Arbeiten auf Hochsilos: Rettung aus dem Sicherungsseil binnen 15 bis 20 Minuten
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deArbeiten an Hochsilos zählen zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten in landwirtschaftlichen Betrieben und bergen erhebliche Unfallrisiken. Um Abstürze und schwere Verletzungen zu verhindern, sind strikte bauliche Vorkehrungen sowie klare Sicherheitsmaßnahmen zwingend einzuhalten.
Wie Fachberichte der Schweizer Bauernzeitung vom 22. Oktober 2026 verdeutlichen, reichen die Anforderungen von der baulichen Konstruktion der Aufstiege über die Dachsicherung bis hin zu detaillierten Notfallkonzepten für den Ernstfall.
Vorgaben für Leitern und Aufstiegshilfen
Bereits beim Aufstieg auf die Siloanlagen gelten präzise technische Anforderungen. So muss die Leiter für den Hochsilo über rutschhemmende Sprossen verfügen und eine Mindestbreite von 40 cm aufweisen. Sobald ein Silo eine Höhe von 5 m erreicht, ist an der Leiter zwingend ein Rückenschutz erforderlich. Dieser Rückenschutz muss ab einer Höhe von 3 m beginnen, um das Risiko eines Absturzes nach hinten zu minimieren.
Für noch höhere Konstruktionen gelten zusätzliche bauliche Auflagen: Weist ein Silo eine Höhe von mehr als 10 m auf, sind Zwischenpodeste in Abständen von allen 10 m vorgeschrieben. Zudem muss die Aufstiegsleiter in diesen Fällen versetzt angeordnet sein, um ein durchgehendes Durchfallen bei einem Fehltritt zu verhindern.
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Sicherung des Silodachs und der Einfüllöffnung
Besondere Gefahrenpunkte befinden sich im oberen Bereich der Anlage. Das Silodach muss rutschhemmend ausgeführt sein, damit Personen sicheren Halt finden. Zudem benötigt die Arbeitsplattform ein Geländer, das aus drei Geländeringen besteht. Stehen mehrere gleich hohe Silos nebeneinander, sind diese über einen Laufsteg mit beidseitigem Geländer miteinander zu verbinden, um gefährliche Überstiege im Freien zu vermeiden.
Auch die Einfüllöffnung stellt eine potenzielle Absturz- und Einzugsstelle dar. Diese Öffnung ist laut den Fachvorgaben wirksam abzusichern, wobei entweder ein Geländer, ein Netz oder ein stabiles Gitter zum Einsatz kommen muss.
Lebensgefahr durch Hängetrauma und behördliche Kontrollen
Kommt es trotz aller Schutzmaßnahmen zu einem Unfall und stürzt eine Person in das Sicherungsseil, ist höchste Eile geboten. Die Rettung muss zwingend innert 15 bis 20 Minuten erfolgen, da durch das freie Hängen im Gurtsystem ansonsten ein lebensgefährliches Hängetrauma droht, welches zu Kreislaufversagen und tödlichen Folgen führen kann.
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Um die Einhaltung der Sicherheitsstandards in der Praxis durchzusetzen, führt die Organisation Agriss im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ein Stichprobenprogramm bei Inverkehrbringern von Hoch- und Futtersilos durch. Die aktuellen Vorgaben sind dabei nicht neu: Sie gelten bereits seit vier Jahren.
Umfassende Hilfestellungen und praxisnahe Erläuterungen bietet zudem die Informationsbroschüre «Sicher Arbeiten auf dem Hochsilo», die gemeinsam von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), Agrisafety und Agriss herausgegeben wird. Betriebe sind angehalten, ihre bestehenden Anlagen regelmäßig anhand dieser Vorgaben zu überprüfen und Mängel unverzüglich zu beheben.
