Arbeitsmedizin, BetriebsÀrzte

Arbeitsmedizin: Über 9.000 BetriebsĂ€rzte fordern volle Aktenzugriffsrechte

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Stellenausschreibungen, Belastungsdaten und Verbandsforderungen zeigen den wachsenden Stellenwert betrieblicher Gesundheitsvorsorge in Europa.
Moderner, heller Behandlungsraum in einer betriebsmedizinischen Einrichtung mit medizinischer Ausstattung. Illustration mit AI erstellt.

Der Bedarf an qualifiziertem medizinischem Fachpersonal und Arbeitsmedizinern zur Betreuung von Gesundheits- und PrĂ€ventionsmaßnahmen in Betrieben nimmt europaweit spĂŒrbar zu. Zahlreiche aktuelle Stellenausschreibungen sowie Berichte von BranchenverbĂ€nden verdeutlichen, dass Arbeitgeber ĂŒber Landesgrenzen hinweg in arbeitsmedizinische Dienste, betriebliche Vorsorge und PrĂ€ventionskonzepte investieren.

Hohe Nachfrage nach Arbeitsmedizinern und PflegekrÀften

In mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern schreiben Arbeitgeber derzeit spezialisierte Positionen fĂŒr die betriebliche Gesundheitsbetreuung aus. So suchte Gi Life Sciences Basel laut einem Bericht vom 16. Oktober 2026 eine Betriebspflegefachperson fĂŒr den internen medizinischen Dienst in Bern.

Zu den Aufgaben gehören die Koordination betriebsmedizinischer Leistungen, Vorsorge- und Einstellungsuntersuchungen, Impfkampagnen sowie Erste-Hilfe-Schulungen unter Wahrung der Àrztlichen Schweigepflicht.

Auch in Frankreich besteht ein hoher Bedarf an BetriebsĂ€rzten. Appel MĂ©dical schrieb nach Angaben vom 16. Oktober 2026 eine befristete Stelle fĂŒr einen MĂ©decin du travail in Évreux aus, die mit 55 Euro pro Stunde vergĂŒtet wird und die Betreuung von Mitgliedsbetrieben im Agrarsektor umfasst.

Die Groupe Randstad France bot laut einem Bericht vom selben Tag eine befristete Anstellung ab dem 12. Oktober 2026 in Thonon-les-Bains mit einem Bruttogehalt von 2.585,12 Euro pro Woche an. FĂŒr eine unbefristete Stelle im autonomen arbeitsmedizinischen Dienst eines Konzerns fĂŒr Intralogistik in Ancenis werden bis zu 130.000 Euro brutto im Jahr in Aussicht gestellt.

In SĂšte reicht die vorgesehene VergĂŒtung bei einer unbefristeten Ausschreibung von 85.000 bis 125.000 Euro pro Jahr, wobei der Arbeitgeber auch die Weiterbildung zum Arbeitsmediziner finanziert.

Weitere Ausschreibungen betreffen unter anderem Cogolin ĂŒber das Cabinet Cap-RH sowie Göteborg in Schweden, wo die Region VĂ€stra Götaland einen Betriebsarzt fĂŒr IndividualfĂ€lle und Rehabilitationsprozesse sucht. FĂŒr eine am 16. Oktober 2026 ausgeschriebene Hybrid-Position in Inverness liegt die VergĂŒtung bei 90.000 bis 120.000 Pfund pro Jahr.

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Psychische Risiken belasten europÀische Betriebe

Hintergrund der verstĂ€rkten Anstrengungen sind wachsende gesundheitliche Belastungen der Belegschaften. Nach Angaben der EuropĂ€ischen Agentur fĂŒr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) sind 45 Prozent der BeschĂ€ftigten in Europa am Arbeitsplatz psychischen Risiken ausgesetzt.

Rund 44 Prozent berichten von starkem Zeitdruck oder Überlastung. Allerdings werden laut EU-OSHA lediglich 45 Prozent der BeschĂ€ftigten zu stressigen Aspekten ihrer Arbeit befragt. Vor diesem Hintergrund startete die EU-Kommission die Kampagne „Healthy Workplaces“.

Wie Berechnungen des EuropĂ€ischen Gewerkschaftsinstituts zeigen, verursacht arbeitsbedingte Depression in der EuropĂ€ischen Union jĂ€hrlich Kosten von mehr als 100 Milliarden Euro durch Fehlzeiten, ProduktivitĂ€tsverluste sowie Belastungen fĂŒr die Gesundheits- und Sozialsysteme.

Auch regionale Erhebungen spiegeln diesen Trend wider. Laut dem Integrationsfachdienst Cottbus wÀchst bei Arbeitgebern in der Lausitz die Unsicherheit im Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern.

Eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg unter 96 Unternehmen ergab Ende Juli, dass sich 32 Prozent mehr PrĂ€ventionsangebote wĂŒnschen, wĂ€hrend 38 Prozent keinen zusĂ€tzlichen UnterstĂŒtzungsbedarf beim betrieblichen Gesundheitsmanagement sehen.

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Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen

Gleichzeitig drĂ€ngen FachverbĂ€nde auf verbesserte Arbeitsbedingungen fĂŒr PrĂ€ventionskrĂ€fte. Die VerbĂ€nde DGAUM, BsAfB und VDBW forderten im Rahmen der Gesetzesberatungen in Deutschland die Gleichstellung von ĂŒber 9.000 BetriebsĂ€rztinnen und BetriebsĂ€rzten beim Zugriff auf die elektronische Patientenakte. Sie verlangen unter anderem volle Zugriffsrechte und eine VerlĂ€ngerung der Zugriffsfrist von 3 auf 90 Tage, da die Arbeitswelt mit rund 46 Millionen ErwerbstĂ€tigen das grĂ¶ĂŸte PrĂ€ventionssetting darstelle.

In Österreich fordert der ÖGB, der rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer vertritt, leistbare und ausgewogene Mahlzeiten in Kantinen als Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Im MĂŒnsterland veranstalten Strong Partners, die jĂ€hrlich mehr als 450 Gesundheitstage und ĂŒber 4.800 Sportkurse durchfĂŒhren, und das Netzwerk Gesundheitswirtschaft MĂŒnsterland am 20. Oktober 2026 einen Netzwerkabend zum Thema Gesundheitsförderung als Instrument der FachkrĂ€ftesicherung.

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