Bedeutung einer soliden, verlĂ€sslichen und generationengerechten Finanzierung der Rentenversicherung." Union und SPD wollen in den nĂ€chsten Wochen unter anderem eine kĂŒnftige Absicherung des Rentenniveaus fĂŒr die kommenden Jahre auf den Weg bringen. Dann soll sich eine neuerliche Rentenkommission Gedanken ĂŒber die Zukunft machen.

RentenbeitrĂ€ge ĂŒber 21 Prozent?

Von der Rentenkasse bekommen die Verantwortlichen schon einmal eine Mahnung auf den Weg: "Hierbei darf die Politik die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nicht aus den Augen verlieren, auch um die Akzeptanz des gesamten Systems nicht zu gefÀhrden", sagte Wohlfeil. Laut Rentenversicherungsbericht 2024 drohen die RentenbeitrÀge ohne neue Gesetze bis 2038 von heute 18,6 auf 21,4 Prozent zu steigen.

Regelalter bereits bei 66

Am hĂ€ufigsten bewilligt wurde im vergangenen Jahr die Regelaltersrente. Diese erhielten erstmals rund 378.000 Versicherte. Hier galt vergangenes Jahr eine Altersgrenze von 66 Jahren fĂŒr 1958 Geborene. Laut Gesetz steigt die Altersgrenze stufenweise auf 67.

269.000 Versicherte bekamen neu eine Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte ohne AbschlĂ€ge. Eine Altersrente fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte mit AbschlĂ€gen bezogen 225.000 Versicherte neu. Hier ist 35-jĂ€hrige Versicherungszeit Voraussetzung. Die restlichen RentenzugĂ€nge entfielen auf die Altersrente fĂŒr schwerbehinderte Menschen.

Viele AbschlÀge

Bei 28 Prozent aller neu beginnenden Altersrenten gab es vergangenes Jahr AbschlĂ€ge. Sie gelten fĂŒr den gesamten Bezug der Rente. Im Schnitt starteten die Betroffenen 32 Monate vor Erreichen der Regelaltersgrenze in die Rente. Die AbschlĂ€ge betragen 0,3 Prozent fĂŒr jeden Monat, um den der Rentenbeginn vorgezogen wird.

Wohlfeil Ă€ußerte sich zu einer geplanten Sitzung der Vertreterversammlung der Rentenversicherung am Montag in MĂŒnster. Im Vorstand des Selbstverwaltungsgremiums vertritt er die Arbeitgeberseite und ist im Hauptamt Tarifexperte beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

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