Arbeitszeit-Reform, Koalitionsausschuss

Arbeitszeit-Reform: 13-Stunden-Tag kommt Anfang Juli in den Koalitionsausschuss

16.06.2026 - 21:20:16 | boerse-global.de

Gewerkschaften lehnen FlexibilisierungsplÀne ab. Warnstreiks in Kliniken und Handel sowie Debatte um 13-Stunden-Tag belasten die Koalition.

Arbeitsmarkt-PlĂ€ne der Koalition: DGB-Chefin ĂŒbt scharfe Kritik
Arbeitszeit-Reform - Eine Gruppe von Arbeitnehmern in Diskussion, die Einheit und Engagement fĂŒr Arbeitnehmerrechte symbolisiert. 16.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

DGB-Chefin Yasmin Fahimi warf der Regierung Mitte Juni vor, eine „unĂŒbersichtliche Ansammlung von EinzelvorschlĂ€gen“ vorgelegt zu haben. Sie warnte davor, soziale Sicherheit gegen wirtschaftliches Wachstum auszuspielen.

Besonders deutlich fiel die Ablehnung bei Forderungen nach der Abschaffung von Feiertagen, EinschrĂ€nkungen des Streikrechts oder der EinfĂŒhrung von Karenztagen aus. Fahimi verlangte stattdessen eine strukturierte Debatte ĂŒber langfristige Lösungen.

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Streit um Arbeitszeit: 13-Stunden-Tag möglich?

Ein zentraler Knackpunkt ist die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes. SPD-FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Dirk Wiese stellte fĂŒr die kommenden Wochen eine Einigung mit der Union in Aussicht. Die Verhandlungen sehen vor, die tĂ€gliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche zu ersetzen.

In Verbindung mit einer verpflichtenden digitalen Zeiterfassung könnte die tĂ€gliche Arbeitszeit auf bis zu 13 Stunden ausgeweitet werden – solange die Wochenarbeitszeit von 40 Stunden nicht ĂŒberschritten wird. Eine Entscheidung fĂ€llt voraussichtlich Anfang Juli im Koalitionsausschuss.

Doch Expertinnen schlagen Alarm. Dr. Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) warnt vor den Folgen. Daten des DGB-Index aus dem Jahr 2025 zeigen: Bereits 43 Prozent der BeschĂ€ftigten arbeiten regelmĂ€ĂŸig mehr als acht Stunden pro Tag – oft unfreiwillig. VerkĂŒrzte Ruhezeiten fĂŒhren demnach zu erhöhter Erschöpfung.

Warnstreiks legen Kliniken und Handel lahm

Parallel zu den politischen Debatten brodelt es in den Betrieben. In Baden-WĂŒrttemberg legten Mitte Juni rund 1.500 BeschĂ€ftigte an vier UniversitĂ€tskliniken die Arbeit nieder. ver.di hatte zu den Warnstreiks aufgerufen, um vor der nĂ€chsten Verhandlungsrunde Druck zu machen. Der Arbeitgeberverband der UniversitĂ€tsklinika (AGU) kritisierte die Aktionen als unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig und verwies auf bestehende Leistungen wie MobilitĂ€tszuschĂŒsse.

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Auch im Einzelhandel bleibt die Lage angespannt. In der Region Mannheim, Heidelberg und Umland kam es zu ganztĂ€gigen Warnstreiks bei Ketten wie IKEA, H&M und Kaufland. In Hessen fordert ver.di fĂŒr rund 235.000 BeschĂ€ftigte eine Erhöhung der StundensĂ€tze um 2,50 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten zuvor deutlich niedrigere Steigerungsraten fĂŒr 2026 und 2027 angeboten.

DHL Leipzig: Streit um verdeckten Stellenabbau

Die wirtschaftliche Transformation setzt auch große Logistikstandorte unter Druck. Am DHL-Hub Leipzig werfen die Gewerkschaft DPVKOM und der Betriebsrat dem Unternehmen einen verdeckten Stellenabbau vor – rund 1.000 Stellen seien betroffen. DHL bestĂ€tigt einen RĂŒckgang der Belegschaft von ĂŒber 7.000 BeschĂ€ftigten Anfang 2024 auf etwas mehr als 6.000 Anfang 2026.

Das Unternehmen wies den Vorwurf eines gezielten Abbaus jedoch zurĂŒck. Die Entwicklung sei auf natĂŒrliche Fluktuation und gesunkene Sendungsmengen zurĂŒckzufĂŒhren.

Niedriglohnsektor: 6,3 Millionen Menschen betroffen

Ein weiteres Handlungsfeld bleibt die BekĂ€mpfung des Niedriglohnsektors. Daten fĂŒr 2025 belegen: 16 Prozent der BeschĂ€ftigten in Deutschland – rund 6,3 Millionen Menschen – verdienten weniger als 14,32 Euro pro Stunde. Besonders hoch ist der Anteil im Gastgewerbe mit 51 Prozent sowie in der Landwirtschaft.

SPD-Sozialpolitikerin Annika Klose fordert angesichts dieser Zahlen eine deutliche StÀrkung der Tarifbindung und eine Ausweitung von BranchentarifvertrÀgen nach internationalem Vorbild.

Industriepaket in Hessen: Kooperation statt Konfrontation

Trotz aller Konflikte gibt es auch AnsĂ€tze zur Zusammenarbeit. In Hessen verstĂ€ndigten sich Land, Unternehmen und Gewerkschaften Mitte Juni auf ein Industriepaket. Es sieht Maßnahmen zur Beschleunigung von Ansiedlungen, den Ausbau der Energie- und Wasserstoff-Infrastruktur sowie einen vereinfachten Zugang zu Förderprogrammen vor.

Demokratie-Charta: Großbanken machen mit

Auch gesellschaftliches Engagement gewinnt an Bedeutung. Mitte Juni unterzeichneten sechs weitere Unternehmen – darunter die Deutsche Bank und BNP Paribas – die Charta der Demokratie. Die von der KfW initiierte Vereinbarung soll das kommunalpolitische Engagement von Mitarbeitenden fördern und so die demokratische Teilhabe stĂ€rken.

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