Arbeitsschutz: TRBS 1116 macht Qualifikationsprüfung ab Juli Pflicht
03.07.2026 - 15:51:21 | boerse-global.de
Seit dem 1. Juli 2026 müssen Unternehmen die Qualifikation jedes Mitarbeiters für jedes Arbeitsgerät einzeln nachweisen. Die neue Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1116 macht die Dokumentation zur Pflicht.
Was die neue Regelung konkret fordert
Arbeitgeber müssen künftig für jedes Arbeitsmittel – von der Produktionsmaschine bis zum Spezialwerkzeug – eine dokumentierte Prüfung der Mitarbeiterbefähigung vorlegen. Die Regelung basiert auf der Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz.
Die TRBS 1203 ergänzt die Anforderungen: Sie definiert, welche Qualifikationen sogenannte „befähigte Personen“ für Prüfungen und Unterweisungen mitbringen müssen.
Besonders knifflig: Die 2-Prozent-Regel. Liegt die Fehlerquote bei Arbeitsmittelprüfungen über zwei Prozent, müssen Unternehmen die Prüfintervalle verkürzen.
Die neue TRBS 1116 verschärft die Anforderungen an die Dokumentation der Mitarbeiterbefähigung erheblich. Mit diesen rechtssicheren Vorlagen und Checklisten erstellen Sie Gefährdungsbeurteilungen, die jeder behördlichen Prüfung standhalten. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen
BAuA-Handbuch hilft bei der Umsetzung
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte im Mai 2026 ein aktualisiertes Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung. Es bietet praktische Unterstützung für Betriebe.
Der erste Teil behandelt die Grundlagen – mit einem Schwerpunkt auf psychischen Gefährdungen. Die Kapitel basieren auf neueren Forschungsvorhaben und wurden komplett überarbeitet.
Neu sind auch Abschnitte zu physischen Belastungen und optischer Strahlung. Für Blaulicht-Gefährdungen etwa liefert die BAuA konkrete Methoden mit Luxmetern und Farbtemperatur-Messung.
Wirtschaftliche Dimension des Arbeitsschutzes
Die Zahlen der BAuA zeigen die Relevanz: 2018 gab es in Deutschland rund 708,3 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Die Produktionsausfälle summierten sich auf geschätzte 85 Milliarden Euro.
Fast 950.000 Arbeitsunfälle ereigneten sich damals – 541 davon endeten tödlich.
Neben dem Arbeitsschutz rückt auch die lückenlose Dokumentation der Arbeitsstunden immer stärker in den Fokus der Behörden. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die gesetzliche Zeiterfassungspflicht ohne teure Software rechtssicher in Ihren Betriebsalltag integrieren. Kostenlose Mustervorlage: In 10 Minuten zur gesetzeskonformen Arbeitszeiterfassung
Zeitgleich: Reformen bei Arbeitszeit und Befristung
Parallel zu den technischen Neuerungen treibt die Politik weitere Reformen voran. Ein Referentenentwurf zur Arbeitszeiterfassung vom Juni 2026 sieht die elektronische Dokumentation der täglichen Arbeitszeit vor. Das folgt auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs (2019) und des Bundesarbeitsgerichts (September 2022). Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 30.000 Euro.
Anfang Juli 2026 einigte sich die Bundesregierung auf ein umfassendes Reformpaket:
- Befristungen: Sachgrundlose Befristung soll auf bis zu vier Jahre bei maximal sechs Verlängerungen ausgeweitet werden
- Jobwechsel: Steuerliche Anreize für schnelle Wechsel
- Zuschläge: Steuerfreie Sonn- und Feiertagszuschläge steigen auf 75 Euro pro Stunde
- Krankschreibung: Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden, stattdessen gilt eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag
