Arbeitsschutz: BAuA konkretisiert GefÀhrdungsbeurteilung mit neuem Handbuch
16.06.2026 - 03:31:37 | boerse-global.de
Die Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat heute den zweiten Teil ihres Handbuchs zur GefĂ€hrdungsbeurteilung vorgelegt. Zusammen mit neuen VDI-Richtlinien und digitalen Schulungsprogrammen konkretisiert die Veröffentlichung die Anforderungen an die betriebliche Sicherheit.
Die wirtschaftliche Dimension von ArbeitsunfÀllen ist enorm. Laut BAuA-Daten aus Mai 2026 wurden 2018 rund 950.000 ArbeitsunfÀlle registriert. Die ProduktionsausfÀlle beliefen sich auf 85 Milliarden Euro, der gesamte Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 145 Milliarden Euro. Die GefÀhrdungsbeurteilung gilt seit 1996 als zentrales Instrument des Arbeitsschutzgesetzes.
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Mechanische GefÀhrdungen im Fokus
Der neue Handbuchteil widmet sich spezifisch mechanischen GefĂ€hrdungen. Laut DGUV-Statistiken sind sie fĂŒr etwa 75 Prozent aller ArbeitsunfĂ€lle verantwortlich. Jeweils ein Viertel entfĂ€llt auf unkontrolliert bewegte Teile, gefĂ€hrliche OberflĂ€chen, TransportvorgĂ€nge sowie Stolper- und SturzunfĂ€lle. AbstĂŒrze machen sechs Prozent aus.
Zur Risikominderung empfiehlt die BAuA eine Hierarchie von MaĂnahmen: Energieverringerung, rĂ€umliche Trennung durch Schutzeinrichtungen oder Lichtgitter und persönliche SchutzausrĂŒstung (PSA). Besondere Grenzwerte gelten bei der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter.
Neue Anforderungen fĂŒr SachverstĂ€ndige
Parallel zu den allgemeinen Richtlinien wurden gestern spezifische Anforderungen fĂŒr Kfz-SachverstĂ€ndige veröffentlicht. Die Richtlinie VDI-MT 5900 Blatt 2.1 definiert Kompetenzen fĂŒr die Bewertung klassischer und historischer Fahrzeuge. Dazu gehören technisches Wissen, Schadensbewertung sowie Kenntnisse im Zulassungsrecht und der FahrzeugidentitĂ€t. Zertifizierungen dĂŒrfen kĂŒnftig nur von akkreditierten Stellen vorgenommen werden.
Auch im Brandschutz bleiben die HĂŒrden hoch. Die Bestellung von Brandschutzbeauftragten ist fĂŒr Sonderbauten wie KrankenhĂ€user oder VerkaufsstĂ€tten ab 2.000 Quadratmetern sowie Industriebauten ab 5.000 Quadratmetern relevant. Die Ausbildung umfasst 64 Unterrichtseinheiten, ergĂ€nzt durch Fortbildungen von 16 Einheiten alle drei Jahre.
Digitalisierung in der Arbeitssicherheit
Die Ausbildung zur Fachkraft fĂŒr Arbeitssicherheit integriert zunehmend digitale Technologien. Moderne Aufgabenfelder umfassen Drohnentechnik, Dokumentenmanagementsysteme (DMS) und Predictive Analytics in vernetzten GebĂ€uden.
Im Bereich GesundheitsprÀvention hat die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) gestern ein neues webbasiertes Training zur SuchtprÀvention veröffentlicht. Anlass ist die Aktionswoche Alkohol 2026. Das kostenfreie Programm bietet Module zu betrieblichen Strategien und zum Umgang mit Suchterkrankungen.
Rechtliche Rahmenbedingungen verschÀrfen sich
Die Rechtsprechung festigt die Relevanz betrieblicher Schutzkonzepte. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 15. Dezember 2022 (Az. 2 AZR 162/22) zeigt: Krankheitsbedingte KĂŒndigungen ohne Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) sind in der Regel unwirksam.
Ein BEM-GesprĂ€ch ist gesetzlich vorgeschrieben, doch viele Beteiligte kennen die rechtlichen Fallstricke nicht. Dieser kostenlose Leitfaden enthĂ€lt eine Muster-Betriebsvereinbarung und zeigt, wie Sie den Arbeitsplatz rechtssicher schĂŒtzen. VollstĂ€ndige BEM-Anleitung jetzt kostenlos herunterladen
Auch in der Medizin steigen die formalen Anforderungen. Seit Mitte Juni ist fĂŒr assistierte Telemedizin in Apotheken eine schriftliche Vereinbarung mit Patienten zwingend erforderlich â mit vierjĂ€hriger Aufbewahrungsfrist. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) fordert zudem eine StĂ€rkung der einheitlichen Akkreditierung medizinischer Labore.
Bei Berufskrankheiten steht eine Erweiterung der Liste bevor. Das Bundeskabinett beschloss Ende Mai 2025 die Aufnahme von Parkinson durch Pestizide. FĂŒr die finale Umsetzung fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates. 2024 gab es 90.749 Verdachtsanzeigen â weniger als jede dritte fĂŒhrte zur Anerkennung.
