Arbeitsbelastung, Rente

Arbeitsbelastung 2026: 40 Prozent zweifeln an gesunder Rente

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 18:17 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt steigenden Leistungsdruck bei hohen KrankenstÀnden. Neue Regeln zur Krankschreibung ab 2027 beschlossen.

Arbeitswelt 2026: ProduktivitÀt steigt, Gesundheit leidet
Nahaufnahme von HĂ€nden, eine Hand hĂ€lt sich den Kopf vor Stress, die andere liegt auf einer Tastatur. BĂŒroumgebung, spĂ€te Stunde. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Arbeitswelt 2026 steckt in einem Dilemma: WÀhrend die ProduktivitÀt in vielen Betrieben steigt, nehmen Arbeitsdruck und Gesundheitsrisiken massiv zu. Das zeigt der Strukturwandelbarometer 2026, der heute veröffentlicht wurde.

Betriebe zwischen ProduktivitÀt und Personalmangel

73 Prozent der untersuchten Betriebe sehen die ProduktivitÀt als ihr zentrales Thema. Mehr als die HÀlfte gab an, die ProduktivitÀt in den vergangenen drei Jahren gesteigert zu haben. Die Kehrseite: verschlechtertes Arbeitsklima, gestiegener Leistungsdruck und hohe KrankenstÀnde.

Die Personalsuche gestaltet sich schwierig. 63 Prozent der Betriebe melden Personalprobleme. Gleichzeitig zögern viele bei der Einstellung bestimmter Gruppen. 35 Prozent der Unternehmen beschĂ€ftigen ungern Langzeitarbeitslose, 29 Prozent zögern bei ĂŒber 50-JĂ€hrigen. TeilzeitkrĂ€fte lehnen 22 Prozent ab, Personen mit Betreuungspflichten 17 Prozent.

Arbeitnehmervertreter fordern ein Umdenken: gesĂŒndere Arbeitsbedingungen und verstĂ€rkte Qualifizierung statt ProduktivitĂ€tsdruck um jeden Preis.

Viele BeschÀftigte zweifeln an gesunder Rente

Der aktuelle DGB-Index „Gute Arbeit“ bestĂ€tigt den Negativtrend. 40 Prozent der rund 28.000 befragten BeschĂ€ftigten können sich nicht vorstellen, unter den derzeitigen Bedingungen bis zur Rente durchzuhalten.

In besonders belastenden Berufen sind die Zahlen alarmierend. Bei Klempnern sowie BeschĂ€ftigten in der SanitĂ€r- und Heizungstechnik sind es 72 Prozent, in der Krankenpflege 71 Prozent, im Hochbau 66 Prozent. HauptgrĂŒnde: körperliche Belastung, LĂ€rm, Zeitdruck und fehlende betriebliche Gesundheitsförderung.

Psychische Erkrankungen – selten, aber teuer

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Der BKK-Dachverband meldete gestern: Die Ausgaben fĂŒr Krankengeld belaufen sich auf 21,6 Milliarden Euro. In zehn Jahren stieg die Zahl der Krankengeldtage um 24,4 Prozent.

Besonders tĂŒckisch: Psychische Erkrankungen machen nur 5,4 Prozent der KrankschreibungsfĂ€lle aus. Doch sie fĂŒhren mit durchschnittlich 28,5 Ausfalltagen pro Fall zu den lĂ€ngsten AusfĂ€llen. Der allgemeine Krankenstand lag 2025 stabil bei 6,1 Prozent.

PrÀvention lohnt sich. Betriebliche Gesundheitsförderung senkt die Fehltage um durchschnittlich 25 Prozent. Jeder investierte Euro spart etwa 2,70 Euro ein. Der steuerliche Freibetrag liegt bei 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.

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Regierung verschÀrft Krankschreibungsregeln

Anfang Juli beschloss die Bundesregierung ein Reformpaket, das zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Kernpunkt: Die AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

Die Wirtschaft reagiert gespalten. ArbeitgeberverbĂ€nde in Baden-WĂŒrttemberg begrĂŒĂŸen die Regelung als Signal gegen Missbrauch. Unternehmen wie ebm-papst und Ziehl-Abegg warnen dagegen: Eine frĂŒhe Attestpflicht könne den Genesungsprozess verzögern. Erfahrungen zeigten, dass Mitarbeiter auf Vertrauensbasis oft nach einem Tag wieder einsatzfĂ€hig seien – eine formale Krankschreibung umfasse dagegen meist drei Tage.

Das Paket enthĂ€lt weitere Maßnahmen:
- Ausweitung der sachgrundlosen Befristung auf bis zu 48 Monate (befristet bis Ende 2030)
- Wegfall des Schriftformerfordernisses bei Befristungen
- Lockerung des KĂŒndigungsschutzes fĂŒr Hochverdiener (ĂŒber 177.500 Euro Jahresbrutto)
- Anhebung steuerfreier ZuschlĂ€ge fĂŒr Sonn- und Feiertagsarbeit ab 2027

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Hitze und fragmentierte Arbeitszeiten belasten ProduktivitÀt

Auch externe Faktoren machen den Betrieben zu schaffen. Eine Prognos-Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums zeigt: Ein einziger Hitzetag verursacht in Baden-WĂŒrttemberg Kosten von 60 Millionen Euro – durch Krankheit, UnfĂ€lle und ProduktivitĂ€tsverluste.

Bei Temperaturen ĂŒber 30 Grad sinkt die LeistungsfĂ€higkeit mit jedem weiteren Grad um 3 Prozent, so Allianz Trade. Dennoch hat nur jedes zweite BĂŒro und jeder fĂŒnfte Haushalt eine Klimaanlage.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) untersuchte zudem fragmentierte Arbeitszeiten. Das Ergebnis: Unterbrechungen des Arbeitstags aus privaten GrĂŒnden mit anschließender Weiterarbeit nach 19 Uhr verbessern die Work-Life-Balance nicht. Im Gegenteil – solche Muster fĂŒhren zu mehr Überstunden und dem Wunsch nach kĂŒrzeren Arbeitszeiten. Wissenschaftler empfehlen stattdessen, Kernarbeitszeiten an den biologischen Rhythmus der BeschĂ€ftigten anzupassen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Änderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.

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