Armes, China

Armes China - die Industrieproduktion wächst zweistellig

Veröffentlicht: 14.08.2009 um 15:24 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

In China wurden am diese Woche die neuen Wirtschaftsdaten für Juli veröffentlicht – und um es gleich vorweg zu nehmen: Sie haben die Märkte nicht besonders gestützt.

Da ist zum einen die Industrieproduktion. Diese stieg gegenüber dem Vorjahr um 10,8 Prozent. Man stelle sich vor, die deutsche Industrie könnte in Krisenzeiten solche Zuwachsraten (auf Jahressicht) vermelden. Politiker, Medien und auch die Anleger wären außer Rand und Band. Für das Reich der Mitte war dieser Anstieg den Analysten aber zuwenig. Sie hatten eine Verbesserung um 11,5 Prozent erwartet. Zudem wurde bemängelt, dass der Fortschritt gegenüber dem Vormonat nicht überzeugt habe. Schließlich sei die Industrieproduktion im Juni bereits um 10,7 Prozent gestiegen.

„Armes China!“ möchte man an dieser Stelle ausrufen. Wie konnte dieses Land bei einer derart wichtigen volkswirtschaftlichen Kennzahl nur so enttäuschen. Und dies in so schlechten Zeiten wie diesen, wo jedes zarte Konjunkturpflänzchen so verzweifelt gehätschelt wird, und wo Enttäuschungen so besonders schwer wiegen. Soll man als Investor jetzt ein solches Land überhaupt noch auf seinem Radar behalten? Gibt es hier noch die geringste Perspektive? Oder wollen wir uns nicht lieber doch wieder den USA zuwenden, wo etwa die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der ersten August-Woche nur bei 550.000 statt - wie erwartet – bei 580.000 gelegen haben. Fürwahr: Das ist doch gleich viel eher der Stoff, aus dem Anleger-Träume gestrickt sind.

Spaß beiseite: Das Hauptproblem liegt nicht in Chinas Wachstum an sich, sondern vielmehr in den hohen Erwartungen, die die Anleger mittlerweile daran haben. Daneben gab es in den neuen Statistiken in der Tat auch ein paar „echte“ Schönheitsfehler. Wenig erfreulich waren beispielsweise die Exporte, die gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent geschrumpft sind. Dies spricht zwar eher gegen die globale Konjunkturentwicklung und weniger gegen Chinas Wachstumsdynamik. Dennoch wäre es erfreulich gewesen, wenn sich hier eine etwas bessere Entwicklung gezeigt hätte.

Das Land kann von Glück reden, dass der Exporteinbruch sein Wachstum zu keiner Zeit ernsthaft beeinträchtigt hat. Im Frühjahr stand lange zur Debatte, ob Chinas BIP vielleicht um 6 Prozent, oder nur um 4 oder 5 Prozent steigen wird. Niemand hat aber ernsthaft daran geglaubt, dass es zu einer Rezession kommen könne. In allen anderen großen Wirtschaftsnationen außerhalb Asiens war und ist dies dagegen eine bittere Realität. Hinzu kommt: Sollte sich die Konjunktur in den westlichen Industrienationen tatsächlich irgendwann erholen, dann sind Chinas Exportunternehmen die ersten, die davon profitieren werden. Auch dieses Szenario bietet demnach Chancen für den Asien-Investor.

Sie können uns glauben: Für Sie als Anleger lohnt es sich jetzt mehr denn je, die Entwicklungen in Asien zu verfolgen. Wenn Sie sich erst einmal eingehend mit diesen Märkten beschäftigt haben, werden Dinge wie die US-Arbeitsmarkt-Statistik Sie künftig kaltlassen. Es sei denn, Sie sind ein amerikanischer Investmentbanker auf Jobsuche. Aber das wollen wir nicht für Sie hoffen. Die Perspektiven sind dort nämlich nicht sonderlich.


Gerhard Heinrich und Rainer Hahn sind die renommiertesten Asien-Experten und verfassen gemeinsam den Börsenbrief ASIEN-TRENDS, wobei einer der beiden Experten immer in Asien vor Ort ist.

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