Altfahrzeug-Verordnung: EU zwingt Hersteller ab 2031 zur Kostenübernahme
20.06.2026 - 00:16:17 | boerse-global.de
Während die EU-Kommission neue Strafzölle auf chinesische Hybridfahrzeuge vorbereitet, verabschiedete das EU-Parlament strengere Recycling-Regeln. Die Hersteller fordern im Gegenzug mehr Schutz für die heimische Produktion.
Neue Zölle gegen chinesische Umgehungsstrategien
Die EU-Kommission will offenbar auch chinesische Plug-In-Hybride mit Strafzöllen belegen. Hintergrund: Hersteller wie BYD, Chery oder SAIC setzen verstärkt auf Hybridmodelle, um die bestehenden Zölle für reine Elektroautos zu umgehen. Die neuen Abgaben sollen diese Lücke schließen.
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An den Börsen sorgte die Nachricht für Auftrieb. Die Aktien von BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen legten zu. Analysten sehen darin ein leicht positives Signal für europäische Hersteller – warnen aber vor übertriebener Hoffnung. Die Maßnahmen dürften das Wachstum chinesischer Importe nur moderat bremsen.
Strengere Regeln für Altfahrzeuge
Das EU-Parlament verabschiedete am 18. Juni eine neue Verordnung für Altfahrzeuge (ELV). Mit 437 zu 112 Stimmen beschlossen die Abgeordneten schärfere Auflagen für die Wiederverwendung kritischer Rohstoffe wie Aluminium, Kupfer und Seltener Erden.
Ab 2031 müssen Hersteller die Kosten für Sammlung und Entsorgung von Altfahrzeugen übernehmen. Ein Exportverbot trifft Fahrzeuge, die nach fünf Jahren als nicht mehr reparierbar gelten. Jährlich erreichen in der EU rund 6,5 Millionen Autos das Ende ihres Lebenszyklus. Für Neuwagen strebt die EU eine Rezyklat-Quote von 30 Prozent bei Kunststoffen an.
Hersteller fordern „Made in Europe“-Regeln
Volkswagen, Stellantis und Renault schlagen Alarm. In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Abgeordnete fordern die Konzerne, die rund 60 Prozent der EU-Autoproduktion repräsentieren, neue Schutzmaßnahmen. Konkret: Bei 70 Prozent der verkauften Fahrzeuge soll ein Wertschöpfungsanteil von 70 Prozent innerhalb der EU liegen.
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Die Hersteller warnen vor hohen Energiepreisen und bürokratischen Auflagen. Sie verlangen mehr Flexibilität bei der Kleinwagenproduktion und eine stärkere Förderung der europäischen Batterieherstellung. Volkswagen prüft bereits alternative Modelle wie die CKD-Fertigung – fast fertige Fahrzeuge würden dann nur noch in der EU endmontiert, um Standortkosten zu senken.
Stahlindustrie warnt vor Kostenexplosion
Auch die Zulieferer schlagen Alarm. Führende Stahlhersteller wie ArcelorMittal, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine fordern eine Reform des EU-Emissionshandels (ETS). Ohne Anpassung drohten die Kosten bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 50 Prozent zu steigen. Die Folge: ein Produktionsrückgang von bis zu 40 Prozent und der Verlust Millionen von Arbeitsplätzen.
Während Europa auf Regulierung setzt, expandieren chinesische Anbieter weiter. BYD kündigte Mitte Juni ein neues Elektro-SUV für rund 31.000 Euro auf dem europäischen Markt an. Vertreter der Unionsfraktion im Bundestag fordern Unternehmen auf, ihre China-Abhängigkeiten kritisch zu prüfen und Stresstests für den Fall eines Totalverlusts durchzuführen.
Immerhin gibt es Fortschritte bei der Technologie. Der Batterieentwickler QuantumScape, an dem Volkswagen beteiligt ist, schloss eine mehrjährige Vereinbarung mit Honda zur Entwicklung von Festkörper-Batterien.
