Arbeitsmedizin: Quentic erweitert Software um digitale Vorsorgekartei
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Berliner Softwareunternehmen Quentic hat sein Portfolio um ein spezialisiertes Modul für den Bereich Arbeitsmedizin erweitert. Die Neuerung zielt darauf ab, die betriebliche Gesundheitsvorsorge durch eine digitale Vorsorgekartei, eine automatisierte Bedarfsermittlung sowie eine revisionssichere Dokumentation zu optimieren. Mit diesem Schritt reagiert der Anbieter auf den wachsenden Bedarf an integrierten Lösungen im Bereich Environmental, Health and Safety (EHS).
Digitale Dokumentation und automatisierte Prozesse
Das neue Software-Modul soll Unternehmen dabei unterstützen, die komplexen Anforderungen der arbeitsmedizinischen Vorsorge effizienter zu verwalten. Im Zentrum steht die digitale Vorsorgekartei, die alle relevanten Daten zentral bündelt. Durch die automatisierte Bedarfsermittlung können Verantwortliche feststellen, welche Mitarbeiter zu welchen Untersuchungen verpflichtet sind oder welche Angebote ihnen unterbreitet werden müssen.
Nach Angaben des Unternehmens nutzen bereits mehr als 1.200 Kunden die bestehende Quentic-Plattform. Die Erweiterung gliedert sich in ein Marktumfeld ein, in dem digitale Lösungen zunehmend die papierbasierte Verwaltung ablösen.
So setzt beispielsweise die Arbeitsbühnen Gagarin GmbH seit dem Jahr 2023 auf die EHS-Software sam® des Anbieters secova, um Unterweisungen und Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses (ASA) zu dokumentieren. secova verzeichnet für sein System seit 2008 insgesamt über 3,5 Millionen Anwender.
Einbindung von Künstlicher Intelligenz und Telemedizin
Parallel zur Entwicklung klassischer Verwaltungssoftware drängen verstärkt Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) in den Bereich der Betriebsgesundheit. Das Unternehmen Neurophet unterzeichnete am 18. August 2026 eine Partnerschaft mit Neomark, um die KI-Software AQUA in Gesundheitschecks für Mitarbeiter zu integrieren. Diese ermöglicht KI-basierte Screenings der Gehirngesundheit.
Wer sich mit der Digitalisierung der betrieblichen Vorsorge befasst, sollte auch die rechtssichere Dokumentation der vorgeschriebenen Schulungen im Blick behalten. Diese kostenlose Vorlage unterstützt Sie dabei, Unterweisungen in wenigen Minuten professionell zu protokollieren. Unterweisungen rechtssicher dokumentieren – mit dieser kostenlosen Word-Vorlage in Minuten erledigt
Auch spezialisierte medizinische Dienste werden zunehmend digital für den betrieblichen Kontext erschlossen. Das Unternehmen InnoJin startete mit Avenir einen Online-Dienst für Augenheilkunde, der bereits für 3.300 Unternehmen zur Verfügung steht. Der Dienst umfasst Diagnosen per Smartphone oder PC sowie die direkte Lieferung von Medikamenten.
Im Bereich der Diagnostik testet Nexus Intelligence zudem eine KI-gestützte Röntgenanalyse in der südafrikanischen Mponeng-Mine. Dort liegen Ergebnisse für Erkrankungen wie Tuberkulose oder Silikose in einer Tiefe von vier Kilometern in unter 45 Sekunden vor.
Staatliche Ausschreibungen und regulatorische Rahmenbedingungen
Die Relevanz strukturierter arbeitsmedizinischer Betreuung zeigt sich auch im öffentlichen Sektor. Das Land Nordrhein-Westfalen hat Mitte August den überbetrieblichen Dienst für die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung an Schulen neu ausgeschrieben.
Die Ausschreibung ist in fünf Lose nach Regierungsbezirken unterteilt und sieht eine Vertragslaufzeit vom 1. Februar 2027 bis zum 31. Januar 2032 vor. Die Mindestumsätze je Los variieren erheblich: Während für den Bezirk Detmold 1,63 Millionen Euro angesetzt sind, liegt der Wert für Düsseldorf bei 4,03 Millionen Euro und für Köln bei 3,44 Millionen Euro.
Neben der medizinischen Vorsorge stellt auch die systematische Unterweisung der Belegschaft eine zentrale gesetzliche Pflicht für Arbeitgeber dar. Eine praxisnahe Anleitung inklusive fertiger PowerPoint-Muster hilft Verantwortlichen, diese Termine effizient vorzubereiten und Haftungsrisiken zu minimieren. Sicherheitsunterweisung im Betrieb: Kostenlose Muster-Vorlage und Expertenanleitung jetzt gratis herunterladen
Zudem konkretisieren Behörden die steuerliche Behandlung von Gesundheitsförderung. Laut einer Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Steuern vom Frühjahr 2026 kann die Registrierung für Firmenfitness-Angebote einen geldwerten Vorteil darstellen. Dabei ist die monatliche Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro zu beachten.
Präventionskurse können jedoch bis zu einem betrag von 600 Euro pro Jahr steuerfrei bleiben, sofern sie zertifiziert sind und die Teilnahme nachgewiesen wird.
Infrastruktur und Datenschutz im Fokus
Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Anforderungen an die Sicherheit der Datenströme. Die ITSG, die seit 30 Jahren den Datenaustausch zwischen Krankenkassen und Arbeitgebern koordiniert, betreibt hierfür eine eigene Infrastruktur in Frankfurt. Das Unternehmen ist unter anderem für den Betrieb der elektronischen Patientenakte (ePA) für die AOK-Gemeinschaft verantwortlich.
Um den Datenschutz in der medizinischen KI-Forschung zu stärken, entwickelt das Fraunhofer AISEC derzeit das Projekt ANONY-MED 2. Hierbei werden synthetische Daten und Federated Learning kombiniert, um die Schlaganfalltherapie datenschutzkonform weiterzuentwickeln.
