Arbeitszeit-Konflikt: Stihl-Chef fordert 35-Stunden-Woche ab
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um die WettbewerbsfĂ€higkeit des Industriestandorts Deutschland hat Nikolas Stihl, Aufsichtsratsvorsitzender des Familienunternehmens Stihl, eine deutliche Kurskorrektur in der Arbeitsmarktpolitik verlangt. Er sprach sich am Montag fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der wöchentlichen Arbeitszeit in der Metall- und Elektroindustrie aus, wobei diese Mehrarbeit nach seinen Vorstellungen ohne einen entsprechenden Lohnausgleich erfolgen soll.
IndustriearbeitsplÀtze als Argumentationsgrundlage
Nach EinschĂ€tzung des Aufsichtsratschefs könne sich Deutschland die derzeitige 35-Stunden-Woche nicht mehr leisten. Er begrĂŒndete seine Forderung mit der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre und verwies in diesem Zusammenhang auf den Verlust von 500.000 IndustriearbeitsplĂ€tzen. Um den Standort zu sichern und weiteren Stellenabbau zu verhindern, sieht er die Arbeitnehmervertreter in der Pflicht. Die IG Metall mĂŒsse nach Ansicht von Nikolas Stihl ZugestĂ€ndnisse machen, um die ProduktivitĂ€t zu erhöhen und die Unternehmen zu entlasten.
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Die Forderungen zielen darauf ab, die LohnstĂŒckkosten zu senken, indem die vorhandene Belegschaft lĂ€nger arbeitet, ohne dass die Personalkosten pro Kopf steigen. Dies sei eine notwendige Reaktion auf die strukturellen Herausforderungen, vor denen die deutsche Kernindustrie derzeit stehe.
Widerstand der Gewerkschaften und prominente UnterstĂŒtzung
Die Reaktion der Arbeitnehmerseite auf die VorstöĂe aus der Unternehmerschaft folgte unmittelbar. Die IG Metall protestierte entschieden gegen die Forderungen von Nikolas Stihl. Aus Kreisen der Gewerkschaft wird die Beibehaltung der 35-Stunden-Woche als eine zentrale Errungenschaft verteidigt, die fĂŒr die AttraktivitĂ€t der Branche und die Work-Life-Balance der BeschĂ€ftigten unerlĂ€sslich sei. Eine Ausweitung der Arbeitszeit ohne finanzielles Entgelt wird als einseitige Belastung der Arbeitnehmer abgelehnt.
Nikolas Stihl steht mit seiner Forderung nach einer lĂ€ngeren Arbeitszeit jedoch nicht allein im Kreise deutscher Industrievertreter. Auch der Mercedes-Chefaufseher Martin BrudermĂŒller regte bereits die RĂŒckkehr zur 40-Stunden-Woche an. Damit formiert sich innerhalb der Branche eine Gruppe einflussreicher Aufsichtsratsmitglieder, welche die bisherigen tariflichen Standards infrage stellen.
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Konfliktpotenzial fĂŒr die kommenden TarifgesprĂ€che
Die Wortmeldungen fallen in eine sensible Phase der Industriepolitik. Die Forderung nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich dĂŒrfte die ohnehin angespannte Stimmung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern weiter verschĂ€rfen. Ein Gradmesser fĂŒr die DurchsetzungsfĂ€higkeit beider Seiten werden die anstehenden TarifgesprĂ€che sein.
Diese Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie starten im Herbst. Angesichts der nun öffentlich artikulierten Maximalforderungen der Arbeitgeberseite und des Widerstands der IG Metall wird mit schwierigen GesprÀchen gerechnet. Die Diskussion um die 35-Stunden-Woche und die Sicherung der verbliebenen IndustriearbeitsplÀtze wird dabei voraussichtlich im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen. Ob es zu einer AnnÀherung kommt oder ob die Fronten zwischen der Forderung nach ArbeitszeitverlÀngerung und dem Festhalten an bestehenden TarifvertrÀgen verhÀrtet bleiben, wird sich im Zuge der herbstlichen Verhandlungsrunden zeigen.
