Arbeitszeit-Debatte, Beschäftigten

Arbeitszeit-Debatte: 53% der Beschäftigten fordern kürzere Stunden

31.05.2026 - 02:22:44 | boerse-global.de

53% der Beschäftigten wollen weniger arbeiten, während die Politik über flexible Wochenhöchstgrenzen diskutiert. Gewerkschaften warnen vor Mehrbelastung.

Arbeitszeit-Debatte: 53% der Beschäftigten fordern kürzere Stunden - Foto: über boerse-global.de
Arbeitszeit-Debatte: 53% der Beschäftigten fordern kürzere Stunden - Foto: über boerse-global.de

Die Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland strebt nach weniger Arbeit – doch die Politik diskutiert über mehr Flexibilität. Neue Daten des DGB zeigen einen klaren Trend: 53 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich kürzere Arbeitszeiten, nur sieben Prozent möchten mehr arbeiten. Besonders Väter sind mit 63 Prozent überdurchschnittlich häufig für eine Reduzierung.

Die Zahlen stammen aus einer Sonderauswertung des DGB-Gut-Arbeit-Index, die am 29. Mai veröffentlicht wurde. Befragt wurden knapp 7.000 Beschäftigte zwischen Januar und Mai 2025. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Work-Life-Balance wird für viele zum Problem. Ein Drittel der Arbeitnehmer mit Kindern oder Pflegeaufgaben hat regelmäßig Schwierigkeiten, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Bei Alleinerziehenden sind es sogar 42 Prozent.

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Gesundheitliche Folgen der Ăśberlastung

Die Belastung zeigt sich auch in den Gesundheitsdaten. 69 Prozent der Frauen mit Vereinbarkeitsproblemen fühlen sich nach der Arbeit regelmäßig erschöpft. Insgesamt berichten 40 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer von häufigen oder sehr häufigen Burnout-Symptomen. Parallel dazu ist die Teilzeitquote auf einen Rekordwert von 31,9 Prozent gestiegen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – doch die Bundesregierung plant in eine andere Richtung.

Streit um den Acht-Stunden-Tag

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht ein Vorschlag, die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden – ein Standard aus dem Jahr 1918 – durch eine flexible Wochenhöchstgrenze zu ersetzen. Kanzler Friedrich Merz hat eine 40-Stunden-Woche ins Spiel gebracht, deren Verteilung auf vier bis sieben Tage die Tarifpartner regeln sollen.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger unterstützt den Vorstoß. Der starre Acht-Stunden-Tag passe nicht mehr in eine digitalisierte Arbeitswelt, so Dulger. Er warnte zudem vor einer „Teilzeit-Republik", die angesichts des demografischen Wandels nicht bestehen könne.

Die Gewerkschaften reagieren scharf. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel warnt vor einer einseitigen Belastung der Beschäftigten. Mehr unbezahlte Überstunden und steigende Gesundheitsprobleme seien die Folge. „Nach acht Stunden sinkt die Produktivität, während die Fehlerhäufigkeit steigt", so Piel. Guido Zeitler, Chef der Gewerkschaft NGG, spricht von einem Rückschritt. Das bestehende Gesetz sei ein wichtiger Schutz vor willkürlichen Entscheidungen der Arbeitgeber.

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Bas hält sich bedeckt

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas soll bis Ende Juni einen Gesetzesentwurf vorlegen. Zuvor ist für den 10. Juni ein Gipfel im Kanzleramt geplant. Doch die Ministerin hat sich persönlich von der Reform distanziert – sie würde die aktuellen Regelungen lieber unangetastet lassen. Ein heikler Balanceakt.

Gerichte schaffen Klarheit

Während die politische Debatte läuft, haben die Gerichte bereits Fakten geschaffen. Das Berliner Arbeitsgericht entschied am 29. Mai, dass Streiks für bessere Arbeitsbedingungen in öffentlichen Kitas zulässig sind. Das Land Berlin hatte dagegen geklagt. Die Gewerkschaft Verdi fordert unter anderem kleinere Gruppen und freie Tage, wenn die festgelegten Personalschlüssel überschritten werden.

Bereits im Februar hatte das Kölner Landesarbeitsgericht die Grenzen des Einflusses von Arbeitnehmern auf ihre Arbeitsmodelle klargestellt. Teilzeitbeschäftigte haben zwar unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf mehr Stunden – aber kein Recht auf ein bestimmtes Arbeitszeitmodell, wenn dieses nicht durch Tarifverträge gedeckt ist.

Ein Kompromiss zeichnet sich ab

Arbeitsmarktexperten des Instituts der Deutschen Wirtschaft schlagen einen Mittelweg vor. Eine erste Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit sollte demnach auf Büro- und Dienstleistungsjobs beschränkt bleiben – und nicht auf alle Branchen ausgeweitet werden. IW-Direktor Michael Hüther betonte Mitte Mai, dass es bei der Reform um eine Umverteilung der Arbeit gehe, nicht um eine generelle Erhöhung der Stundenzahl.

Ob sich dieser Vorschlag durchsetzt, bleibt abzuwarten. Der Druck von beiden Seiten ist enorm – und die Zeit bis zum Sommer drängt.

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