Arbeitszeitgesetz, Geplante

Arbeitszeitgesetz: Geplante Reform könnte 12-Stunden-Tage ermöglichen

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
CDU/CSU und SPD verhandeln über längere Arbeitstage; ein Beschluss zur Reform steht noch aus.
Ein leeres, modernes Büro bei Dämmerlicht mit einfallendem Sonnenlicht auf schlichten Holztischen. Illustration mit AI erstellt.

Zwischen CDU/CSU und SPD wird eine Debatte über die künftige Ausgestaltung des Arbeitszeitgesetzes und das mögliche Ende des klassischen Achtstundentages geführt. Wie Medienberichte thematisieren, sieht der Kern einer geplanten Reform vor, die geltende tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze zu ersetzen.

Durch eine solche Umstellung wären Arbeitstage von bis zu 12 Stunden rechtlich möglich. Zentrale Streitpunkte bei dem Vorhaben sind betriebliche Flexibilität, der Geltungsbereich von Tarifverträgen sowie der Erhalt des Arbeitsschutzes.

Wochengrenze statt Tageshöchstarbeitszeit

Die geplante Reform erfährt Unterstützung durch Friedrich Merz. Ausgestaltet werden soll das Modell dem Vernehmen nach so, dass 12-Stunden-Schichten nicht automatisch zur Pflicht für die Beschäftigten werden. Die SPD drängt in den Verhandlungen auf verbindliche Garantien, um eine einseitige Anordnung solch langer Schichten durch Arbeitgeber auszuschließen.

Ein Beschluss liegt derzeit allerdings noch nicht vor. Laut einem Bericht der Deutschen Welle vom 18. Oktober 2026 gibt es bislang kein finales Abkommen zwischen den Koalitionspartnern. Gegen die Pläne formiert sich Widerstand sowohl innerhalb der Koalitionsfraktionen als auch aufseiten der Gewerkschaften.

Das geltende Arbeitszeitrecht schreibt grundsätzlich maximal 8 Stunden pro Werktag vor. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist lediglich zulässig, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt die 8-Stunden-Grenze nicht überschritten wird. Zudem gilt nach geltendem Recht eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen.

Anzeige

Wer sich mit den rechtlichen Grenzen der täglichen Arbeitszeit und Pausenregelungen befasst, findet in diesem Leitfaden eine wichtige Orientierungshilfe für die Praxis. Dieser kostenlose Ratgeber klärt auf, welche Fakten bei der Arbeitszeitorganisation nach aktuellem Recht wirklich ausschlaggebend sind. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber zur Arbeitszeit herunterladen

Nach § 16 Abs. 2 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) muss Arbeitszeit, die über 8 Stunden werktäglich hinausgeht, aufgezeichnet und mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden. Als europarechtlicher Rahmen greift die EU-Vorgabe, nach der wöchentlich im Durchschnitt maximal 48 Stunden inklusive Überstunden geleistet werden dürfen.

Widerstand der Gewerkschaften und Konflikte in Betrieben

Die Gewerkschaften stehen einer Aufweichung der Tageshöchstgrenzen ablehnend gegenüber. Für die IG Metall ist die Verteidigung der 35-Stunden-Woche eine zentrale Forderung in den anstehenden Tarifverhandlungen. Auf Arbeitgeberseite streben insbesondere Automobilunternehmen angesichts des Branchendrucks verstärkt Kostensenkungen und Restrukturierungsmaßnahmen an.

Zu betrieblichen Auseinandersetzungen über die Arbeitszeit kommt es bereits vor Ort. In der Zentrale von Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim fordert das Unternehmen zusätzliche Mehrarbeit ein, woraufhin Beschäftigte mit Protesten reagierten.

Arbeitsmarktdaten und offene Gesetzgebungsprozesse

Parallel zur Grundsatzdebatte um die Höchstarbeitszeit ist auch das Verfahren zur Arbeitszeiterfassung nicht abgeschlossen. Ein entsprechender Referentenentwurf zur elektronischen Arbeitszeiterfassung befindet sich seit Juni 2026 in Arbeit und enthält gestaffelte Übergangsfristen.

Vorgesehen ist darin unter anderem, dass Betriebe mit maximal 10 Arbeitnehmern Arbeitszeiten weiterhin nicht elektronisch aufzeichnen müssen. Der genaue Status dieser Regelung blieb mit Stand vom 21. September 2026 offen.

Anzeige

Angesichts der unklaren Rechtslage bei der Dokumentationspflicht riskieren viele Unternehmen bereits heute rechtliche Konsequenzen durch mangelhafte Aufzeichnungen. Mit diesem Gratis-E-Book und den enthaltenen Mustervorlagen stellen Sie Ihre Zeiterfassung in wenigen Minuten auf ein rechtssicheres Fundament. Kostenlose Mustervorlage für die Arbeitszeiterfassung sichern

Statistische Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das zweite Quartal 2026 zeigen unterdessen Verschiebungen in den Arbeitsmustern: Die Teilzeitquote in Deutschland kletterte in diesem Zeitraum auf einen Höchstwert von 40,3 Prozent. Das geleistete Gesamtarbeitsvolumen lag bei 14,4 Milliarden Stunden, was einem Rückgang von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Zudem erfasste das IAB im gleichen Zeitraum einen Abbau von 0,4 Stunden auf den Arbeitszeitkonten.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70411627 |