ASIEN: Bricht der Exportmarkt jetzt völlig weg?
Veröffentlicht: 09.02.2009 um 12:19 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Es ist keine Überraschung: Das vierte Quartal 2008 konnte für Asiens Exportindustrie gar nicht anders als schlecht verlaufen sein. Häppchenweise erreichen uns nun die Konjunkturdaten der wohl am stärksten betroffenen Exportnationen aus Asien.
Hierzu einige aktuelle Informationen zu den krisengeschüttelten Volkswirtschaften Japan, Taiwan und Südkorea:
Japans Leistungsbilanzüberschuss ist 2008 um 34,3 Prozent auf 176,8 Milliarden US Dollar eingebrochen. Der Handelsbilanzüberschuss ist nach einem dreiprozentigen Exportrückgang und einem elfprozentigen Importanstieg um 67 Prozent zurückgegangen. Japans Maschinenaufträge wiederum sind im vierten Quartal 2008 um 16,7 Prozent eingeknickt.
In Taiwan könnte es bald noch dramatischer aussehen. Für die Exportaufträge wird offiziell für 2009 ein Rückgang von 10 Prozent erwartet. Einige Analysten sprechen jedoch sogar von Rückgängen von bis zu 30 Prozent, denn die vom westlichen Elektronikkonsum abhängige Technologienation produziert rund 80 Prozent aller weltweit verkauften Laptops und rund 40 Prozent aller verkauften LC-Displays! Die Investmentbank CLSA zieht daraus sogar den Schluss, dass Taiwans Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2009 um 11 Prozent schrumpfen wird.
Auch für Südkorea erwarten die Asienspezialisten von CLSA bei der Wirtschaftsleistung einen siebenprozentigen Rückschlag. Bereits im vierten Quartal hatte sich die lahmende Weltkonjunktur äußert schlecht auf Südkoreas Wirtschaft ausgewirkt. Im vierten Quartal ist die Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal überraschend stark um 4 Prozent geschrumpft. Alle negativen Schätzungen beruhen auf die katastrophalen Exportaussichten.
Automobil-, Elektronikindustrie- und Handel am Tiefpunkt
Die Negativmeldungen seitens der asiatischen Exportkonzerne reißen nicht ab. Die einstigen Musterkonzerne wie Samsung Electronics oder Toyota Motor mussten erstmals in der Firmengeschichte einen Verlust ausweisen. Die Jahresprognosen werden hier beinahe täglich revidiert, und häufig liegen sie damit noch unter den Analystenerwartungen, die ohnehin schon sehr pessimistisch sind. Der Aktienkurs von Nissan Motor etwa brach heute nach einem positiven Auftakt um 5,8 Prozent ein. Anstelle eines von Analysten prognostizierten Verlusts von 1 Milliarde US-Dollar für das Gesamtjahr erwartet Nissan nun ein Minus von rund 2,9 Milliarden US-Dollar.
Asien versus Westen
Reden wir dennoch den asiatischen Kontinent nicht schlechter, als er ist. Im Fall Taiwan sprechen wir von einem Outsourcing-Land. Die Aufträge kommen häufig von den US-Branchenriesen Dell, Hewlett-Packard und Co. Während die Maschinen in Taiwan teilweise still liegen, kämpfen auch die westlichen Konzerne mit äußerst schwachen Absätzen. Die Kostenstrukturen wiederum bleiben in Asien attraktiver als im Westen. Und auch das Know-How hat sich von Westen nach Osten verlagert.
Wir befinden uns vor einer globalen Marktbereinigung. Die Krise wird noch weitere Unternehmen hart treffen. Es ist gut möglich, dass nach in einigen Jahren einige bekannte Unternehmen von den Kurszetteln verschwunden sind. Im Automobil- und Elektroniksektor könnte sich über kurz oder lang eine Fusionswelle entwickeln, wie wir sie etwa Ende der 90er in Japans Bankenindustrie gesehen haben. Daneben könnte der zunehmende Protektionismus in den USA den globalen Handel in Mitleidenschaft ziehen. Dank der noch nicht gesättigten Märkte auf dem asiatischen Kontinent blieben dann dennoch die asiatischen Hersteller die Gewinner.
Das Fazit zu diesem Artikel finden Sie im EMFIS-Kommentar auf www.EMFIS.com
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