Audi, Gernot Döllner

Audi-Chef Döllner tritt mit Trump auf und erntet Kritik

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 10:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Audi-Chef verteidigt seinen gemeinsamen Auftritt mit Donald Trump als Beitrag zu den Unternehmensinteressen. Ein Governance-Experte hält die Präsentation im US-Wahlkampf dagegen für unangemessen und verweist auf die Verantwortung gegenüber mehreren Anspruchsgruppen.

Geplantes Audi-Werk in Georgia

  • Gernot Döllner trat am Wochenende gemeinsam mit Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung auf.
  • Audi kündigte dabei ein eigenes Werk im US-Bundesstaat Georgia an.
  • In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.
Döllner mit Trump - «weit mehr als eine Frage des schlechten Geschmacks». (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa

Experte kritisiert Audi-Chef nach Trump-Auftritt

Wirtschaftswissenschaftler Christian Strenger hält Unternehmenschefs wie Audi-CEO Gernot Döllner nicht nur den Aktionären und dem Gewinn verpflichtet. Der Corporate-Governance-Experte bezeichnete Döllners gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung als unangemessen.

Verantwortung gegenüber mehreren Gruppen

Nach Strengers Einschätzung müssen Vorstandschefs ein nachhaltig tragendes Verhältnis zu Aktionären, Mitarbeitern, der Umwelt und der Politik aufbauen. Eine ausschließliche Orientierung an den Aktionären lehnte er ab.

Der Experte verwies zudem auf Konzernregeln, die vor Wahlen politische Neutralität gebieten. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.

Auftritt im US-Wahlkampf

Döllner war am Wochenende zusammen mit Trump aufgetreten und hatte den Bau eines eigenen US-Werks im Bundesstaat Georgia angekündigt. Seitdem steht er heftig in der Kritik; sogar sein Rücktritt wurde gefordert.

Döllner selbst begründete den Auftritt mit den Interessen des Unternehmens. Strenger sagte, es gebe andere Möglichkeiten für eine angemessene politische Begleitung des Projekts. Dass Döllner sich dabei selbst gezeigt habe, sei mehr als eine Frage des schlechten Geschmacks.

Debatte über Unternehmensführung

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht damit neben der geplanten Investition auch der Umgang eines Konzernchefs mit politischen Akteuren. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen den öffentlichen Rahmen der Ankündigung während des US-Wahlkampfs.

Der Streit berührt eine grundlegende Frage der Unternehmensführung: Vorstandschefs müssen wirtschaftliche Ziele verfolgen, tragen aber zugleich Verantwortung gegenüber Beschäftigten, politischen Institutionen und der Öffentlichkeit. Gerade bei einem börsennahen Großkonzern kann ein öffentlicher Auftritt deshalb über die unmittelbare Investitionsentscheidung hinauswirken.

Im Fall Audi treffen mehrere Interessen aufeinander. Der geplante US-Standort soll die Präsenz des Herstellers auf dem amerikanischen Markt stärken und lokale Produktion ermöglichen. Zugleich fällt die Ankündigung in eine politisch aufgeladene Phase vor den US-Zwischenwahlen. Dadurch wird die Präsentation des Projekts nicht nur als Unternehmenskommunikation, sondern auch als sichtbare Unterstützung für einen Politiker wahrgenommen.

Unternehmensinteressen und politische Neutralität

Die Kritik konzentriert sich deshalb weniger auf die grundsätzliche Bedeutung des US-Geschäfts als auf den Ort und den Rahmen des Auftritts. Für Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter stellt sich die Frage, ob interne Regeln zur politischen Neutralität konsequent angewendet wurden. Für Investoren geht es zugleich um die Abwägung zwischen Marktchancen, Reputationsrisiken und der langfristigen Akzeptanz unternehmerischer Entscheidungen.

Die Debatte kann damit Folgen für die weitere Kommunikation des Projekts haben. Audi und der Volkswagen-Konzern müssen voraussichtlich stärker erklären, wie die Investition in Georgia, die Interessen der deutschen Standorte und die konzerninternen Verhaltensregeln zusammenpassen. Für die Öffentlichkeit bleibt entscheidend, ob aus der politischen Kontroverse konkrete Konsequenzen für Döllner oder die Unternehmensstrategie entstehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Kritik an Audi-Chef Döllner reißt nach Auftritt mit Trump nicht ab“ (26.10.2026)

Der Beitrag stellt die Rücktrittsforderungen und die Kritik aus Politik und Gewerkschaften heraus. Anders als die dpa-Meldung fokussiert er zusätzlich auf den möglichen Verstoß gegen interne Neutralitätsregeln sowie auf die Sorgen um den Standort Neckarsulm.

Frankfurter Rundschau: „Audi „wettet auf ein totes Pferd“: Heftige Kritik nach Döllner-Auftritt bei Trump reißt nicht ab“ (28.10.2026)

Der Artikel hebt neben dem Auftritt die geplante Investition und die vorgesehenen Arbeitsplätze in Georgia hervor. Er erweitert die Kritik um Aussagen aus Politik und Arbeitnehmervertretung und stellt der Unternehmensbegründung den Vorwurf eines Regelverstoßes gegenüber.

Beide Beiträge ordnen den Auftritt als politisch problematisch ein und berichten über die Verteidigung durch Audi. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Während der eine Beitrag die Governance- und Standortdebatte betont, rückt der andere die energie- und industriepolitische Kritik in den Vordergrund.

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