Arbeitszeitgesetz: Bas plant Wochenarbeitszeit statt Tagesgrenze
Veröffentlicht am: 10.06.2026 um 19:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas will noch im Juni einen Gesetzentwurf vorlegen, der tĂ€gliche durch wöchentliche Höchstarbeitszeiten ersetzt. Die PlĂ€ne stoĂen auf heftigen Widerstand von Gewerkschaften und Medizinern.
Am Mittwoch kamen Vertreter der Bundesregierung und Sozialpartner im Kanzleramt zusammen. Im Zentrum der Debatte: die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die Neuregelung sieht vor, die bisherige tÀgliche Höchstgrenze von acht Stunden zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden aufzugeben.
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Flexibilisierung oder Tor zur Ausbeutung?
Die starre tĂ€gliche Begrenzung soll fallen, um Unternehmen und BeschĂ€ftigten mehr Spielraum zu geben. Bas betonte, die wöchentliche Gesamtarbeitszeit von 48 Stunden bleibe bestehen â nur die Verteilung werde flexibler.
Rechtsexperten schlagen Alarm. Anwalt Pascal Croset weist darauf hin, dass theoretisch Arbeitstage von bis zu 13 Stunden möglich wĂŒrden. Zwar könne der Arbeitgeber solche langen Schichten nicht einseitig anordnen. Doch Croset gibt zu bedenken: Die ProduktivitĂ€t sinkt ab der zehnten Arbeitsstunde massiv.
Noch weiter geht das Hugo-Sinzheimer-Institut. In einer Analyse berechneten die Forscher Szenarien, nach denen BeschÀftigte unter Ausnutzung aller Ausnahmeregelungen theoretisch bis zu 73,5 Stunden pro Woche arbeiten könnten. Kritiker sprechen von einem historischen Bruch mit dem Arbeiterschutz.
âAusnahmen werden zum Normalfallâ
Der Marburger Bund Ă€uĂerte deutliche Kritik. Vorsitzender Christian Twardy erklĂ€rte, der Verband sehe keine Vorteile in der Reform. Er warnt: Ausnahmeregelungen könnten zum Normalfall werden. Das untergrabe den Gesundheitsschutz. Besonders an UniversitĂ€tskliniken werde die elektronische Arbeitszeiterfassung bereits jetzt hĂ€ufig ignoriert.
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Auch die Hans-Böckler-Stiftung mahnt zur Vorsicht. Studien belegen: Das Unfallrisiko steigt nach der achten Arbeitsstunde signifikant. Eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ergab zudem, dass rund 75 Prozent der BeschĂ€ftigten negative Auswirkungen auf ihre Work-Life-Balance befĂŒrchten.
Bas hielt dagegen: In Deutschland wĂŒrden bereits jĂ€hrlich 1,2 Milliarden Ăberstunden geleistet. Das spreche gegen den Vorwurf, es werde grundsĂ€tzlich zu wenig gearbeitet.
Angespannter Gipfel im Kanzleramt
Das Treffen am Mittwoch verlief unter angespannten Vorzeichen. Teilnehmer waren die SpitzenverbÀnde der Arbeitgeber (BDA, BDI, DIHK, ZDH) sowie der Gewerkschaften (DGB, IG Metall, IG BCE, Verdi).
Arbeitgebervertreter wie Dehoga-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Jana Schimke forderten bereits am Dienstag ein klares Signal fĂŒr die EinfĂŒhrung der Wochenarbeitszeit noch vor der Sommerpause. Auf der Arbeitnehmerseite herrscht massiver Widerstand.
Im Vorfeld gab es Berichte ĂŒber einen Sabotage-Verdacht gegen die Gewerkschaften. Diese sollen in VorgesprĂ€chen gemauert und Ănderungen am Arbeitszeitgesetz grundsĂ€tzlich abgelehnt haben. IG BCE-Chef Michael Vassiliadis berichtet von einer seit anderthalb Jahren stagnierenden GesprĂ€chskultur zwischen den Sozialpartnern.
Der DGB kĂŒndigte fĂŒr Ende Juni eine GroĂdemonstration gegen den aktuellen Kurs der Regierung an.
Trotz der Differenzen betonten Vertreter von Union und SPD: Das Treffen diene primĂ€r dem Dialog ĂŒber Rente, Steuern und BĂŒrokratieabbau. Sofortige BeschlĂŒsse seien nicht zu erwarten.
Bas mahnte abschlieĂend: Eine Flexibilisierung dĂŒrfe nicht zulasten von Frauen oder BeschĂ€ftigten ohne Tarifvertrag gehen.
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