Attestpflicht, Arbeitsministerin

Attestpflicht: Arbeitsministerin Bas fordert Verzicht auf Regelung

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 17:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Arbeitsministerin Bas verlangt ZugestĂ€ndnisse des Gesundheitsressorts, wĂ€hrend die Union weitere GesprĂ€che ĂŒber die geplante Nachweispflicht ablehnt.

BÀrbel Bas stellt Attestpflicht infrage und fordert neue GesprÀche
Ein Stethoskop und ein leeres medizinisches Formular auf einem Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt.

Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) hat die geplante EinfĂŒhrung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag massiv kritisiert. In einer Stellungnahme forderte sie die Union zu neuen Verhandlungen auf, um auf die Regelung zu verzichten. Die Ministerin knĂŒpft die Umsetzung der Maßnahme zudem an konkrete ZugestĂ€ndnisse des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Debatte um die VerschÀrfung der Nachweispflicht bei ArbeitsunfÀhigkeit hat am 29. August 2026 eine neue Dynamik erhalten. Bundesarbeitsministerin BÀrbel Bas stellte das Vorhaben, Arbeitnehmer bereits ab dem ersten Tag ihrer Erkrankung zur Vorlage eines Àrztlichen Attests zu verpflichten, öffentlich infrage. Sie regte an, die GesprÀche mit der Union wieder aufzunehmen, um die Regelung noch abzuwenden.

Kritik an Ausnahmeregelungen und bĂŒrokratischem Aufwand

Bas begrĂŒndete ihren Vorstoß unter anderem mit der KomplexitĂ€t der geplanten Verordnung. Sie kritisierte die vorgesehenen 95 Ausnahmen der Regelung, die unter anderem fĂŒr tarifgebundene Unternehmen gelten sollen. Die Ministerin Ă€ußerte zudem die BefĂŒrchtung, dass eine generelle Attestpflicht ab dem ersten Tag nicht zu weniger Fehlzeiten, sondern im Gegenteil zu lĂ€ngeren Krankschreibungen fĂŒhren könnte.

Innerhalb der SPD-Fraktion wurde die Zustimmung zu der Neuerung offenbar nur unter Vorbehalt erteilt. Laut Bas habe die SPD der Attestpflicht lediglich zĂ€hneknirschend zugestimmt, um weitergehende Forderungen der Union, wie etwa die EinfĂŒhrung von Karenztagen oder eine generelle KĂŒrzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, zu verhindern.

Die aktuelle Regelung des Entgeltfortzahlungsgesetzes sieht vor, dass Arbeitgeber ein Attest spĂ€testens nach dem dritten Kalendertag verlangen können, wobei fĂŒr Beamte abweichende Bestimmungen gelten.

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Bedingungen an das Gesundheitsressort und politische WiderstÀnde

Die Arbeitsministerin verknĂŒpft die Umsetzung der Attestpflicht zudem direkt mit der Arbeit von Gesundheitsminister Linnemann (CDU). Sie fordert, dass zunĂ€chst weitere Regelungen des Gesundheitsministeriums vorliegen mĂŒssen, bevor die neue Nachweispflicht in Kraft treten kann. Dazu zĂ€hlt Bas insbesondere eine Termingarantie fĂŒr Patienten sowie konkrete Maßnahmen zur Schlaganfallvorsorge.

Die Unionsfraktion reagierte prompt und lehnte eine Neuverhandlung strikt ab. Vertreter der Union, darunter die Abgeordneten Marc Biadacz und Dennis Radtke, wiesen den Vorstoß zurĂŒck. Radtke bezeichnete das öffentliche Infragestellen einer bereits getroffenen Vereinbarung durch Bas als fragwĂŒrdig.

Unionsfraktionsvize Sepp MĂŒller verwies zudem auf die Ergebnisse der Klausurtagungen der Union, die eine klare Positionierung gegen erneute Verhandlungen beinhalten. Auch der SozialflĂŒgel der CDU ĂŒbte Kritik an der Haltung der Arbeitsministerin.

Breite Debatte in Wirtschaft und VerbÀnden

UnterstĂŒtzung erhĂ€lt Bas hingegen von Gewerkschaften und Krankenkassen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stellte sich hinter die Position der Ministerin. Auch die Vorstandsvorsitzende der AOK, Dr. Carola Reimann, bezeichnete die PlĂ€ne zur Attestpflicht ab dem ersten Tag als unsinnig. Aus den Reihen der Politik kam zudem Zuspruch vom GrĂŒnen-Vorsitzenden Felix Banaszak, der die geplante Regelung als Quatsch einstufte.

Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Ă€ußerten sich derweil zurĂŒckhaltend. Ein Fachmann des Instituts gab zu bedenken, dass durch die EinfĂŒhrung der Attestpflicht kaum nennenswerte VerĂ€nderungen im Krankenstand zu erwarten seien. Im Zuge der Diskussion wurde zudem bekannt, dass Minijobs fĂŒr Studierende von den Neuregelungen möglicherweise unberĂŒhrt bleiben könnten.

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Kontext der Rentenpolitik und bevorstehende Wahlen

Die Auseinandersetzung ĂŒber die Attestpflicht findet vor dem Hintergrund weiterer sozialpolitischer Konflikte statt. So zeigte sich Bas zwar offen fĂŒr eine fĂŒnfjĂ€hrige Übergangsfrist bei der sogenannten Rente mit 63, warnte jedoch davor, die gesamte Rentenreform zu zerreden. Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz hĂ€lt unterdessen an der Forderung nach einer vollstĂ€ndigen Abschaffung der Rente mit 63 fest.

Die politische Bedeutung des Streits wird auch durch die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 unterstrichen. Beobachter stufen den Ausgang der Wahl als richtungsweisend fĂŒr die kĂŒnftige Strategie der SPD-Spitze ein.

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