Atemwegsinfektionen: 24,2 Prozent aller Krankschreibungen in zwei Städten
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAtemwegserkrankungen haben im ersten Halbjahr 2026 die Arbeitsunfähigkeitsstatistiken dominiert. Nach Auswertungen der Krankenkasse AOK NordWest waren Infektionen der Atemwege im Kreis Recklinghausen für 24,2 Prozent aller gemeldeten Fälle von Arbeitsunfähigkeit verantwortlich. Damit stellten sie in der Region den häufigsten Grund für Fehlzeiten dar.
Ein deckungsgleiches Bild ergab sich im selben Zeitraum in Herne, wo die Kasse den Anteil von Atemwegsinfektionen an allen Krankschreibungen ebenfalls auf 24,2 Prozent bezifferte.
Ungewöhnlich früher Beginn der Erkältungswelle
Begleitet wird diese Entwicklung von einem vorzeitigen Einsetzen der aktuellen Infektionssaison. Das Robert Koch-Institut (RKI) beobachtet für das Jahr 2026 einen Start der Erkältungswelle, der rund zwei bis drei Wochen früher als üblich liegt.
Während die Fallzahlen üblicherweise erst ab den Kalenderwochen 42 oder 43 ansteigen, wurde ein Zuwachs diesmal bereits ab der Kalenderwoche 40 registriert. Als dominierende Erreger wies das Institut vor allem Rhinoviren nach, gefolgt vom Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV).
Diese Dynamik macht sich auch in der Versorgung bemerkbar: In den Apotheken in Deutschland lag der Umsatz mit Erkältungsmitteln zuletzt 35 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Fachleute verweisen auf typische saisonale Abfolgen.
Ulrike Protzer von der Technischen Universität München erklärte, dass im Herbst 2026 vor allem Nicht-Influenza-Viren wie Rhino- und Parainfluenzaviren zirkulieren, was sich im Abwassermonitoring abbilde. Der bisherigen Erfahrung nach folgten im weiteren Verlauf Corona-Infektionen und gegen Jahresende Grippe sowie RSV.
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Kassen raten zur rechtzeitigen Grippeimpfung
Angesichts der Krankheitslast empfiehlt die AOK NordWest den Versicherten im Kreis Recklinghausen und in Herne, die Möglichkeit einer Grippeimpfung zu nutzen. Als optimales Zeitfenster gelten die Monate Oktober und November, da der Aufbau des körpereigenen Schutzes bis zu 14 Tage dauere.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät zur Immunisierung insbesondere für Personen ab 60 Jahren, Schwangere sowie chronisch Kranke aller Altersgruppen. Ebenso richtet sich die Empfehlung an Beschäftigte im medizinischen und pflegerischen Bereich und an Personen mit regelmäßigem Publikumsverkehr.
Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen über die Gesundheitskarte. Volljährige ab 18 Jahren können die Impfung neben Arztpraxen auch in dafür geschulten Apotheken in Anspruch nehmen.
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Impfquoten verharren auf niedrigem Niveau
Trotz der Aufrufe bleibt die Impfbereitschaft hinter den offiziellen Vorgaben zurück. In Westfalen-Lippe nahmen im Jahr 2025 lediglich 24,8 Prozent der Versicherten der AOK NordWest ab 60 Jahren das Angebot wahr.
Bundesweit lag die Quote nach Erhebungen des RKI in der Saison 2024/25 bei den über 60-Jährigen bei 34,5 Prozent. Die Europäische Union formuliert für diesen Personenkreis eigentlich ein Ziel von 75 Prozent.
An der Verfügbarkeit mangelt es laut den zuständigen Behörden nicht. Das Paul-Ehrlich-Institut gab für die Saison 2026/2027 seit Ende August rund 80 Millionen Dosen Grippeimpfstoff frei und erwartet keine Versorgungsengpässe. Für die laufende Spielzeit wurden zudem alle drei Komponenten der Vakzine angepasst.
Leif-Erik Sander von der Berliner Charité betonte hierzu, dass sich allein aus dem routinemäßigen Austausch der Impfstoffbestandteile keine Hinweise auf einen übermäßig schweren Verlauf der bevorstehenden Welle ableiten ließen.
