Arbeitsschutz: 600 Millionen Entlastung bei Elektroprüfungen
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 05:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung lockert die Regeln für Elektroprüfungen – und verschärft gleichzeitig die Anforderungen an die Dokumentation psychischer Belastungen und Cybersicherheit.
600 Millionen Entlastung – aber mit Risiken
Die geplanten Änderungen sollen Betriebe um rund 600 Millionen Euro entlasten. Statt starrer Prüffristen für Elektrogeräte gilt künftig eine risikobasierte Bewertung. Die individuelle Gefährdungsbeurteilung im Betrieb wird zur Grundlage für die Intervalle.
Branchenexperten verweisen auf die DGUV Vorschrift 3, die solche flexiblen Fristen bereits heute ermöglicht. Auch die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1201 sieht Prüfungen primär dort vor, wo schädigende Einflüsse auf die Betriebsmittel einwirken.
Doch Vorsicht ist geboten: Die Verantwortung für die Sicherheit bleibt beim Arbeitgeber. In Hochrisikobereichen wie gewerblichen Küchen oder feuchten Umgebungen ist ein niedriges Gefährdungspotenzial selten gegeben. Bestehende Intervalle sollten dort nicht vorschnell ausgesetzt werden. Eine generelle Pflicht für Prüfplaketten gibt es zwar nicht, die Dokumentationspflicht bleibt aber für die Rechtssicherheit unerlässlich.
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Psychische Belastung rückt in den Fokus
Parallel zu den Erleichterungen wächst der Druck zur Aktualisierung bestehender Gefährdungsbeurteilungen. Der TÜV Rheinland wies am 15. Juli darauf hin, dass Unternehmen ihre Dokumentationen regelmäßig anpassen müssen – an den Stand der Technik und veränderte Arbeitsbedingungen.
Bereits im Mai hatte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ihr Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung aktualisiert. Die Kapitel zu psychischen Gefährdungen und optischer Strahlung wurden überarbeitet. Der Hintergrund: Rund 20 Prozent der Beschäftigten fühlen sich stark gestresst. Über 50 Prozent leiden unter Schlafproblemen, die unter anderem auf eine belastende Meetingkultur zurückgehen. Im digitalen Arbeitsumfeld wird die Konzentration statistisch gesehen alle zwei Minuten unterbrochen.
Cybersicherheit wird Teil des Arbeitsschutzes
Ein neuer Schwerpunkt ist die Verknüpfung von Arbeitssicherheit und IT-Security. Die TRBS 1115-1 fordert mittlerweile eine systematische Identifizierung von Cyberrisiken für überwachungsbedürftige Anlagen. Mess-, Steuer- und Regeleinrichtungen müssen gegen unbefugte Eingriffe geschützt sein, um die funktionale Sicherheit zu gewährleisten. Softwarebasierte Lösungen für revisionssichere Dokumentation und Auditfähigkeit rücken dabei in den Fokus.
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Für die Instandhaltung von Maschinen wurde zudem die europaweite Norm DIN EN 17975 veröffentlicht. Sie regelt das Lockout-Tagout-Verfahren (LOTO), das Wartungspersonal durch sicheres Trennen und Verriegeln von Energiequellen vor unbeabsichtigtem Wiedereinschalten schützt.
Branchen im Visier: Bau und Tierbetreuung
Die Anforderungen variieren je nach Branche erheblich. In der Bauwirtschaft müssen für größere Vorhaben bereits zwei Wochen vor Baubeginn Vorankündigungen erfolgen. Bei gefährlichen Arbeiten oder dem Einsatz mehrerer Firmen ist die Bestellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators (SiGeKo) sowie die Erstellung eines speziellen Schutzplanes zwingend erforderlich. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.
Für Hundeschulen und Tiertrainer gelten spezifische Anforderungen nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Biostoffverordnung. Beißunfälle und die Verhaltensanamnese stehen im Fokus. Bei fehlenden Unterweisungen oder lückenhaften Beurteilungen drohen Bußgelder von bis zu 30.000 Euro.
Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen setzen daher auf externe Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Diese übernehmen neben der Erstellung von Betriebsanweisungen oft auch spezialisierte Messungen von Lärm, Beleuchtung oder Gefahrstoffkonzentrationen – für eine rechtssichere Betreuung nach DGUV Vorschrift 2.
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