Armutsbericht: Armutsquote auf 16,1% gestiegen, 13,3 Mio. betroffen
02.06.2026 - 18:16:04 | boerse-global.de
Die Armutsquote ist auf 16,1 Prozent gestiegen – ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2024. Besonders brisant: Während Millionen Menschen um ihre Existenz kämpfen, wächst die Zahl der Superreichen weiter.
Die Kluft wird tiefer
Der Bericht mit dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ zeigt eine alarmierende Entwicklung. 13,3 Millionen Menschen gelten demnach als armutsgefährdet. Gleichzeitig stieg die Zahl der Deutschen mit Vermögen über 100 Millionen Euro um 1.100 auf insgesamt 5.000.
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Die Armutsschwelle liegt bei 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens – aktuell knapp 2.700 Euro monatlich. Für einen Alleinlebenden bedeutet das: Wer weniger als 1.446 Euro netto im Monat hat, gilt als armutsgefährdet. Bei einem Paar mit zwei Kindern liegt diese Grenze bei 3.036 Euro.
Wer besonders betroffen ist
Bestimmte Gruppen trifft die Krise besonders hart:
- Alleinlebende: 30,3 Prozent leben in Armut
- Alleinerziehende: 28,9 Prozent sind betroffen – hier zeigten sich durch Mindestlohnerhöhungen und Kinderzuschläge leichte Verbesserungen
- Junge Erwachsene (18-25 Jahre): 24,8 Prozent kämpfen mit finanziellen Engpässen
- Seniorinnen und Senioren: 19,5 Prozent der Über-65-Jährigen sind armutsgefährdet, bei Frauen über 75 liegt die Quote sogar bei 21,3 Prozent
70 Prozent der Betroffenen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Besonders erschreckend: 4,6 Millionen Menschen leiden unter erheblicher materieller Entbehrung – darunter eine Million Kinder und 650.000 Rentner.
Die „Working Poor“ – trotz Arbeit arm
Der Bericht enthüllt ein weiteres Problem: Trotz eines Mindestlohns von 13,90 Euro gelten 6,8 Prozent der Beschäftigten als armutsgefährdet. 1,8 Millionen Menschen bleiben trotz Vollzeitarbeit unter der Armutsschwelle. Das Phänomen der „Working Poor“ ist längst keine Randerscheinung mehr.
Regionale Unterschiede verschärfen sich
Die soziale Schere geht auch geografisch weiter auseinander:
- Bremen bleibt trauriger Spitzenreiter: 27,5 Prozent Armutsquote (Vorjahr: 25,9 Prozent)
- Bayern verzeichnet mit 12,5 Prozent die niedrigste Quote – ein Unterschied von 14,9 Prozentpunkten
- Berlin liegt bei 18,7 Prozent und verzeichnet einen deutlichen Anstieg
- Sachsen-Anhalt erreicht 21,3 Prozent
- Nordrhein-Westfalen kommt auf 18 Prozent, der Regierungsbezirk Arnsberg nähert sich aufgrund struktureller Veränderungen der 20-Prozent-Marke
Scharfe Kritik an der Regierung
Der Paritätische Gesamtverband übt deutliche Kritik an der Bundesregierung. Geschäftsführer Joachim Rock warnt vor geplanten Kürzungen bei Wohngeld, Jugendhilfe und Rentenversicherung. „Der Abbau des Sozialstaats würde die Krise nur vertiefen“, so Rock.
Die politische Debatte ist entbrannt:
- Grüne und Linke werfen der Regierung ein fehlendes Konzept vor. Britta Haßelmann (Grüne) spricht von einer „Anklage gegen die Regierungsleistung“. Die Linke fordert einen Mindestlohn von 15 Euro und eine bedarfsorientierte Grundsicherung.
- Gesundheitsminister Warken (CDU) plant offenbar ein 16-Milliarden-Euro-Sparpaket. Dennis Radtke, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), warnt vor einem „sozialen Kahlschlag“.
- Die schwarz-rote Koalition will in etwa vier Wochen ein Reformpaket vorlegen. SPD-Generalsekretär Klüssendorf lehnt weitere Belastungen für die Bevölkerung jedoch ab.
Was jetzt gefordert wird
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Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert ein umfassendes Maßnahmenpaket:
- Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent
- Einführung einer „Pflegevollversicherung“
- Mietendeckel und Ausbau bezahlbaren Wohnraums
Der Hintergrund: Arme Haushalte geben im Durchschnitt 44 Prozent ihres Einkommens für Miete aus. Eine Entlastung bei den Wohnkosten wäre daher der effektivste Hebel gegen die wachsende Armut.
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