Arbeitszeitgesetz: Wochenarbeitszeit statt tägliche Höchstgrenze
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung treibt die Reform der Arbeitswelt im Sommer 2026 massiv voran. Drei Großprojekte dominieren die Agenda: das neue Arbeitszeitgesetz, die Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und das Gebäudemodernisierungsgesetz. Besonders brisant: die geplante Umstellung auf eine Wochenarbeitszeit.
Arbeitszeitgesetz: Das Ende der täglichen Höchstarbeitszeit?
Ein Referentenentwurf vom Juni 2026 sorgt für Diskussionen. Statt der täglichen Höchstarbeitszeit soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Die Neuregelung betrifft vor allem tarifgebundene Betriebe – immerhin rund 20 Prozent der Unternehmen.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger zeigt sich skeptisch. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft verweist auf Zahlen: Mit 34,2 Stunden Wochenarbeitszeit lag Deutschland 2025 deutlich unter dem EU-Schnitt von 36,7 Stunden. Gewerkschaften warnen derweil vor gesundheitlichen Risiken – besonders bei der Diskussion um Arbeitstage von bis zu 13 Stunden.
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WissZeitVG: Neue Regeln für befristete Jobs an Hochschulen
Das Bundeskabinett beschloss am 29. Juli die Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Kernpunkt: verbindliche Mindestlaufzeiten von drei Jahren vor der Promotion und zwei Jahren in der Post-Doc-Phase. Der sogenannte Qualifizierungsvorrang fällt ersatzlos weg.
Hochschulen in Nordrhein-Westfalen begrüßen die Entscheidung. Sie versprechen sich mehr Flexibilität bei kurzfristigen Projekten. Parallel plant die Regierung, sachgrundlose Befristungen generell auf vier Jahre auszuweiten.
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Gebäudemodernisierung: Sanierungspflicht für Gewerbeimmobilien
Seit Ende Juli gilt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz. Es ersetzt das Gebäudeenergiegesetz und verpflichtet Eigentümer zum Handeln: Bis 2030 müssen die energetisch schwächsten 16 Prozent der Nichtwohngebäude saniert sein, bis 2033 sogar 26 Prozent.
Die weiteren Vorgaben haben es in sich:
- Gebäudeautomation: Pflicht ab 2030 für Anlagen ab 70 kW Leistung
- Heizungstechnik: Die 65-Prozent-Regel fällt, stattdessen kommt die „Bio-Treppe“ – eine stufenweise Erhöhung klimafreundlicher Brennstoffe ab 2029
- E-Mobilität: Jeder fünfte Stellplatz braucht bei Renovierungen künftig einen Ladepunkt
- Solarpflicht: Ab 2028 müssen Sanierungen Photovoltaikanlagen umfassen
Selbstständige: DIHK will klare Regeln
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer schlägt einen Kriterienkatalog für die Statusfeststellung vor. Selbstständigkeit soll demnach vorliegen, wenn der Stundensatz über 22,83 Euro liegt, eine Berufshaftpflicht besteht oder mehrere Auftraggeber bedient werden. Ziel: mehr Rechtssicherheit bei Scheinselbstständigkeit.
Hitzeschutz: Österreich macht Tempo
Während Deutschland noch debattiert, handelt der Nachbar. Der österreichische Ministerrat verabschiedete am 5. August ein Hitzeschutz-Paket. Es erleichtert die Genehmigung von Klimaanlagen und sieht Nachrüstungen an Schulen vor. Einen konkreten Gesetzesentwurf soll es im Herbst geben.
