Arbeitszeitgesetz: Elektronische Zeiterfassung wird ab Herbst Pflicht
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 08:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Arbeitsministerin Bas soll die starre tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Betrachtung ersetzen. Das sieht der Koalitionsvertrag vor.
Ein erster Referentenentwurf vom 18. Juni war bei Arbeitgeberverbänden durchgefallen. Grund: Er lockerte die täglichen Arbeitszeitgrenzen nur für tarifgebundene Unternehmen. Jetzt geht die Regierung einen neuen Anlauf.
Elektronische Zeiterfassung wird Pflicht
Ein aktueller Entwurf vom 17. Juli sieht zwingend die elektronische Aufzeichnung von Arbeitsbeginn, -ende und -dauer vor. Für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern gelten Übergangsfristen von bis zu fünf Jahren.
Zugleich soll der Ausgleichszeitraum für Mehrarbeit von sechs auf vier Monate schrumpfen. Unternehmen müssen ihre HR-Prozesse frühzeitig auf diese Änderungen vorbereiten, raten Juristen.
Mercedes drängt auf längere Arbeitszeiten
Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe fordert längere Arbeitszeiten in deutschen Werken. Sein Argument: Die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte steht auf dem Spiel.
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Schiebe verweist auf die Werkserweiterung im ungarischen Kecskemét. Dort liegen die Faktorkosten rund 70 Prozent niedriger als in Deutschland. „In Ungarn wird länger gearbeitet, der Krankenstand ist geringer“, so Schiebe.
Um Werksschließungen zu verhindern, will Mercedes die Arbeitszeit auf 40 Stunden ausweiten – ohne vollen Lohnausgleich. Ziel: Die Produktionskosten bis 2027 um zehn Prozent senken. Das Werk Kecskemét ist mit 400.000 Einheiten Kapazität längst der größte europäische Produktionsstandort des Konzerns.
Gewerkschaften halten an 35-Stunden-Woche fest
Unterstützung für längere Arbeitszeiten kommt von Sachsens Ministerpräsident Kretschmer. Auch Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner poltert: „Die Wirtschaftswende ist mit einer 35-Stunden-Woche nicht zu realisieren.“
Brückners Zahlen: Deutschland liegt mit rund 1.300 Jahresarbeitsstunden im OECD-Vergleich auf dem letzten Platz. Die Teilzeitquote stieg von 16 Prozent (2000) auf 35 Prozent (2025).
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Die Gewerkschaften kontern. IG-Metall-Chefin Barbara Resch (Baden-Württemberg) lehnt materielle Einschnitte oder Arbeitszeitausweitungen als Krisenmaßnahme ab. Seit 2019 seien rund 75.000 Stellen in der Metall- und Elektroindustrie gestrichen worden – ein Großteil in der Automobilbranche.
In den Tarifverhandlungen im Herbst will die IG Metall die Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt stellen. DGB-Landeschefin Daniela Kolbe warnt: Längere Arbeitszeiten würden die Krise eher verschärfen.
Attestpflicht ab dem ersten Tag geplant
Wirtschaftsministerin Reiche fordert einen „harten Neustart“ für den Standort Deutschland. Neben niedrigeren Energiekosten und sinkenden Sozialbeiträgen schlägt sie eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag vor.
Die Reformpläne vom 17. Juli sehen vor, diese Attestpflicht zum gesetzlichen Regelfall zu machen. Weitere Änderungen im Arbeitsrecht: sachgrundlose Befristungen auf bis zu 48 Monate mit sechs möglichen Verlängerungen sowie erleichterte Trennungsmöglichkeiten für Hochverdiener.
Der Dehoga drängt im Dienstleistungssektor auf Reformen. Die Bundesregierung will Bäckereien künftig erlauben, sonntags bis zu acht Stunden zu öffnen. In Bayern stößt das auf Widerstand der Landesregierung.
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