Arbeitszeitgesetz: Gewerkschaften warnen vor 73,5-Stunden-Wochen
29.05.2026 - 04:15:08 | boerse-global.deSie warnen vor massiven Gesundheitsrisiken.
TÀgliche Höchstarbeitszeit wackelt
Am 29. Mai 2026 haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) scharfe Kritik an den RegierungsplĂ€nen geĂ€uĂert. Kern der Reform: Statt der tĂ€glichen soll kĂŒnftig die wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Bisher sind acht Stunden pro Tag erlaubt, unter bestimmten Bedingungen bis zu zehn.
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Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, warnte: âĂberlange Arbeitstage sind erwiesenermaĂen krankmachend." NGG-Chef Guido Zeitler sprach gar von einem RĂŒckschritt fĂŒr den Arbeitnehmerschutz. Bereits am 27. Mai hatte die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) die PlĂ€ne zurĂŒckgewiesen. âFeste tĂ€gliche Grenzen sind unverzichtbar fĂŒr Unfallschutz und Erholung", so die BegrĂŒndung.
Wirtschaftsfreiheit gegen Arbeitsschutz
Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) will den Gesetzesentwurf im Juni 2026 vorlegen. Die Ministerin selbst zeigt sich skeptisch â doch die Reform ist Teil des Koalitionsvertrags.
BefĂŒrworter wie die Union (CDU/CSU) und Michael HĂŒther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), versprechen sich mehr FlexibilitĂ€t fĂŒr die Wirtschaft, besonders in BĂŒrojobs. Kritiker des Hugo-Sinzheimer-Instituts und der Hans-Böckler-Stiftung rechnen vor: Theoretisch wĂ€ren Arbeitstage von bis zu 13 Stunden möglich â bei einer Sechstagewoche kĂ€me das auf 73,5 Stunden.
Geschlechtergerechtigkeit in Gefahr?
Die PlĂ€ne stoĂen auch aus frauenpolitischer Perspektive auf Widerstand. Studien zeigen: Frauen leisten bereits jetzt 43,4 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit. âLĂ€ngere Arbeitstage könnten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter erschweren", warnt die Hans-Böckler-Stiftung.
Innerhalb der SPD formiert sich Widerstand â aus der Frauen- und Jugendorganisation. âDie Reform ignoriert die RealitĂ€t derer, die neben dem Job noch den Haushalt schmeiĂen mĂŒssen", heiĂt es.
Rekord bei Teilzeit â politische Gegenwehr
Die Debatte kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Neue Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: Die Teilzeitquote erreichte 2025 mit 31,9 Prozent einen Rekordwert. Rund 16,88 Millionen Menschen arbeiteten in Teilzeit â ein Plus von einem Prozent gegenĂŒber 2024. Die Zahl der VollzeitbeschĂ€ftigten sank dagegen um 0,6 Prozent auf 25,43 Millionen.
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TeilzeitkrÀfte arbeiteten 2025 durchschnittlich 21,3 Stunden pro Woche. Besonders auffÀllig: der Geschlechterunterschied. WÀhrend 50,6 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es bei den MÀnnern nur 14,3 Prozent.
Der wirtschaftspolitische FlĂŒgel der CDU (MIT) reagiert mit Gegenwind. Gitta Connemann, MIT-Vorsitzende, kritisierte die sogenannte âLifestyle-Teilzeit". Auf dem CDU-Parteitag im Juni 2026 in Stuttgart soll ĂŒber eine EinschrĂ€nkung des Rechts auf Teilzeit debattiert werden â nur wer nachweislich Betreuungs- oder Pflegeaufgaben ĂŒbernimmt, soll es demnach behalten.
KrankenhÀuser in Aufruhr
Der Konflikt um Arbeitsbedingungen verschĂ€rft sich auch im Gesundheitswesen. Am 28. Mai 2026 protestierten BeschĂ€ftigte in ThĂŒringen und Sachsen gegen das geplante Sparpaket der Bundesregierung. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu den Aktionen aufgerufen â ausgelöst durch die PlĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Krankenkassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Die Gewerkschaft befĂŒrchtet Personalabbau und schlechtere Bedingungen in den Kliniken.
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