Attestpflicht, Krankheitstag

Attestpflicht ab erstem Krankheitstag: Koalition einigt sich auf Reformpaket

03.07.2026 - 10:19:13 | boerse-global.de

Die Koalition einigt sich auf ein Reformpaket, doch die SPD dämpft Erwartungen an die strikte Krankschreibung ab dem ersten Tag. Details bleiben offen.

Koalitionsreform: SPD relativiert neue Attestpflicht ab Tag eins
Attestpflicht - Eine Hand hält einen Stift über einem Attest, im Hintergrund verschwommen ein Bürogebäude. Fokus auf Bürokratie und Reformen. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Juli 2026 auf ein umfassendes Reformpaket sorgt für Diskussionen. Führende SPD-Vertreter relativieren nun die geplante Verschärfung bei Krankmeldungen – die Details seien noch offen.

„Niemand soll krank zum Arzt müssen“

SPD-Chef Lars Klingbeil stellte am 2. Juli klar: Die grundsätzliche Einigung auf eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag bedeute nicht, dass sich Beschäftigte sofort in die Praxis schleppen müssten. „Wir wollen eine vernünftige Umsetzung“, betonte er am Folgetag. Die konkrete Ausgestaltung sei noch zu klären.

Die SPD habe bereits verhindert, dass unbezahlte Karenztage eingeführt werden, so Klingbeil. Auch Bärbel Bas kündigte eine umfassende Prüfung der Auswirkungen an. Der Vorschlag für die verschärfte Attestpflicht stamme nicht von ihr, stellte die SPD-Vorsitzende klar.

Friedrich Merz bestätigte am 3. Juli: Unternehmen können weiterhin Ausnahmen von der strikten Regelung machen. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung müsse zwar ab dem ersten Tag vorliegen – aber nicht zwingend durch einen physischen Praxisbesuch am selben Tag.

Krankenkassen warnen vor überfüllten Wartezimmern

Der Widerstand formierte sich sofort nach Bekanntwerden der Details. Ricarda Lang von den Grünen warnte am 2. Juli vor Symbolpolitik. Die Neuregelung könne Arztpraxen überlasten und paradoxerweise zu mehr Krankheitstagen führen. Auch Grünen-Chefin Franziska Brantner kritisierte das Gesamtpaket als mutlos.

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Andreas Storm, Chef der DAK-Gesundheit, schlug am 3. Juli Alarm: Die Kombination aus neuer AU-Pflicht und geplanter Abschaffung der telefonischen Krankschreibung erhöhe den Druck auf die Primärversorgung massiv. Als Alternative brachte Storm das Modell einer Teilkrankschreibung ins Gespräch.

Telefonische Krankschreibung vor dem Aus

Die Politik verteidigt parallel die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Laut Branchenkreisen machten telefonische AU-Bescheinigungen zuletzt nur 0,8 bis 1,2 Prozent des Gesamtaufkommens aus. Unionspolitikerin Warken verwies auf laufende Planungen für neue Modelle wie die Teilkrankschreibung.

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Das Reformpaket im Überblick

Das am 2. Juli verabschiedete Paket umfasst neben arbeitsrechtlichen Verschärfungen auch steuerliche und haushaltspolitische Maßnahmen:

  • Steuerentlastungen: Ab 2027 sollen Familien entlastet werden. Eine Beispielfamilie mit 60.000 Euro Jahreseinkommen soll jährlich über 600 Euro weniger zahlen.
  • Reichensteuer: Für Spitzenverdiener steigen die Sätze. Ab 250.000 Euro greifen 45 Prozent, ab 280.000 Euro 47 Prozent. Das IW rechnet mit Mehreinnahmen von rund 3 Milliarden Euro.
  • Haushalt 2027: Eine pauschale Einsparvorgabe von einem Prozent wurde vereinbart – das entspricht etwa 4 Milliarden Euro.

Trotz interner Kritik und Relativierungen betonten Klingbeil und Merz am 3. Juli gemeinsam: Das Reformpaket müsse nun zügig umgesetzt werden. Anhaltende Debatten dürften es nicht zerreden.

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