Arbeitszeitreform, Handwerk

Arbeitszeitreform: Handwerk fordert noch 2026 Beschlüsse zur Flexibilisierung

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ZDH und weitere Wirtschaftsverbände verlangen flexiblere Arbeitszeiten, geringere Belastungen und verlässliche Rahmenbedingungen für Betriebe.
Leere, aufgeräumte Werkstatt mit Holztischen und einfallendem Tageslicht als Symbol für unternehmerische Rahmenbedingungen. Illustration mit AI erstellt.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) drängt die Bundesregierung zu einer raschen Umsetzung der angekündigten wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Vorhaben. ZDH-Präsident Jörg Dittrich forderte laut einem Bericht vom 15. Oktober 2026 von Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer ein sofortiges Handeln bei den Koalitionsreformen.

Für den Minister gebe es keine Schonfrist. Dittrich erklärte, der Deutsche Bundestag müsse noch im laufenden Jahr Beschlüsse zu Sozialreformen sowie zur Flexibilisierung der Arbeitszeit fassen. Wirtschaftswachstum müsse aus privaten Investitionen entstehen und dürfe sich nicht vor allem auf Schulden, staatliche Förderungen oder Brückentage stützen.

Scharfe Kritik an ausbleibender Arbeitszeitflexibilisierung

Mit seinen Forderungen steht das Handwerk nicht allein. Auch andere Wirtschaftszweige beklagen erhebliche Diskrepanzen zwischen den politischen Ankündigungen und dem Regierungshandeln.

Der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) kritisierte die Diskrepanz zwischen Zusagen wie Bürokratieabbau, Wachstum und Investitionsanreizen auf der einen Seite und neuen Belastungen auf der anderen Seite. Hauptgeschäftsführer Markus Suchert forderte einen Stopp der Belastungsspirale und betonte, so könne es nicht weitergehen.

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Der Verband verweist insbesondere auf zusätzliche Kosten durch die Plastiksteuer, die Zuckersteuer, eine geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf den Außer-Haus-Bereich, steigende Ausgaben bei Minijobs sowie das Ausbleiben einer Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

Bereits am 12. Oktober 2026 hatte der Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER von Minister Schweitzer, der das Amt nach dem Rücktritt von Bärbel Bas übernommen hat, einen schnellen Reformkurs angemahnt. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann sprach sich für eine Begrenzung und Senkung der Lohnzusatzkosten aus.

Neben der vollständigen Umsetzung der 33 Empfehlungen der Rentenkommission forderte der Verband eine grundlegende Überarbeitung des bestehenden Arbeitszeitgesetzes, das aktuell grundsätzlich eine Begrenzung auf acht Stunden werktäglich vorsieht. Zudem warnte die Organisation vor einer bis zum Jahresende drohenden Finanzierungslücke von rund 10 Milliarden Euro in der Arbeitslosenversicherung.

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Steuerbelastungen und Verlässlichkeit im Fokus

Neben arbeitszeitrechtlichen Reformen steht die finanzielle Belastung der Betriebe im Zentrum der Verbandskritik. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke rügte den Kabinettsbeschluss zum Haushaltsbegleitgesetz.

Statt für Entlastung sorge dieser Beschluss für zusätzliche Abgaben, darunter die Zuckersteuer und eine geplante Kunststoffverpackungsteuer, die insbesondere Betriebe des Lebensmittelhandwerks entlang der Wertschöpfungskette träfen.

Schwannecke bemängelte zudem eine fehlende Verlässlichkeit bei der Stromsteuersenkung, nachdem der Bundesfinanzminister das Ziel kurz nach Bekräftigung durch den Bundeskanzler wieder infrage gestellt habe. Er forderte Planungssicherheit und das Festhalten an der Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer, zu der in wenigen Monaten eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ansteht.

Zuvor hatte bereits Bundeskanzler Friedrich Merz beim Arbeitgebertag in Berlin betont, das Tempo bei Reformen erhöhen zu wollen. Merz drängte Arbeitsminister Schweitzer darauf, den Entwurf für eine Rentenreform noch vor Jahresende ins Bundeskabinett einzubringen, und verteidigte Pläne zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 sowie die Ablösung des starren Acht-Stunden-Tags durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter mahnte bei der Veranstaltung an, man dürfe keine hundert Tage warten, und verlangte verlässlichere Rahmenbedingungen zur Stärkung privater Investitionen am Standort Deutschland.

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