Arbeitszeitgesetz: Bas plant 48-Stunden-Woche statt Tagesgrenze
12.06.2026 - 18:37:01 | boerse-global.de
Unternehmen sollen mehr FlexibilitĂ€t bekommen â doch ArbeitsschĂŒtzer und Gewerkschaften schlagen Alarm.
Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas kĂŒndigte am 10. Juni einen Gesetzentwurf an, der noch im Juni vorgelegt werden soll. Kern der Reform: Statt einer tĂ€glichen soll kĂŒnftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Konkret sind 48 Stunden pro Woche im GesprĂ€ch. Das wĂŒrde Arbeitstage von bis zu 13 Stunden erlauben â sofern die gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden eingehalten wird.
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Gesundheitsrisiken bei langen Arbeitstagen
Parallel zu den ReformplĂ€nen veröffentlichte die Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein Dossier, das die Risiken langer Arbeitszeiten beleuchtet. Die Daten zeigen: VollzeitbeschĂ€ftigte in Deutschland arbeiten bereits jetzt durchschnittlich 43,5 Stunden pro Woche â obwohl vertraglich nur 38,5 Stunden vereinbart sind.
Besonders betroffen sind MÀnner: Fast jeder Vierte arbeitet 48 Stunden oder mehr. Bei Frauen liegt dieser Anteil bei zehn Prozent. Die BAuA-Experten warnen: Ab der neunten Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko exponentiell. Mehr als 50 Wochenstunden erhöhen zudem das Burnout-Risiko deutlich.
Auch die Erholungsphasen leiden. Rund 20 Prozent der BeschĂ€ftigten haben mindestens einmal im Monat eine verkĂŒrzte Ruhezeit von weniger als elf Stunden. Die Folge: Schlafstörungen und emotionale Erschöpfung.
Gewerkschaften und Wissenschaft warnen
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Ă€uĂerte erhebliche Bedenken. Expertin Dr. Elke Ahlers bezeichnet die geplante Abschaffung der tĂ€glichen Höchstarbeitszeit als kontraproduktiv. Laut dem âIndex Gute Arbeit 2025â arbeiten bereits 43 Prozent der BeschĂ€ftigten regelmĂ€Ăig mehr als acht Stunden am Tag. Die HĂ€lfte dieser Gruppe fĂŒhlt sich bereits jetzt ausgebrannt.
Ein wesentlicher Treiber fĂŒr die Mehrarbeit ist der Personalmangel. Mehr als 50 Prozent der Befragten einer WSI-Erwerbspersonenbefragung aus dem Jahr 2024 meldeten entsprechende EngpĂ€sse.
Der dbb beamtenbund und tarifunion warnte ebenfalls vor einem Abbau von Schutzrechten. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Andreas Hemsing betonte: âIn Deutschland wird nicht zu wenig gearbeitet.â Ăberstunden wĂŒrden bereits jetzt genutzt, um PersonallĂŒcken im öffentlichen Dienst zu kompensieren. Eine reine Wochenarbeitszeitregelung wĂŒrde laut Hemsing zu Dauerstress fĂŒhren und die Unfallgefahr erhöhen.
Politische Fronten verhÀrtet
In der parlamentarischen Debatte am 11. Juni stieĂen die ReformplĂ€ne auf scharfe Kritik der Opposition. Die Bundesregierung verteidigt die Flexibilisierung als notwendigen Schritt zur StĂ€rkung der Wirtschaft â besonders fĂŒr Branchen wie das Gastgewerbe oder das BĂ€ckerhandwerk.
Kritiker befĂŒrchten dagegen eine GefĂ€hrdung des Sozialstaats. Ministerin Bas mahnte, dass die Flexibilisierung nicht zulasten von Frauen oder BeschĂ€ftigten ohne Tarifvertrag gehen dĂŒrfe. Sie fordert eine starke Einbindung der BetriebsrĂ€te, um den Abbau von Mehrarbeit zu verhindern.
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Die Koalition will bis zur Sommerpause Mitte Juli grundlegende Entscheidungen treffen. Dabei muss der Gesetzgeber auch die Vorgaben des EuropĂ€ischen Gerichtshofs vom Mai 2019 und des Bundesarbeitsgerichts vom September 2022 berĂŒcksichtigen. Diese verpflichten Arbeitgeber zur systematischen Erfassung der geleisteten Arbeitszeit.
Aktuelle Untersuchungen des Marburger Bundes zeigen jedoch, dass diese Vorgaben etwa an UniversitÀtskliniken noch immer teilweise ignoriert werden. Ob die geplante Reform die Balance zwischen wirtschaftlicher FlexibilitÀt und Arbeitnehmerschutz findet, bleibt angesichts der kontroversen Datenlage offen.
