Audi erzielt im dritten Quartal nur 95 Millionen Euro Gewinn
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 09:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAudis PlĂ€ne fĂŒr Georgia und Neckarsulm
- Audi erzielte im dritten Quartal 95 Millionen Euro Gewinn nach Steuern.
- Der Teilkonzern rechnet nach neun Monaten mit 1,22 Milliarden Euro Gewinn und 42 Milliarden Euro Umsatz.
- Am Freitag soll der Aufsichtsrat in einer auĂerplanmĂ€Ăigen Sitzung ĂŒber Döllners Auftritt und die US-PlĂ€ne beraten.
Audi meldet Gewinneinbruch im dritten Quartal
Der Autobauer Audi hat im dritten Quartal nur knapp die roten Zahlen vermieden. Nach Steuern verdiente die VW-Tochter 95 Millionen Euro und damit 87 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
China und Kosten belasten das GeschÀft
Nach neun Monaten stehen 1,22 Milliarden Euro Gewinn und 42 Milliarden Euro Umsatz zu Buche. Beide Werte liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau; wegen des schwachen dritten Quartals senkte Audi zudem seine Prognose fĂŒr das Gesamtjahr.
Finanzchef JĂŒrgen Rittersberger erwartet fĂŒr das vierte Quartal wieder bessere Zahlen. Audi begrĂŒndet die Belastungen vor allem mit dem Markteinbruch in China, der wachsenden Konkurrenz und dem zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europĂ€ischen Markt.
SparplÀne treffen deutsche Standorte
ZusĂ€tzlichen Druck erzeugen die Unsicherheiten im Nahen Osten, höhere Energiekosten und US-Zölle. Audi besitzt kein eigenes Werk in den USA und befindet sich bei wichtigen Modellen in einer Ăbergangsphase.
Die Zukunftsvereinbarung aus dem vergangenen Jahr sieht bereits den Abbau Tausender ArbeitsplĂ€tze in Deutschland vor. Ăber weitere Einsparungen wird verhandelt; dabei steht auch die Zukunft des Werks in Neckarsulm im Raum.
Aufsichtsrat befasst sich mit Döllner
Anfang Oktober zog Audi die sogenannte Schlechtwetterklausel aus einer Vereinbarung von 2019. Sie verpflichtet GeschĂ€ftsfĂŒhrung und Betriebsrat zu Verhandlungen, wenn sich wichtige wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.
Unternehmenschef Gernot Döllner steht auĂerdem wegen eines Auftritts mit US-PrĂ€sident Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia in der Kritik. Dort war der geplante Bau eines Audi-Werks im US-Bundesstaat öffentlich vorgestellt worden.
US-Werk soll Audi strategisch stÀrken
Döllner verteidigte den Auftritt als Beitrag im Interesse des Unternehmens. Er erklÀrte, Audi sei gebeten worden, die PlÀne gemeinsam mit dem PrÀsidenten öffentlich vorzustellen, und habe eine solche Einladung aus Respekt vor dem Amt nicht abgelehnt.
Zu den genauen Bedingungen des geplanten Werks Ă€uĂerte sich Rittersberger nicht. Die Entscheidung fĂŒr Georgia begrĂŒndete er mit Infrastruktur, verfĂŒgbaren ArbeitskrĂ€ften und der Förderkulisse.
Der Aufsichtsrat kommt am Freitag zu einer auĂerplanmĂ€Ăigen Sitzung zusammen. Dabei dĂŒrften sowohl die Investitionsbedingungen fĂŒr Georgia als auch die Kritik am Auftritt des Konzernchefs eine Rolle spielen.
Audis Quartalszahlen zeigen die Zuspitzung einer strukturellen Krise im deutschen Automobilbau. Der RĂŒckgang in China trifft die Marke besonders stark, weil dort Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor unter Druck stehen und chinesische Hersteller zugleich bei Elektroautos und im Preiswettbewerb an Boden gewonnen haben.
ZusÀtzliche Belastungen entstehen durch US-Zölle, höhere Energiekosten und den fehlenden eigenen Produktionsstandort in den Vereinigten Staaten. Ein Werk in Georgia könnte langfristig die lokale Fertigung stÀrken und Zolldruck mindern. Kurzfristig erhöht die geplante Investition jedoch den Finanzierungs- und Entscheidungsdruck, wÀhrend Audi parallel Kosten senken und die Modellpalette erneuern muss.
Standorte und BeschÀftigung
FĂŒr BeschĂ€ftigte in Deutschland ist die Entwicklung besonders relevant. Die bereits vereinbarte Reduzierung von ArbeitsplĂ€tzen und die Verhandlungen ĂŒber weitere Einsparungen treffen auf die Debatte ĂŒber die Zukunft des Werks Neckarsulm. Die sogenannte Schlechtwetterklausel verpflichtet Audi und Betriebsrat zu GesprĂ€chen, wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.
Der Auftritt von Gernot Döllner mit Donald Trump verbindet die wirtschaftliche Standortfrage mit einer politischen Kontroverse. Das geplante US-Werk kann strategisch begrĂŒndet werden, doch die öffentliche PrĂ€sentation vor den Zwischenwahlen belastet die interne und externe Kommunikation. Die auĂerplanmĂ€Ăige Aufsichtsratssitzung dĂŒrfte deshalb sowohl die Investitionsbedingungen als auch Döllners Vorgehen behandeln.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: âDöllner bei Trump: Sondersitzung des Audi-Aufsichtsratesâ (29.10.2026)
Der Beitrag berichtet ĂŒber die geplante Sondersitzung des Audi-Aufsichtsrats und nennt die angekĂŒndigte Investition von 4,2 Milliarden Dollar sowie 4500 mögliche ArbeitsplĂ€tze in Georgia. Der Schwerpunkt liegt auf dem politischen Streit um Döllners Auftritt, wĂ€hrend die Quartalszahlen nicht im Mittelpunkt stehen.
SWR Aktuell: âNach Auftritt bei Trump-Wahlveranstaltung: Audi mit Imageschaden?â (28.10.2026)
Der SWR-Beitrag ordnet die Reaktionen auf Döllners Auftritt ein und beschreibt Kritik aus Belegschaft, Handel und Bevölkerung. Anders als die dpa-Meldung setzt er den Schwerpunkt auf den möglichen Imageschaden und die Bedeutung des geplanten US-Werks fĂŒr deutsche Standorte.
Beide BeitrĂ€ge stellen die Aufsichtsratssitzung und die Kritik am Trump-Auftritt heraus. Offen bleiben insbesondere die endgĂŒltigen Bedingungen der US-Investition und ihre Folgen fĂŒr die deutschen Werke.
