Arbeitszeitreform: Dulger fordert 48-Stunden-Woche nach EU-Standard
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um die Modernisierung des deutschen Arbeitsmarktes hat Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger am 9. August 2026 eine weitreichende Reform der Arbeitszeitregelungen angeregt. Dulger plädierte dafür, die wöchentliche Höchstarbeitszeit in Deutschland an geltende europäische Standards anzupassen. Ziel sei eine stärkere Flexibilisierung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren.
Divergenz zwischen nationalem Recht und EU-Vorgaben
Der Vorstoß des Arbeitgeberpräsidenten zielt auf eine Lockerung der aktuell strikten Vorgaben des deutschen Arbeitszeitgesetzes ab. Derzeit sieht der gesetzliche Rahmen in Deutschland eine tägliche Höchstarbeitszeit von 8 Stunden vor. Diese kann zwar unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu 10 Stunden ausgeweitet werden, erfordert jedoch einen entsprechenden zeitlichen Ausgleich.
Im Gegensatz dazu erlaubt die entsprechende EU-Richtlinie eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von bis zu 48 Stunden. Rainer Dulger verwies in diesem Zusammenhang am 9. August 2026 auch auf internationale Vergleiche innerhalb Europas. So fielen die Krankheitsquoten in Ländern wie Belgien und Italien niedriger aus, was er als Argument für eine Überprüfung der deutschen Strukturen anführte.
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Gewerkschaften warnen vor gesundheitlichen Risiken
Die Vorschläge stoßen auf massiven Widerstand seitens der Arbeitnehmervertreter. DGB-Vize Stefan Körzell warnte am selben Tag eindringlich vor den Folgen einer solchen Flexibilisierung. Seiner Einschätzung nach könnte eine wöchentliche Höchstarbeitszeit dazu führen, dass in der Praxis Arbeitstage von bis zu 13 Stunden möglich würden. Dies gelte insbesondere für Unternehmen, die nicht an Tarifverträge gebunden sind.
Körzell betonte, dass mit einer derartigen Ausweitung der täglichen Präsenzzeit das Unfallrisiko am Arbeitsplatz exponentiell steige. Er warnte davor, den etablierten Acht-Stunden-Tag infrage zu stellen, und bezeichnete entsprechende Vorhaben als gefährliches Spiel mit dem Feuer. Die Beibehaltung der täglichen Schutzgrenzen sei für die Gesundheit der Beschäftigten unerlässlich.
Politische Zeitplanung und flankierende Maßnahmen
Die Bundesregierung bereitet unterdessen bereits konkrete gesetzliche Schritte vor. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte am 9. August 2026, dass er mit einem entsprechenden Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bas im kommenden Herbst rechne. Auch aus dem Arbeitsministerium wurde bestätigt, dass eine Reform der Arbeitszeit für diesen Zeitraum geplant ist.
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Dieser Schritt folgt auf ein bereits im Juli verabschiedetes Reformpaket, das jedoch keine Regelungen zur Arbeitszeitflexibilisierung enthielt. Neben der Arbeitszeit stehen weitere Veränderungen im Fokus der Koalition. So planen die Regierungsparteien, die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Künftig soll eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Tag der Erkrankung verpflichtend vorgelegt werden müssen. Diese Maßnahmen sind Teil der Bestrebungen, die Fehlzeiten in Betrieben zu reduzieren und die Kontrollmechanismen im Krankheitsfall zu verschärfen.
