Aluminiumprämie auf 621 Euro: EU erwägt Zölle und Quoten
30.05.2026 - 01:39:28 | boerse-global.deGrund sind strukturelle Defizite und eine Flut umgeleiteter Importe, die die Branche unter Druck setzen. Am Freitag meldete die London Metal Exchange (LME) einen 19-Jahres-Höchststand bei den Aluminiumprämien für kurzfristige Kontrakte – ein klares Zeichen wachsender Versorgungsängste.
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Marktverzerrung durch US-Zollpolitik
Die europäische Aluminiumindustrie steckt in einem komplexen Dilemma. Einerseits leidet die Region unter einem strukturellen Defizit bei Primäraluminium. Andererseits schwemmt überschüssiges Metall aus anderen Märkten nach Europa. Grund dafür sind die US-Importzölle nach Section 232, die mit 50 Prozent so hoch sind, dass große Mengen Aluminium ihren Weg nach Europa finden.
Mehrere EU-Mitgliedstaaten – darunter Frankreich, Spanien, die Niederlande und Litauen – drängen nun auf branchenweite Schutzmaßnahmen. Sie fordern neue Zölle und Importquoten, angelehnt an die jüngste US-Handelspolitik. EU-Industriekommissar Séjourné bezeichnete den Druck durch chinesische Überkapazitäten als existenzielle Bedrohung für die europäische Metall- und Chemieindustrie.
Erst im Januar 2026 hatte die EU die Aluminiumzölle von vier auf sechs Prozent angehoben. Weitere Handelsgespräche sind für das G7-Treffen am 15. Juni und den EU-Gipfel am 18. Juni geplant.
Krieg im Nahen Osten verschärft Versorgungskrise
Die Marktturbulenzen werden maßgeblich durch den Konflikt mit dem Iran befeuert, der am 28. Februar 2026 begann. Der Krieg hat zum Verlust von rund neun Prozent der globalen Schmelzkapazität im Nahen Osten geführt. Für Europa, das 20 Prozent seiner Primäraluminiumimporte aus dieser Region bezieht, ist die Verwundbarkeit der Straße von Hormus zu einem kritischen Risiko geworden.
Die aktuellen Marktdaten für Mai 2026 sprechen eine deutliche Sprache: Die europäische Aluminiumprämie ist auf 621 Euro pro Tonne geklettert – ein Anstieg von 73 Prozent seit Kriegsbeginn. Zum Vergleich: Die US-Prämie liegt bei 2.557 Euro pro Tonne. Analysten rechnen für 2026 mit einem europäischen Primäraluminium-Defizit von 5,6 Millionen Tonnen, während das globale Defizit mit 2,2 Millionen Tonnen deutlich geringer ausfällt. Der LME-Referenzpreis pendelt derzeit um 3.670 Euro pro Tonne.
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Handelsströme verschieben sich massiv
Die hohen Prämien in Europa haben zu einer dramatischen Neuausrichtung der Handelsströme geführt. Kanadische Aluminiumexporte in die EU schossen 2025 um 276 Prozent auf 590.000 Tonnen in die Höhe. Gleichzeitig gingen die kanadischen Lieferungen in die USA um 25 Prozent auf rund zwei Millionen Tonnen zurück.
Doch nicht nur bei Primäraluminium gibt es Probleme. Die europäische Industrie sorgt sich zunehmend um die Stabilität des Sekundäraluminium-Kreislaufs. Der Abfluss von Aluminiumschrott aus Europa gefährdet die Kreislaufwirtschaft für recyceltes Metall. Hinzu kommt der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), der die Kostenstruktur für Importeure grundlegend verändert.
Während die EU über neue Handelsbarrieren nachdenkt, bleiben die Spannungen mit China ein Dauerbrenner. Einige deutsche Regierungsvertreter plädieren zwar für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Peking. Doch Brüssel zieht die Zügel an: Ab dem 1. Juli 2026 soll eine Pauschalgebühr von drei Euro auf kleine Online-Sendungen erhoben werden, um die Flut billiger Importe einzudämmen.
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