Audi und Donald Trump, Werk in Georgia

Audi-Chef Döllner spaltet mit Trump-Auftritt die Deutschen

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine YouGov-Umfrage bewertet die Bühnenpräsenz des Audi-Chefs deutlich kritischer als positiv. Gleichzeitig wächst der Druck auf den Konzern, Investitionen in den USA mit Zusagen für deutsche Standorte zu verbinden.

Standorte und Konzernentscheidung

  • Audi-Chef Gernot Döllner verteidigte seinen Auftritt gemeinsam mit Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung.
  • Am 26. Oktober befragte YouGov 2.725 Erwachsene in Deutschland zu der umstrittenen Bühnenpräsenz.
  • Für Neckarsulm läuft nach dem VW-Sparplan eine einjährige Frist für ein tragfähiges Konzept zur Kostensenkung.
  • Audi-Chef Gernot Döllner steht für seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert Zusagen für Deutschland. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa
  • Donald Trump lud Döllner auf die Bühne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Audi-Chef Gernot Döllner steht für seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert Zusagen für Deutschland. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa Donald Trump lud Döllner auf die Bühne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm. - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Audi-Auftritt bei Trump spaltet die öffentliche Meinung

Die Menschen in Deutschland bewerten den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump mehrheitlich kritisch. Zugleich gibt es Verständnis für den Manager, unter anderem aus der bayerischen Politik, während die IG Metall Zusagen für das von der Schließung bedrohte Werk in Neckarsulm fordert.

In einer repräsentativen YouGov-Umfrage sagten 39 Prozent der Befragten, sie fänden Döllners Auftritt „überhaupt nicht angemessen“; weitere 18 Prozent bezeichneten ihn als „eher nicht angemessen“.

Deutliche Mehrheit kritisiert die Bühnenpräsenz

Nur 7 Prozent hielten den Auftritt „voll und ganz angemessen“, 11 Prozent bewerteten ihn als „eher angemessen“. 25 Prozent äußerten keine Meinung oder wollten sich nicht äußern. YouGov befragte am 26. Oktober 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren; die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Döllner war am Wochenende gemeinsam mit Trump auf einer Wahlkampfbühne aufgetreten und hatte dort den Bau eines eigenen Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Seitdem steht er von verschiedenen Seiten in der Kritik; auch Rücktrittsforderungen wurden laut.

Intranet-Debatte bei Volkswagen beendet

Audi hat interne Richtlinien, die Auftritte im Wahlkampf kurz vor Wahlen untersagen. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an. Die Debatte setzte sich auch innerhalb des Volkswagen-Konzerns fort.

Unter einem Beitrag im VW-Intranet kritisierten zahlreiche Beschäftigte den Audi-Chef. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass die Kommentarfunktion abgeschaltet und bereits veröffentlichte Kommentare entfernt worden seien; dem Vernehmen nach handelte es sich um mehr als 200 Beiträge.

Bayerischer Wirtschaftsminister unterstützt Döllner

Döllner verteidigte seinen Auftritt mit dem Hinweis, Audi sei im Rahmen der Gespräche zum Werk in Georgia gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten öffentlich vorzustellen. Eine solche Einladung abzulehnen, habe allein der Respekt vor dem Amt nicht erlaubt.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern unterstützte diese Argumentation. Döllner sei „nicht gut beraten“, eine Einladung zu einer Wahlkampfveranstaltung abzulehnen, wenn er dort auftreten solle, sagte Aiwanger.

US-Werk soll rund 4.500 Jobs schaffen

Die Entscheidung für das Werk sei kein Alleingang gewesen, erklärte die Konzernmutter Volkswagen. Konzernchef Oliver Blume sei von Beginn an in alle Planungen eingebunden gewesen. In dem Werk sollen rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen.

Audi steht zugleich wirtschaftlich unter Druck. Absätze und Erträge sind seit Jahren rückläufig, Stellen wurden bereits abgebaut, weiterer Jobabbau steht im Raum. Anders als BMW und Mercedes verfügt Audi über kein eigenes Werk in den USA und ist deshalb besonders von den Zöllen betroffen.

IG Metall verlangt Zusagen für Neckarsulm

Im dritten Quartal gingen die Audi-Absätze sowohl in China als auch in den USA zurück. Die Zahlen zu Gewinn und Umsatz will Audi am Freitag veröffentlichen. Im ersten Halbjahr erzielte der Teilkonzern, zu dem auch Bentley, Ducati und Lamborghini gehören, einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro.

Für das US-Geschäft begründet Audi das Werk mit der derzeit fehlenden Profitabilität in den Vereinigten Staaten und seiner strategischen und wirtschaftlichen Bedeutung. Dort sollen unter anderem SUVs wie der besonders große, auf den US-Markt zugeschnittene Q9 gebaut werden.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert derweil Zusagen für das Werk in Neckarsulm. Dort würden Investitionen in den USA verkündet, während Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangten, kritisierte sie. Sie kündigte an, massiv auf Perspektiven für die Standorte und besonders für Neckarsulm zu drängen.

Döllner bezeichnete die US-Pläne als Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit und nicht als Entscheidung gegen Deutschland. Nach einem Anfang September beschlossenen VW-Sparplan hat Neckarsulm ein weiteres Jahr Zeit, ein tragfähiges Konzept zur Kostensenkung vorzulegen. Andernfalls droht die Stilllegung; Wirtschaftsexperten rechnen in diesem Fall mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region.

Der Auftritt fällt in eine Phase, in der Audi seine Position auf dem US-Markt stärken und zugleich die Kosten im Konzern senken muss. Ein eigenes Werk in Georgia soll die Produktion näher an den amerikanischen Absatzmarkt bringen und die Abhängigkeit von Exporten verringern. Für den Hersteller ist das besonders relevant, weil Audi bislang kein eigenes US-Werk besitzt und damit stärker von Zöllen und internationalen Lieferketten betroffen ist.

Politisch und gesellschaftlich kollidieren dabei zwei Ebenen: Die Investition kann aus Unternehmenssicht strategisch sinnvoll sein, ihre öffentliche Verkündung bei einer Wahlkampfveranstaltung wird jedoch als Nähe zu einem politischen Lager wahrgenommen. Die YouGov-Zahlen zeigen, dass diese kommunikative Entscheidung in Deutschland deutlich kritischer bewertet wird als der Auftritt Zustimmung erhält.

Folgen für Neckarsulm

Für die Beschäftigten in Deutschland steht vor allem die Verbindung zwischen US-Investition und heimischen Standorten im Mittelpunkt. Besonders groß ist der Druck in Neckarsulm, wo ein tragfähiges Konzept zur Kostensenkung über die Zukunft des Werks entscheiden soll. Die IG Metall verlangt deshalb konkrete Perspektiven und Zusagen des Vorstands.

Die nächsten relevanten Punkte liegen damit auf zwei Ebenen: Audi muss die wirtschaftliche Tragfähigkeit des US-Projekts belegen und zugleich erklären, wie deutsche Standorte in die globale Strategie passen. Für die Region Heilbronn-Franken wäre eine Schließung von Neckarsulm wegen der erwarteten Folgen für Zulieferer und Beschäftigung weit über das Werk hinaus bedeutsam.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Audi-Chef bei Trumps Wahlkampfveranstaltung: Zweifel an US-Milliarden für neues Audi-Werk“ (29.10.2026)

Der Beitrag habe den Imageschaden nach Döllners Auftritt und Zweifel an der wirtschaftlichen Begründung der Investition in den Mittelpunkt gestellt. Damit bestätige er die öffentliche Kritik, setze den Schwerpunkt aber stärker auf die Finanzierung und Tragfähigkeit des Projekts.

tagesschau: „Baden-Württemberg: Nach Auftritt bei Trump-Wahlveranstaltung: Audi mit Imageschaden?“ (28.10.2026)

Der Bericht habe die Umfragewerte und die Reaktionen in Baden-Württemberg aufgegriffen. Im Unterschied zur taz liege der Schwerpunkt auf der regionalen Wahrnehmung und der Frage, welche Folgen der Auftritt für Audi und den Standort Neckarsulm haben könne.

Beide Beiträge hätten die Kritik am öffentlichen Auftritt herausgestellt. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während die taz die wirtschaftliche Seite des US-Projekts betone, rücke die tagesschau die regionale Wirkung und die Umfrage in den Vordergrund.

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