ASIEN-TRENDS-KOLUMNE: Die Arroganz des Westens
Veröffentlicht: 06.10.2008 um 13:58 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Die aktuellen Verwerfungen an den Kapitalmärkten sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem lachenden Auge deshalb, weil die Leser, die unser Asien-Trends-Depot nachgebildet haben, in den vergangenen Tagen wieder dicke Gewinne eingefahren haben. Der Put auf den Hang Seng Index (WKN: DB85GC), den wir am 22. August pünktlich vor dem jüngsten Kurseinbruch zum Kauf empfohlen haben, liegt inzwischen bereits knapp 35 Prozent im Plus. Der Put auf Nikkei 225 (WKN: DB84G8) wiederum, den wir bereits seit knapp einen Jahr halten, hat mittlerweile einen Buchgewinn von über 117 Prozent erzielt.
Dennoch ist die aktuelle Situation nicht unbedingt erfreulich. Anfang dieser Woche hat die Weigerung des US-Repräsentantenhauses, dem Bankenrettungsplan der Regierung zuzustimmen, beim amerikanischen Dow Jones Index zu einem spektakulären Kurseinbruch geführt. Zwar konnten diese Abschläge inzwischen teilweise wieder wettgemacht werden. Die Entwicklung zeigt dennoch, wie sehr die Marktteilnehmer zurzeit verunsichert sind. Weitere Bankenpleiten und Fast-Pleiten (u.a.bei Hypo Real Estate, Fortis oder Bradford & Bingley) haben den Anlegern klar gemacht, dass die Finanzkrise inzwischen auch auf Europa übergegriffen hat.
Es tut uns ja durchaus leid, dass wir in unserem Börsendienst, der sich eigentlich den Kurschancen in Fernost widmet, so oft über die Situation an den westlichen Börsen schreiben müssen. Leider ist es aber gerade die Entwicklung in den USA, die das Marktgeschehen in Asien in den letzten Quartalen geprägt hat. Und nicht nur das: Die asiatischen Börsen sind angesichts der US-Krise noch um einiges stärker gefallen als die Märkte im Westen. Dies liegt vor allem daran, dass viele Auslandsanleger ihre Gelder in Krisenzeiten gerade aus den Schwellenländern abziehen, die sie für besonders riskant halten. Dies hat zu der absurden Situation geführt, dass die Fernost-Börsen zur Zeit billiger bewertet sind als die meisten westlichen Börsen, obwohl dort die Wachstumsraten sowohl bei der Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaften als auch bei den Unternehmensgewinnen deutlich höher sind.
Wir haben schon in den letzten Ausgaben von Asien-Trends dargelegt, dass wir diese Entwicklung für widersinnig halten. Tatsächlich sind die fundamentalen Risiken für Asien-Anleger in diesen Zeiten viel geringer, als für den scheinbar „konservativeren Anleger“, der auf deutsche und amerikanische Standardwerte schwört. Haben Sie in den letzten Wochen und Monaten auch nur von einer einzigen asiatischen Bank gehört, die wegen Bilanz-Risiken pleite gegangen oder auch nur ins Wanken gekommen wäre?
Wir haben es noch in den Ohren, als vor einigen Jahren die hiesigen Finanzpostillen vor den enormen Risken gewarnt haben, die etwa in den Bilanzen der großen chinesischen Banken schlummern würden. „Finger weg!“ hieß es hier allenthalben. Inzwischen wissen wir, wo die Banken ansässig sind, die tatsächlich enorme Risiken aufweisen. Es waren die honorigen großen US-Investmentbanken, die gerettet werden mussten, nebst verschiedenen europäischen Instituten und auch einigen ach so sorgfältig regulierten deutschen Landesbanken unter kompetenter staatlicher Aufsicht. Die allgemeine Herablassung, die man den asiatischen Instituten lange angedeihen ließ, war also unangebracht. Nicht mehr die Citigroup, auch nicht die Bank of America, sondern die chinesische ICBC ist heute die nach Börsenwert größte Bank der Welt. Und auch wenn die asiatischen Bankaktien zuletzt ebenfalls gelitten haben, wäre ein Engagement dort weniger verlustreich gewesen als in amerikanischen Banktiteln – und dies gilt auch für die Titel jener US-Banken, die in den letzten Wochen nicht zusammengebrochen sind. Und nebenbei bemerkt, sind die asiatischen Finanzwerte in erster Linie auch nur deshalb gefallen, weil jedermann glaubte, diese Titel meiden zu müssen, eben weil gerade die US-Pendants in den Keller rauschten.
Wir bleiben dabei, dass asiatische Aktien derzeit die werthaltigsten Investments sind. Nirgendwo auf der Welt sieht das Chance-Risiko-Profil besser aus, nirgendwo bekommen Anleger vergleichbar solide Werte, die zugleich wachstumsstark und günstig zu haben sind. Wer jetzt in die richtigen Titel einsteigt, kann in den nächsten Jahren enorme Renditen einfahren. Deshalb haben wir an den asiatischen Märkten auch in diesen schwierigen Zeiten viel Spaß, und freuen uns, für Sie weiterhin die interessantesten Schnäppchen auswählen zu können.
Gerhard Heinrich ist Asien-Redakteur bei EMFIS. Er verfasst gemeinsam mit Rainer Hahn den Trading-Dienst ASIEN-TRENDS. Dieser Dienst erscheint immer bei Handlungsbedarf, aber mindestens einmal wöchentlich. Darin erhalten die Leser neben einer umfassenden Marktanalyse vor allem konkrete Aktien- und Derivate-Empfehlungen für die asiatischen Märkte.
ASIEN-TRENDS können Sie hier kostenlos testen.
www.asien-trends.de
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