Arbeitszeiten ab 55 Stunden: 35 Prozent höheres Schlaganfallrisiko
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie EuropĂ€ische Agentur fĂŒr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) mit Sitz im spanischen Bilbao hat am 15. Oktober 2026 ein umfangreiches Informationspaket zur Förderung der kardiovaskulĂ€ren Gesundheit im beruflichen Umfeld vorgelegt.
Das Material bĂŒndelt wissenschaftliche Erkenntnisse, regulatorische Bestandsaufnahmen und praxisnahe AnsĂ€tze, um arbeitsbedingten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in den Mitgliedsstaaten gezielter entgegenzuwirken.
Umfangreiches Informationspaket fĂŒr Betriebe und Politik
Kern der neu vorgestellten Publikationsreihe ist ein 70-seitiger Bericht mit dem Titel âWork-related cardiovascular disease preventionâ. ErgĂ€nzt wird dieses Hauptdokument durch eine 8-seitige Zusammenfassung sowie ein 6-seitiges Policy Brief, das sich speziell an politische EntscheidungstrĂ€ger richtet.
DarĂŒber hinaus umfasst das Paket fĂŒnf Praxisbeispiele, die konkrete Umsetzungsmodelle aus verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern abbilden. Dazu zĂ€hlen unter anderem das österreichische Programm Fit2work, spezielle Gesundheitschecks fĂŒr Landwirte, UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen in Slowenien sowie niederlĂ€ndische PrĂ€ventionsleitlinien.
Die Veröffentlichungen untersuchen bestehende rechtliche Vorschriften, betriebliche Strategien sowie ĂŒbergeordnete Initiativen zur Vorsorge. Im Fokus stehen dabei neben der primĂ€ren PrĂ€vention kardiovaskulĂ€rer Erkrankungen auch MaĂnahmen zur schrittweisen RĂŒckkehr an den Arbeitsplatz nach einer Erkrankung sowie der dauerhafte Erhalt der BeschĂ€ftigungsfĂ€higkeit.
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Flankierend zu den Dokumenten richtete die EU-OSHA auf ihrer Website einen eigenstĂ€ndigen Themenbereich unter dem Titel âKardiovaskulĂ€re Gesundheit am Arbeitsplatzâ ein, der Informationen ĂŒber Risikofaktoren und politische Initiativen der EuropĂ€ischen Union bĂŒndelt.
ZweithÀufigste arbeitsbedingte Todesursache in der EU
Der Handlungsbedarf im betrieblichen Gesundheitsschutz ist nach Angaben der Agentur hoch. In der EuropĂ€ischen Union sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen fĂŒr 1,71 Millionen TodesfĂ€lle pro Jahr verantwortlich.
Zugleich stellen sie im EU-weiten Durchschnitt die zweithĂ€ufigste arbeitsbedingte Todesursache dar. Die Risikofaktoren am Arbeitsplatz reichen von chronischem psychischen Stress und Bewegungsmangel bis hin zu ĂŒberlangen Arbeitszeiten und Schichtmodellen.
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Internationale Studien belegen Gefahren langer Arbeitszeiten
In ihrer Publikationsreihe verweist die EU-OSHA unter anderem auf eine gemeinsame Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2021, die im Fachjournal Environment International erschien.
Den dortigen Erhebungen zufolge fĂŒhrten lange Arbeitswochen von 55 oder mehr Stunden im Jahr 2016 weltweit zu 745.000 TodesfĂ€llen. Davon entfielen 398.000 auf SchlaganfĂ€lle und 347.000 auf ischĂ€mische Herzkrankheiten. Dies entsprach einem Anstieg der durch ĂŒberlange Arbeitszeiten bedingten TodesfĂ€lle um 29 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000.
Die Untersuchung bezifferte zudem die individuelle GefÀhrdung durch permanente Mehrarbeit: Bei Arbeitszeiten ab 55 Wochenstunden besteht demnach im Vergleich zu einer regulÀren Wochenarbeitszeit von 35 bis 40 Stunden ein um 35 Prozent höheres Schlaganfallrisiko sowie ein um 17 Prozent höheres Risiko, an einer ischÀmischen Herzkrankheit zu erkranken.
Zudem wiesen die Daten eine deutliche geschlechtsspezifische Verteilung auf: 72 Prozent der auf lange Arbeitszeiten zurĂŒckzufĂŒhrenden TodesfĂ€lle betrafen MĂ€nner.
