Altersvorsorgedepot 2027: Branche rechnet mit 4,5 Mio. Verträgen
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Hinblick auf die Einführung des staatlich geförderten Altersvorsorgedepots haben der Robo-Advisor quirion und der Asset Manager Vanguard eine strategische Partnerschaft geschlossen. Wie aus Berichten von Anfang September 2026 hervorgeht, soll zum geplanten Starttermin am 1. Januar 2027 ein Standarddepot angeboten werden, das auf zwei kostengünstigen ETFs von Vanguard basiert.
Kosteneffizienz im Fokus der neuen Angebote
Die Kooperation sieht vor, dass das Standarddepot mit dem FTSE Global All-Cap (TER 0,07 %) und dem Global Aggregate Bond EUR Hedged (TER 0,08 %) bestückt wird. quirion beabsichtigt, dieses Angebot zum Start kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Damit reagiert das Unternehmen auf den zunehmenden Wettbewerb im Bereich der privaten Altersvorsorge, in dem auch andere Finanzdienstleister bereits ihre Positionen beziehen.
So plant der Neobroker Scalable Capital ebenfalls zum 1. Januar 2027 ein Standarddepot ohne Gebühren. Die Kosten für die darin enthaltenen ETFs sollen maximal 0,15 % betragen, wobei diese im ersten Jahr vollständig entfallen sollen.
Zudem kündigte der Anbieter einen Wechselservice für bestehende Riester-Verträge an. Die regulatorischen Rahmenbedingungen setzen hierbei enge Grenzen: Die Effektivkosten des Altersvorsorgedepots dürfen einen Wert von 1 Prozentpunkt nicht überschreiten.
Infrastruktur und Kooperationen im Bankensektor
Neben den Fintechs bereiten sich auch etablierte Bankhäuser auf das neue Produkt vor. Morgenfund und J.P. Morgan Asset Management haben eine Zusammenarbeit für eine Altersvorsorgedepot-Lösung vereinbart, die ebenfalls zum Jahresbeginn 2027 in Kraft treten soll.
Während J.P. Morgan die sogenannten Smart-Retirement-Lebenszyklusmodelle liefert, stellt Morgenfund die notwendige Depotlösung und Infrastruktur bereit. Morgenfund hatte bereits im Juni 2026 eine Partnerschaft mit Franklin Templeton für diesen Bereich geschlossen.
Franklin Templeton selbst verzeichnete im Geschäftsjahr bis Juli 2026 Zuflüsse in Höhe von 1 Mrd. Euro, nachdem im Vorjahr noch Abflüsse von 850 Mio. Euro gemeldet worden waren. Neben Morgenfund arbeitet der Asset Manager auch mit Finanzguru zusammen. Auch die DKB konkretisiert ihre Pläne.
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Laut DKB-Chef Sven Deglow sollen im Zuge der Vorbereitungen rund 900.000 Depots zum Dienstleister Upvest wandern. Die Baader Bank und DJE Kapital verlängerten zudem ihre Partnerschaft, wobei eine Ausweitung des Angebots für das Altersvorsorgedepot ab 2027 vorgesehen ist.
Erwartungen an Marktvolumen und staatliche Förderung
Die Branche rechnet für das Jahr 2027 mit einem erheblichen Markteintritt. Prognosen gehen von etwa 4,5 Mio. Verträgen und einem Sparvolumen von 7 Mrd. Euro aus. Deutsche Banken und Fintechs erwarten milliardenschwere Investitionen, getrieben durch die staatliche Förderstruktur. Diese sieht eine Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich bei einer Eigenleistung von 1.800 Euro vor.
Zusätzliche Anreize schaffen Kinderzulagen, die bei zwei Kindern die Gesamtförderung auf 2.940 Euro bei gleichem Eigenbeitrag anheben können. Für junge Sparer sind ein einmaliger Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro für unter 25-Jährige sowie eine monatliche Zahlung von 10 Euro für Kindern zwischen 6 und 18 Jahren vorgesehen.
Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), äußerte die Erwartung, dass diese Maßnahmen einen Durchbruch für die private Vorsorge bedeuten könnten.
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Perspektiven der Versicherer und Bestandsschutz
Eine Studie unter 25 Anbietern im Frühjahr 2026 verdeutlicht die Relevanz der Reform: 96 % der befragten Versicherer messen dem Altersvorsorgedepot eine große Bedeutung bei. 68 % planen die Einführung neuer Produkte im ersten Halbjahr 2027. Dabei gehen 88 % der Experten davon aus, dass fondsbasierte Lösungen ohne Garantien den Markt dominieren werden. Während 76 % der Anbieter Wachstum durch Umschichtungen erwarten, rechnen lediglich 20 % mit einem starken organischen Marktwachstum.
Für Inhaber bestehender Riester-Verträge besteht laut Einschätzung der BCA AG vorerst kein unmittelbarer Handlungsdruck. Aufgrund des Bestandsschutzes werde von voreiligen Kündigungen abgeraten. Eine Entscheidung für einen Wechsel hänge individuell von Faktoren wie Alter, Familienstand und den jeweiligen Kostenstrukturen ab.
