Arbeitgeber, Milliarden

Arbeitgeber zahlen 82 Milliarden wegen Krankheit

Veröffentlicht: 21.08.2025 um 05:37 Uhr, dpa.de

Hohe KrankenstĂ€nde und mehr BeschĂ€ftigung haben in Deutschland die Aufwendungen der Arbeitgeber fĂŒr erkrankte BeschĂ€ftigte auf rund 82 Milliarden Euro im Jahr 2024 nach oben getrieben.

Binnen drei Jahren seien die Kosten um 10 Milliarden Euro gestiegen, ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Institut fĂŒr Karenztage

Der Steuer- und Sozialexperte Jochen Pimpertz des arbeitgebernahen IW weist auf verschiedene VorschlĂ€ge hin, um diesen Kostenfaktor zu begrenzen. Karenztage zum Beispiel: "Die Gehaltszahlung wĂŒrde zu Beginn einer Erkrankung fĂŒr einige Tage ausgesetzt." Alternativ ließen sich Karenzzeiten definieren, in denen das Gehalt auf reduziertem Niveau gezahlt werde, sagt Pimpertz. Entlastung sei jedenfalls dringend geboten.

Anderer Vorschlag: KĂŒrzere Lohnfortzahlung

Auch ließe sich die Dauer der Entgeltfortzahlungsverpflichtung begrenzen, so der IW-Experte. Dies gelĂ€nge zum Beispiel durch eine EinschrĂ€nkung bei wechselnden Diagnosen.

Aktuell wird das Gehalt höchstens sechs Wochen im Jahr weitergezahlt- außer bei einer weiteren Krankschreibung aufgrund einer anderenDiagnose. KĂŒnftig könnte Pimpertz zufolge der Arbeitgeber auch bei wechselnden Diagnosen insgesamt nicht lĂ€nger als sechs Wochen pro Jahr Gehalt zahlen mĂŒssen.

Anstieg seit 2010 um das 2,2-Fache

Laut der Studie stieg die Summe der Aufwendungen fĂŒr kranke BeschĂ€ftigte seit dem Jahr 2010 um das 2,2-Fache. Das IW fasst darin die Aufwendungen der Arbeitgeber fĂŒr die weitere Überweisung des Gehalts - laut Sozialbudget 2024 insgesamt 69,1 Milliarden Euro - zusammen mit den Arbeitgeberanteilen am Sozialversicherungsbeitrag. Diese gibt das IW mit 13,0 Milliarden Euro an. Nicht eingerechnet ist die Lohnfortzahlung im Mutterschutz.

Was heute gilt

Fehlt ein Arbeitnehmer krankheitsbedingt im Betrieb, verpflichtet das Entgeltfortzahlungsgesetz den Arbeitgeber zur Fortzahlung des Gehalts. Bei lÀnger wÀhrenden AusfÀllen zahlt die gesetzliche Krankenkasse im Anschluss an die Lohnfortzahlung das Krankengeld.

Bis zum Ende der 72. Woche haben langzeiterkrankte BeschĂ€ftigte Anspruch auf 70 Prozent des Bruttoentgelts. Im vergangenen Jahr hĂ€tten die Arbeitgeberaufwendungen die Ausgaben fĂŒr das Krankengeld um das Vierfache ĂŒbertroffen, schreibt das IW.

GrĂŒnde des Anstiegs

Angetrieben wurde der Kostenanstieg in den vergangenen Jahren laut IW durch Lohnerhöhungen und wachsende BeschÀftigung. "Zudem ist aber der Krankenstand seit rund zwei Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen", unterstreicht Pimpertz. Als naheliegend beschreibt er, dass die Ausfallzeiten mit der Alterung der Belegschaften steigen.

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