AU-Pflicht, Tag

AU-Pflicht ab Tag eins: Koalition beschließt Arbeitsunfähigkeitspflicht

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 20:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Reform bringt die AU-Pflicht ab Tag eins und lockert den Kündigungsschutz für Spitzenverdiener. Gerichte verschärfen BEM-Regeln.

Arbeitsrecht 2026: Neue AU-Pflicht und Kündigungsschutz-Änderungen
Schreibtisch mit Dokumenten und einem Stift als Symbol für arbeitsrechtliche Unterlagen und Kündigungsprozesse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ bringt weitreichende Änderungen im Arbeitsrecht. Arbeitgeber jubeln, Gewerkschaften warnen vor den Folgen.

AU-Pflicht ab dem ersten Tag

Ab sofort gilt: Wer krank ist, muss schon am ersten Tag zum Arzt. Die Koalition beschloss Anfang Juli die gesetzliche Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab Tag eins. Bisher reichte eine Vorlage ab dem ver vierten Tag.

Die telefonische Krankschreibung aus der Pandemiezeit fällt weg. Die Videosprechstunde bleibt dagegen erlaubt. Ein echtes Problem? Laut Statistik machen Telefon-AUs gerade mal 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankschreibungen aus.

Befürworter hoffen auf sinkende Krankenstände. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht dagegen „drohende Kapazitätsprobleme in Arztpraxen“.

Kündigungen: BEM muss echt sein

Unabhängig von den neuen Gesetzen schärfen Gerichte die Regeln für krankheitsbedingte Kündigungen. Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen stellte klar: Bricht der Arbeitgeber das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) vorzeitig ab, ist die Kündigung unverhältnismäßig.

Vereinbarte Maßnahmen wie digitale Gesundheitskurse oder Betriebsarzttermine müssen tatsächlich stattfinden. Ein bloßer Start des Verfahrens reicht nicht.

Anzeige

Aktuelle Urteile machen ein korrekt durchgeführtes BEM zur Pflicht für Betriebe, um rechtssichere Kündigungen zu gewährleisten. In diesem kostenlosen Ratgeber erfahren Sie, wie ein rechtssicheres Betriebliches Eingliederungsmanagement in der Praxis funktioniert. Die vollständige BEM-Anleitung mit Muster-Betriebsvereinbarung kostenlos herunterladen

Bleibt die Frage: Was tun bei Missbrauch? Bei berechtigtem Verdacht auf vorgetäuschte Krankheit dürfen Unternehmen den Medizinischen Dienst einschalten. Auch Detekteien sind in engen Grenzen erlaubt. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf warnte jedoch: Zu viel Überwachung kann Schmerzensgeld kosten.

Spitzenverdiener: Leichter raus

Das Reformpaket lockert den Kündigungsschutz für Besserverdienende. Ab Januar 2027 können Arbeitgeber bei Jahresbruttogehältern über 177.450 Euro das Arbeitsverhältnis gegen Abfindung beenden – ohne besondere Begründung.

Auch bei Befristungen tut sich was: Künftig sind bis zu 48 Monate sachgrundlose Befristung möglich, mit bis zu sechs Verlängerungen. Die Regelung gilt befristet bis Ende 2030. Das lästige Schriftformerfordernis für Befristungen fällt Anfang 2027 weg.

Anzeige

Die neuen Regelungen zu Befristungen und Kündigungsrechten erfordern eine dringende Überprüfung bestehender Vertragsmuster. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, welche veralteten Klauseln Arbeitgeber teure Bußgelder kosten können und wie Sie rechtssichere Verträge erstellen. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen für Arbeitsverträge sichern

Krankenstand sinkt – psychische Belastung steigt

Die Zahlen geben Grund zum Nachdenken. Die DAK-Gesundheit meldet für das erste Halbjahr 2026 durchschnittlich 9,6 Fehltage pro Versicherten – ein Rückgang gegenüber 9,9 Tagen im Vorjahr. Die Techniker Krankenkasse notierte für 2025 noch 18,6 Tage.

Doch der Schein trügt: Psychische Erkrankungen sind erstmals die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit. Die Rate stieg auf 184 Fehltage je 100 Versicherte. Atemwegserkrankungen gingen dagegen um 21 Prozent zurück.

Eine Umfrage von Mitte Juni zeigt die Kehrseite: 72 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich bei Krankmeldungen unter Rechtfertigungsdruck. Über 90 Prozent gaben zu, trotz Krankheit gearbeitet zu haben.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69841087 |