Arbeitsschutz bei Hitze: 400.000 Arbeitnehmer im Freien gefährdet
25.06.2026 - 09:09:27 | boerse-global.de
Für weite Teile des Nordostens Österreichs hat die staatliche Wetterredaktion die höchste Warnstufe ausgerufen. Meteorologen rechnen mit der längsten Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – der bisherige Rekord von 40,5 Grad aus dem Jahr 2013 wackelt.
Österreich: Neue Verordnung, alte Probleme
Rund 400.000 Menschen arbeiten in Österreich im Freien. Seit Anfang 2026 gilt eine neue Hitzeschutzverordnung. Sie verpflichtet Arbeitgeber zu Gefahrenbeurteilungen und Schutzmaßnahmen. Ab der Hitzewarnstufe 2 – gefühlte Temperatur über 30 Grad – müssen diese Maßnahmen umgesetzt werden.
Die Behörden kontrollieren scharf: Bei rund 700 Überprüfungen stellten sie 491 Verstöße fest. Einen gesetzlichen Anspruch auf „Hitzefrei“ gibt es nicht. Doch ab 32,5 Grad kann die Arbeit unterbrochen werden. Die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse übernimmt dann 60 Prozent des Lohnersatzes. Im Sommer 2024 nutzte bereits jeder vierte Bauarbeiter diese Regelung.
Josef Muchitsch, Chef der Gewerkschaft Bau-Holz, fordert ein verpflichtendes Hitzefrei schon ab 30 Grad. Die Praxis zeigt jedoch neue Konflikte: Wer früher anfängt, macht früher Lärm. Bei Baustellen, die teilweise ab 5 Uhr starten, häufen sich Beschwerden von Anwohnern. Die Polizei rückte bereits mehrfach aus. Große Baukonzerne wie STRABAG oder Porr setzen derweil auf betriebsinterne Kühlmaßnahmen.
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Deutschland: Gestaffelte Regeln, flexible Lösungen
Auch in Deutschland gibt es keinen generellen Anspruch auf Hitzefrei. Die Vorgaben sind aber klar: Ab 26 Grad Raumtemperatur sollen Arbeitgeber erste Maßnahmen ergreifen – Sonnenschutz oder verschobene Arbeitszeiten. Ab 30 Grad wird der Schutz verpflichtend: Getränke, Belüftung, Verschattung. Und ab 35 Grad gelten Räume ohne Kühlung als ungeeignet für die Arbeit.
Die Kommunen reagieren flexibel. In Osnabrück startet die Müllabfuhr während der Hitzewelle um 5:30 Uhr. Gesundheitsämter raten, schwere Arbeiten in die kühleren Morgenstunden zu verlegen. UV-Schutz ist ab einem Index von 3 empfohlen, ab Index 8 zwingend erforderlich.
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Schweiz: Gleise verformen sich, Züge fallen aus
Schweizer Bauunternehmen setzen auf früheren Arbeitsbeginn und Sonnenschutz. Bei Kibag ist das Tragen eines Nackenschutzes Pflicht, schwere körperliche Arbeiten werden reduziert. Die Infrastruktur leidet massiv: Die Schweizerischen Bundesbahnen melden Gleisverformungen, Störungen an Fahrleitungen und Ausfälle der Klimaanlagen in Zügen.
Im italienischen Trentino appelliert die Landesregierung an die Betriebe, aktualisierte Hitzeschutz-Leitlinien umzusetzen. Sie betreffen vor allem Landwirtschaft, Baugewerbe und Logistik. Bei hohem Risiko ist eine Arbeitsunterbrechung möglich – mit Kurzarbeitergeld.
Die tödliche Bilanz der Hitze
Die Zahlen sind erschreckend: In Österreich starben 2024 rund 1.100 Menschen an den Folgen von Hitze. Der Samariterbund betont: Die Zahl der Hitzetoten übersteigt jährlich die der Verkehrstoten. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kindern – und vor allem die, die im Freien arbeiten müssen.
