Arbeitszeit-Reform, Regierung

Arbeitszeit-Reform: Regierung ersetzt Zehn-Stunden-Tag durch Wochengrenze

Veröffentlicht: 05.06.2026 um 05:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Koalition plant die Abschaffung der tÀglichen Höchstarbeitszeit zugunsten einer Wochenregelung. Experten und Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken.

Arbeitszeit-Reform: TÀgliche Höchstgrenze soll fallen
Menschen arbeiten flexibel in einem modernen BĂŒro. Einige schauen auf Bildschirme, andere unterhalten sich, was Zusammenarbeit und IndividualitĂ€t darstellt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das Bundesarbeitsministerium hat einen Gesetzentwurf fĂŒr Juni 2026 angekĂŒndigt. Arbeitswissenschaftler und Gewerkschaften schlagen Alarm – sie fĂŒrchten um die Gesundheit der BeschĂ€ftigten.

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Was genau plant die Regierung?

Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche forcieren das Vorhaben. Bisher gilt: maximal zehn Stunden pro Tag, im Schnitt von sechs Monaten acht Stunden. KĂŒnftig soll nur noch die Wochenarbeitszeit gedeckelt sein. Die Gesamtzahl der Stunden bleibt gleich, die Verteilung auf die Tage wird flexibler.

Der Tourismus-Koordinator Christoph Ploß drĂ€ngt auf schnelle Umsetzung – und will die Neuregelung nicht an eine Tarifbindung koppeln. Die gesetzlichen Ruhezeiten von elf Stunden zwischen den Schichten sollen erhalten bleiben.

Wirtschaft jubelt, Wissenschaft warnt

BefĂŒrworter verweisen auf die RealitĂ€t in der Dienstleistungsgesellschaft. Michael HĂŒther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, betont die BedĂŒrfnisse von Familien mit zwei Verdienern. Der Deutsche Hotel- und GaststĂ€ttenverband wirbt mit einer Kampagne fĂŒr mehr „Fairness, VerlĂ€sslichkeit und FlexibilitĂ€t".

Arbeitswissenschaftler widersprechen. Professor Olaf Struck von der UniversitĂ€t Bamberg warnt: „Die KonzentrationsfĂ€higkeit sinkt nach neun Stunden deutlich." Ab der zehnten Stunde steige die Unfallgefahr signifikant. Studien belegen zudem ZusammenhĂ€nge mit Stress, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.

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Gewerkschaften laufen Sturm

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi lehnt die Aufweichung des Acht-Stunden-Tages ab. Sie befĂŒrchtet eine Verschiebung des MachtgefĂŒges zugunsten der Arbeitgeber. Auch Guido Zeitler von der Gewerkschaft NGG stellt sich quer.

In der parlamentarischen Debatte warnte der AfD-Abgeordnete Bernd Schattner bereits Ende Mai vor den Folgen. Sein Szenario: Arbeitswochen von bis zu 73,5 Stunden wĂ€ren theoretisch möglich. Der Betriebsrat des Volkswagen-Werks in Salzgitter kritisierte die Debatte scharf – und verwies auf bestehende Standortsicherungsvereinbarungen.

Steuerfreie Überstunden – ein LadenhĂŒter?

Im Zuge der Reform wurden auch steuerfreie ÜberstundenzuschlĂ€ge diskutiert. Laut Statistik wĂŒrde das nur einer kleinen Gruppe von rund 1,4 Prozent der BeschĂ€ftigten nutzen – vor allem vollerwerbstĂ€tigen MĂ€nnern.

Reform-Marathon der Koalition

Die Arbeitszeit-Debatte ist nur ein Baustein im Reformprogramm der Regierung. Zum 1. Januar 2027 plant die Koalition eine umfassende Einkommensteuer-Reform, um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Gleichzeitig lĂ€uft die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie am 7. Juni ab. FĂŒr den öffentlichen Dienst gelten ab dem 8. Juni neue Regeln – die vollstĂ€ndige Umsetzung verzögert sich durch Widerstand aus WirtschaftsverbĂ€nden und Teilen der Unionsfraktion.

Gesundheitsministerin Warken legte zudem eine Pflegereform vor. Ziel: das Defizit in der Pflegeversicherung abfangen, das fĂŒr 2026 auf 7,5 Milliarden Euro geschĂ€tzt wird.

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