Arbeitsmarkt Hessen: Fast jedes zweite Unternehmen braucht Ausländer
02.06.2026 - 10:39:37 | boerse-global.de
Ohne Migration wäre das Wirtschaftswachstum im Land nicht mehr möglich.
Die Bundesagentur für Arbeit hat am heutigen Dienstag neue Zahlen vorgelegt, die die Abhängigkeit des hessischen Arbeitsmarktes von internationalen Fachkräften eindrucksvoll belegen. Rund 80.500 Betriebe – das entspricht 49 Prozent aller Unternehmen im Bundesland – setzen auf ausländische Beschäftigte. Insgesamt arbeiten 567.400 ausländische Arbeitnehmer in Hessen.
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Damit belegt das Land gemeinsam mit Baden-Württemberg den zweiten Platz unter den deutschen Bundesländern. Nur Berlin liegt noch vorn. Frank Martin, Chef der Regionaldirektion Hessen, bringt es auf den Punkt: „Das Beschäftigungswachstum in Hessen ist inzwischen vollständig von Zuwanderung abhängig."
Stadt und Land klaffen auseinander
Die Verteilung ausländischer Arbeitskräfte ist höchst unterschiedlich. In Offenbach beschäftigen 69 Prozent der Firmen nicht-deutsches Personal – Spitzenwert im Land. Frankfurt folgt mit 61 Prozent. Ganz anders sieht es auf dem Land aus: Der Werra-Meißner-Kreis meldet mit 28 Prozent den niedrigsten Anteil.
Die Daten zeigen auch: Ausländische Arbeitnehmer sind keine reine Hilfskraft-Reserve. 43 Prozent von ihnen arbeiten in qualifizierten Positionen. Insgesamt sind fünf von sechs Zugewanderten in Hessen erwerbstätig – eine bemerkenswert hohe Quote.
Die Rentenwelle rollt – und trifft vor allem Deutsche
Der Druck auf den Arbeitsmarkt wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Bis 2032 werden in Hessen rund 295.000 Menschen das Rentenalter erreichen. Das Besondere: 90 Prozent von ihnen sind deutsche StaatsbĂĽrger.
Ohne kontinuierlichen Nachschub aus dem Ausland drohen massive Engpässe. Die Regionaldirektion warnt vor ernsten Versorgungslücken, wenn diese Generation den Arbeitsmarkt verlässt.
Weniger Zuwanderung – ein bundesweiter Trend
Ausgerechnet jetzt sinkt die Zuwanderung nach Deutschland drastisch. Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 einen Einbruch der Nettozuwanderung um die Hälfte: Statt 430.000 Menschen kamen nur noch 235.000 nach Deutschland.
Besonders stark fielen die Rückgänge bei syrischen Staatsbürgern aus – hier halbierte sich die Nettozuwanderung nahezu auf 25.000. Aus der Türkei kamen 24.000 Menschen weniger als im Vorjahr, aus Afghanistan 19.000. Selbst aus der Ukraine, lange Zeit Hauptherkunftsland, sank die Zahl um ein Fünftel auf 96.000.
Gleichzeitig verzeichnete Deutschland einen negativen Saldo mit der EU: 54.000 Menschen mehr zogen weg als kamen. Und auch 97.000 deutsche Staatsbürger verließen das Land – die meisten in die Schweiz, nach Österreich und Spanien.
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Stimmung am Arbeitsmarkt: Stillstand statt Aufbruch
Trotz der hohen Abhängigkeit von Zuwanderung zeigt der Arbeitsmarkt aktuell wenig Dynamik. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer kletterte im Mai 2026 zwar leicht auf 99,6 Punkte – bleibt aber unter der neutralen Marke von 100. Enzo Weber vom IAB spricht von einer Lage ohne dramatische Einbrüche, aber auch ohne spürbare Fortschritte.
Die Zahl der Erwerbstätigen lag im April bei 45,61 Millionen. Das sind zwar saisonbereinigt 88.000 mehr als im Vormonat, aber 184.000 weniger als im April 2025. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote beträgt 3,8 Prozent.
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