Arbeitszeitgesetz: Ampel plant Wechsel zur Wochenhöchstarbeitszeit
09.06.2026 - 13:32:14 | boerse-global.de
Statt tĂ€glicher Höchstarbeitszeiten soll kĂŒnftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Gewerkschaften schlagen Alarm.
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Ăbergang zur Wochenhöchstarbeitszeit geplant
Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) kĂŒndigte an, noch im Juni einen Gesetzentwurf vorzulegen. Kern des Vorhabens: die Abkehr von der tĂ€glichen Höchstarbeitszeit hin zu einem wöchentlichen Kontingent.
Ein Spitzentreffen des Koalitionsausschusses mit den Sozialpartnern ist fĂŒr den 10. Juni angesetzt. Das gesamte Reformpaket soll bis zum 30. Juni auf den Weg gebracht werden.
UnterstĂŒtzung kommt unter anderem vom Hotel- und GaststĂ€ttenverband (Dehoga) in Niedersachsen. Starre Tagesgrenzen seien etwa bei Hochzeitsfeiern nicht mehr zeitgemĂ€Ă, heiĂt es dort. Aktuell erlaubt das Gesetz acht Stunden pro Tag, maximal zehn unter bestimmten Voraussetzungen.
Warnungen vor gesundheitlichen Folgen
Gewerkschaften und Forschungsinstitute sehen die PlĂ€ne kritisch. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnete die Reform als âökonomisch und sozial verfehltâ. Sie warnte: Eine Flexibilisierung wĂŒrde Schichten von bis zu 13 Stunden ermöglichen.
Arbeitswissenschaftliche Studien stĂŒtzen die Bedenken. Das Unfallrisiko steigt nach der achten Arbeitsstunde steil an. Die Gewerkschaft NGG konkretisierte: Bei einem Zwölf-Stunden-Tag liege das Risiko um 80 Prozent höher als an einem Standardarbeitstag.
Auch die Hans-Böckler-Stiftung gibt zu bedenken, dass eine reine Wochenarbeitszeit Arbeitstage von deutlich ĂŒber zwölf Stunden rechtlich erlauben wĂŒrde. Laut einer WSI-Befragung befĂŒrchten drei Viertel der BeschĂ€ftigten negative Auswirkungen auf ihre Work-Life-Balance.
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Politische Bedingungen und wirtschaftliche Gegenargumente
Bas knĂŒpfte die Lockerung an strikte Bedingungen. Sie fordert Schutz durch Mitbestimmung und TarifvertrĂ€ge sowie eine verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung. Zudem dĂŒrfe die Reform Frauen nicht benachteiligen.
Als sozialen Ausgleich verlangt die Ministerin eine Einkommensteuerreform. Kleine und mittlere Einkommen sollen um mindestens 500 Euro pro Jahr entlastet werden â möglicherweise ab Januar 2027.
Innerhalb der Arbeitnehmerschaft ist die Ablehnung breit. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis nannte die Debatte unsinnig: Bestehende TarifvertrĂ€ge böten bereits ausreichend FlexibilitĂ€t. Reformen dĂŒrften nicht der Haushaltskonsolidierung dienen, mahnte er.
Arbeitsökonom Holger SchĂ€fer vom IW plĂ€diert angesichts des demografischen Wandels fĂŒr höheres Arbeitsvolumen. IfW-Experte Moritz Schularick bezweifelt dagegen, dass die aktuelle Reform den erhofften groĂen Wurf bringt. Ein Kompromiss der Rentenkommission wird bis zum 29. Juni erwartet.
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