Arbeitsmarktreform, AU-Pflicht

Arbeitsmarktreform: Neue AU-Pflicht und Befristung bis 4 Jahre ab 2027

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 03:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung beschließt umstrittene Änderungen bei Krankmeldung und Befristung. Gewerkschaften und Beschäftigte protestieren gegen die Pläne.

Arbeitsmarktreform: Koalition plant härtere Regeln und längere Befristung
Eine Hand zerknüllt einen Arbeitsvertrag vor dem verschwommenen Hintergrund einer politischen Debatte im Bundestag. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Anfang Juli beschloss die schwarz-rote Koalition umfassende Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik. Während die Regierung auf Wachstum und Sozialstaatserhalt pocht, berichten Beschäftigte aus Behörden und Privatwirtschaft von wachsender Belastung.

Strengere Regeln bei Krankmeldung und Befristung

Ein zentraler Streitpunkt: die Neuregelung der Krankmeldung. Ab dem ersten Krankheitstag soll künftig eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) Pflicht sein. Die telefonische Krankschreibung soll wegfallen, härtere Sanktionen bei falschen Bescheinigungen kommen. Der Hausärzteverband hält die Pläne für kontraproduktiv.

Parallel plant die Regierung eine Reform des Befristungsrechts. Die sachgrundlose Befristung soll ab Januar 2027 auf bis zu vier Jahre ausgeweitet werden – mit bis zu sechs Verlängerungen. Bisher liegt die Grenze bei zwei Jahren. In einer aktuellen Umfrage lehnten 54 Prozent der Befragten diese Ausweitung ab. Das Paket sieht zudem eine jährliche Steuerentlastung von zehn Milliarden Euro vor. Der Mindestlohn soll 2027 auf 14,60 Euro steigen.

Vorwürfe der Günstlingswirtschaft im Ministerium

Nicht nur die Gesetze, auch interne Abläufe in den Bundesministerien stehen in der Kritik. Im Verteidigungsministerium gab es Mitte Juli eine Personalversammlung. Mitarbeiter warfen der Leitung um Minister Boris Pistorius vor, SPD-Mitglieder bei Beförderungen zu bevorzugen. Das Ministerium wies die Vorwürfe zurück.

In nachgeordneten Behörden verschärft sich die Lage ebenfalls. Beschäftigte des Jobcenters in Leipzig berichten von massiver Überlastung und zunehmender Gewalt im Arbeitsalltag. Die Zahl der Verfahren wegen Missbrauchs von Sozialleistungen stieg 2025 um 6,8 Prozent auf über 133.000 Fälle. Die CDU fordert eine härtere Gangart: besseren Datenaustausch und eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Bezieher.

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Gewerkschaften drohen mit Widerstand

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Einzelgewerkschaften stellen sich klar gegen den Kurs. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnet den Acht-Stunden-Tag als rote Linie und warnt vor Konflikten, falls das Arbeitszeitgesetz aufgeweicht wird. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert dagegen weitere Reformen – inklusive Karenztagen bei Krankheit.

Die Skepsis in der Belegschaft ist einer DGB-Umfrage zufolge groß. Rund 40 Prozent der 28.000 Befragten glauben nicht, ihren Job bis zur Rente durchhalten zu können. In körperlich oder psychisch belastenden Berufen wie Pflege, Handwerk oder Bau liegt der Anteil sogar bei über 50 Prozent.

Tarifkonflikte eskalieren

Die politischen Spannungen schlagen auf die Tarifverhandlungen durch. Mitte Juli brachen die Handelsverbände die Gespräche mit Verdi in mehreren Bundesländern ab – darunter Bayern, Rheinland-Pfalz und Berlin-Brandenburg. Der Handelsverband HDE fordert angesichts steigender Kosten einen Deckel für Lohnnebenkosten bei 40 Prozent.

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Auch in der Industrie droht Eskalation. Bei Volkswagen verschärft sich der Konflikt zwischen Vorstand und Betriebsrat über den Erhalt von Arbeitsplätzen. Berichten zufolge könnten langfristig zwei weitere Werke von Schließung bedroht sein. Die Verhandlungen über die Zukunft von rund 100.000 Beschäftigten stocken. Während die SPD-Spitze Reformbereitschaft signalisiert, wächst der Widerstand in der eigenen Fraktion und an der Basis gegen Einschnitte im Sozialgefüge.

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