Arbeitszeitgesetz: 48-Stunden-Woche statt Tagesgrenze geplant
13.06.2026 - 22:20:29 | boerse-global.de
Statt einer täglichen Höchstarbeitszeit soll künftig eine wöchentliche Grenze von 48 Stunden gelten. Der Wechsel von der Tages- zur Wochenbetrachtung soll vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sowie Branchen wie Tourismus und Gastronomie entlasten. Einen entsprechenden Gesetzentwurf erwartet Bundestagspräsidentin Bärbas Bas noch im Juni. Das Gesetz selbst soll noch 2026 verabschiedet werden.
Wirtschaft drängt auf Tempo
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte Mitte Juni beim Tag des Familienunternehmens in Berlin eine zügige Umsetzung. Deutschland verliere durch Produktionsverlagerungen ins Ausland an Substanz, warnte sie. Die Ministerin verlangte ein höheres Arbeitsvolumen, mehr Leistungsgerechtigkeit und eine Senkung der Abgabenlast. Die Koalition will bis zur Sommerpause Anfang Juli ein umfassendes Reformpaket schnüren – mit Änderungen bei Arbeitsmarkt, Rente und Steuern.
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Die Arbeitgeberverbände unterstützen den Kurs. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, sieht Vorteile: „Eine Flexibilisierung ermöglicht gebündeltes Arbeiten auf Baustellen und im Gegenzug längere Wochenenden für die Beschäftigten.“ Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag verweist auf die seit sechs Jahren stagnierende Wirtschaft. Dynamischere Arbeitsmärkte und geringere Arbeitskosten seien für die internationale Wettbewerbsfähigkeit essenziell.
Gewerkschaften schlagen Alarm
Ganz anders sehen das die Arbeitnehmervertreter. DGB-Chefin Yasmin Fahimi spricht sich klar gegen die Pläne aus. Sie rät von der Aufweichung des Acht-Stunden-Tags ab. Eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) untermauert die Skepsis: 75 Prozent der Beschäftigten befürchten negative Auswirkungen auf ihre Work-Life-Balance. Forscher des WSI und der Hans-Böckler-Stiftung warnen zudem, dass eine reine Wochenarbeitszeitregelung theoretisch Arbeitstage von über 12 Stunden ermöglichen könnte.
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Die Wissenschaft liefert weitere Argumente gegen überlange schichten. Studien zeigen: Nach der achten Arbeitsstunde steigt die Unfallgefahr steil an. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die geplante Flexibilisierung zwar punktuell für sinnvoll. Sie sei aber kein Ersatz für notwendige Produktivitätssteigerungen. Die Verantwortung liege bei den Unternehmen – nicht in einer bloßen Ausweitung der Arbeitszeit.
Gipfel im Kanzleramt ohne Ergebnis
Die Fronten prallten Mitte Juni bei einem Gipfeltreffen im Bundeskanzleramt aufeinander. Bundeskanzler Friedrich Merz lobte die Gespräche mit Gewerkschaften und Verbänden als konstruktiv – inhaltliche Konsense blieben jedoch aus. Die Arbeitgeber sehen hohe Bürokratie und Arbeitskosten als Haupthindernis für Wachstum. Die Gewerkschaften führen die Wirtschaftsschwäche dagegen auf hohe Energiepreise und mangelnde Investitionen zurück.
Doch die Arbeitszeitreform ist nicht das einzige heiße Eisen. Im Bundestag steht ein Sparpaket im Gesundheitswesen zur Debatte. Es sieht höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschnitte bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern vor. Die Reform soll am 26. Juni verabschiedet werden – Ziel ist es, ein prognostiziertes Defizit von knapp 19 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung für 2027 abzuwenden. Ob die Bundesregierung auch die Bundesländer hinter sich bringt, zeigt sich voraussichtlich bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 25. Juni.
