Audi-Auftritt mit Trump: 57 Prozent finden ihn unangemessen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Audi und Neckarsulm
- Gernot Döllner kündigte das US-Werk gemeinsam mit Donald Trump in Georgia an.
- Die YouGov-Befragung erfasste am 26. Oktober 2.725 Erwachsene in Deutschland.
- Für Neckarsulm soll innerhalb eines Jahres ein tragfähiges Kostensenkungskonzept entstehen.
Umfrage zeigt klare Ablehnung des Audi-Auftritts
Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland bewertet den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump kritisch. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage bezeichneten 39 Prozent den Auftritt als „überhaupt nicht angemessen“, weitere 18 Prozent als „eher nicht angemessen“.
Nur 7 Prozent hielten ihn für „voll und ganz angemessen“, 11 Prozent für „eher angemessen“. 25 Prozent äußerten keine Meinung oder wollten sich nicht äußern.
Auftritt löst Kritik im Konzern aus
Döllner hatte am Wochenende gemeinsam mit Trump auf einer Wahlkampfbühne in Georgia den Bau eines eigenen Audi-Werks in dem US-Bundesstaat angekündigt. Das Vorhaben soll rund 4.500 Arbeitsplätze schaffen; zugleich wurde wegen des Auftritts sogar sein Rücktritt gefordert.
Audi hat interne Richtlinien, die öffentlich wirksame Auftritte im Wahlkampf kurz vor Wahlen untersagen. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.
VW-Intranet schaltet Kommentarfunktion ab
Auch in der Belegschaft stieß der Auftritt auf Irritationen. Unter einem Beitrag im Intranet der Konzernmutter Volkswagen äußerten sich zahlreiche Beschäftigte kritisch zu Döllner.
Nach Angaben eines Unternehmenssprechers wurde die Kommentarfunktion abgeschaltet, weil die Debatte wegen persönlicher Beleidigungen ausgeufert sei. Bereits veröffentlichte Kommentare seien ebenfalls entfernt worden, dem Vernehmen nach mehr als 200.
Bayerische Politik verteidigt Döllners Vorgehen
Döllner erklärte, Audi sei im Zuge der Gespräche zum US-Werk gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten öffentlich vorzustellen. Eine solche Einladung habe man aus Respekt vor dem Amt nicht ablehnen wollen.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger unterstützte diese Argumentation. Döllner sei nicht gut beraten gewesen, eine Einladung zu einer Wahlkampfveranstaltung abzulehnen, wenn dies den amerikanischen Absatzzahlen nutzen könne.
US-Investition steht neben deutscher Standortfrage
Die Entscheidung für das Werk sei laut Volkswagen nicht allein von Döllner getroffen worden. Konzernchef Oliver Blume sei von Beginn an in alle Planungen eingebunden gewesen.
Audi steht wirtschaftlich unter Druck: Absätze und Erträge sind seit Jahren rückläufig, Stellen wurden bereits abgebaut. Anders als BMW und Mercedes verfügt Audi bislang über kein eigenes Werk in den USA und ist deshalb von US-Zöllen besonders betroffen.
IG Metall verlangt Zusagen für Neckarsulm
Die IG Metall fordert angesichts der US-Investition konkrete Perspektiven für das von der Schließung bedrohte Werk in Neckarsulm. Gewerkschaftschefin Christiane Benner kritisierte, in den USA würden Investitionen verkündet, während Beschäftigte in Deutschland um ihre Arbeitsplätze bangten.
Volkswagen hatte Anfang September einen Sparplan beschlossen, der Neckarsulm ein weiteres Jahr für ein tragfähiges Konzept zur Kostensenkung gibt. Andernfalls droht die Stilllegung; Wirtschaftsexperten rechnen in diesem Fall mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region.
Quartalszahlen folgen am Freitag
Wie sich die Entwicklung auf Gewinn und Umsatz auswirkt, will Audi am Freitag mitteilen. Im ersten Halbjahr erzielte der Teilkonzern, zu dem auch Bentley, Ducati und Maserati gehören, einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro.
In den USA sollen unter anderem große SUVs wie der auf den dortigen Markt zugeschnittene Q9 gebaut werden. Audi begründet die lokale Produktion damit, dass das US-Geschäft derzeit nicht profitabel sei und ein eigenes Werk strategische und wirtschaftliche Bedeutung habe.
Der Konflikt verbindet drei Ebenen: Audis strategische Suche nach einer stärkeren Präsenz auf dem US-Markt, die politische Wirkung eines gemeinsamen Auftritts mit Donald Trump und die Sorgen der Beschäftigten in Deutschland. Für Audi ist ein eigenes Werk in den USA wirtschaftlich relevant, weil der Hersteller dort bislang nicht lokal produziert und damit stärker von Zöllen, Wechselkursen und Importkosten betroffen ist.
Gleichzeitig fällt die Ankündigung in eine angespannte Phase für den Volkswagen-Konzern. Audi kämpft mit rückläufigen Absätzen und Erträgen, während in Neckarsulm ein Spar- und Zukunftskonzept über den Fortbestand des Standorts entscheiden soll. Die geplanten rund 4.500 Arbeitsplätze in Georgia stehen deshalb in der öffentlichen Wahrnehmung unmittelbar neben der Unsicherheit über Arbeitsplätze in Baden-Württemberg.
Politischer Auftritt verschärft den Konflikt
Der Streit entzündet sich nicht allein an der Investition, sondern an ihrer Präsentation bei einer Wahlkampfveranstaltung kurz vor den US-Zwischenwahlen. Damit gerät Audis unternehmerische Interessenabwägung in Konflikt mit internen Regeln zu öffentlich wirksamen Terminen vor Wahlen und mit dem Anspruch, parteipolitische Neutralität zu wahren.
Für die Beschäftigten dürfte nun entscheidend sein, ob Audi die internationale Expansion mit konkreten Zusagen für deutsche Standorte verbindet. Die Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit den Auftritt kritisch bewertet; die Debatte über Georgia wird daher vorerst auch eine Debatte über Verantwortung, Standortpolitik und die Verteilung künftiger Investitionen bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Audi-Chef Döllner verteidigt umstrittenen Auftritt mit Trump“ (26.10.2026)
Der Beitrag habe Döllners Begründung für den Auftritt und die Kritik innerhalb des VW-Konzerns dargestellt. Anders als die dpa-Meldung habe er zusätzlich die Vorwürfe aus dem Konzernbetriebsrat und die Debatte über mögliche Verstöße gegen interne Regeln thematisiert.
n-tv: „IG Metall fordert von Audi Perspektiven für Werk in Neckarsulm“ (27.10.2026)
Der Artikel habe den Schwerpunkt auf Christiane Benners Forderungen für Neckarsulm gelegt und die geplanten rund 4.500 Arbeitsplätze in Georgia den Risiken für den deutschen Standort gegenübergestellt. Einigkeit bestehe über den Zusammenhang zwischen dem US-Projekt und dem Druck auf Audi in Deutschland; offen bleibe, welche konkreten Zusagen der Vorstand für Neckarsulm machen werde.
Die Beiträge hätten den umstrittenen Auftritt und Döllners wirtschaftliche Begründung bestätigt, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Im Vordergrund stünden einmal die politische Wirkung und konzerninterne Kritik, einmal die Folgen für die Beschäftigten in Deutschland.
