Audi, Neckarsulm

Audi Neckarsulm: 6.000 protestieren gegen drohende Werksschließung

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tausende Audi-Beschäftigte demonstrieren in Neckarsulm gegen die drohende Schließung des Standorts nach 2030. Der VW-Konzern plant umfassende Sparmaßnahmen.

Audi Neckarsulm: 6.000 Mitarbeiter protestieren gegen Werksschließung
Industrielle Fabrikfassade eines Automobilwerks bei Dämmerung mit angedeuteten Arbeitern im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Am 29. Juli versammelten sich rund 6.000 Beschäftigte des Audi-Werks in Neckarsulm, um gegen eine mögliche Schließung des Standorts zu demonstrieren. Die Kundgebung stellt die zweite große Protestaktion innerhalb kurzer Zeit dar und reagiert auf jüngste Warnungen aus der Konzernspitze von Volkswagen. VW-CEO Oliver Blume hatte zuvor signalisiert, dass das Traditionsunternehmen Neckarsulm nach dem Jahr 2030 schließen könnte, sofern keine wirtschaftliche Stabilisierung eintritt.

Politischer Rückhalt und wachsende Sorgen der Belegschaft

An der Demonstration nahmen prominente Vertreter aus Politik und Gewerkschaft teil. Barbara Resch von der IG Metall sowie der baden-württembergische Landtagspräsident Thomas Strobl zeigten sich solidarisch mit den Mitarbeitern. Der Oberbürgermeister von Neckarsulm, Steffen Hertwig, bezeichnete eine potenzielle Werksschließung als ein Desaster für das gesamte Bundesland Baden-Württemberg. Derzeit sind an diesem Standort etwa 15.000 Menschen beschäftigt, deren berufliche Zukunft zunehmend ungewiss erscheint.

Unter den Mitarbeitern herrscht eine angespannte Stimmung. Der Audi-Beschäftigte Melih Cevlik verdeutlichte die Situation der Belegschaft und wies auf die wachsende Angst vor dem Verlust der Arbeitsplätze hin. Trotz einer bestehenden Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2034 wird die wirtschaftliche Basis des Werks durch auslaufende Modellreihen geschwächt. Die Produktion der Modelle A5 und A6 läuft demnächst aus, während für das Oberklassenmodell A8 bislang kein direkter Nachfolger vorgesehen ist. Als erste Konsequenz der mangelnden Auslastung wurde angekündigt, dass bereits ab November keine Nachtschichten mehr in Neckarsulm gefahren werden.

Forderungen nach neuen Produktionskapazitäten

Um den Standort langfristig abzusichern, fordern sowohl der Betriebsrat als auch der Werksleiter Alexander Reinhart die Zuweisung eines neuen Elektrofahrzeugs. Entscheidend sei dabei die Allokation eines Modells mit hohen Stückzahlen, um die Kapazitäten des Werks wieder voll auszuschöpfen. Reinhart betonte, dass eine solche Entscheidung die Zukunft des Standorts sichern könne.

Parallel zu den Forderungen nach neuen Fahrzeugmodellen werden im Konzern verschiedene Alternativen geprüft, um die Auslastung der deutschen Standorte zu erhöhen. Dazu gehören mögliche Partnerschaften im Bereich der Verteidigungsindustrie sowie die Erwägung, Modelle chinesischer Partner direkt in Deutschland zu fertigen. Ziel dieser Überlegungen ist es, den industriellen Kern zu erhalten und den massiven Stellenabbau abzuwenden.

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Konzernweite Sparmaßnahmen und Verhandlungen im Aufsichtsrat

Die Situation in Neckarsulm ist eingebettet in eine weitreichende Umstrukturierung des gesamten Volkswagen-Konzerns. Am 30. Juli beriet der VW-Aufsichtsrat über umfassende Sparmaßnahmen und die Zukunft einzelner Standorte. Berichten zufolge wird derzeit über eine Verdopplung der ursprünglich geplanten Stellenstreichungen verhandelt. Konzernweit könnten davon bis zu 100.000 Arbeitsplätze betroffen sein.

Für die Marke Audi in Deutschland steht bereits ein Abbau von bis zu 7.500 Stellen bis zum Jahr 2029 im Raum. Die Verhandlungen zwischen der Unternehmensführung und den Arbeitnehmervertretern gestalten sich schwierig. Während der Betriebsrat auf den Erhalt der Produktionsstätten pocht, verweist das Management auf die Notwendigkeit von Kostensenkungen. Die nächste formelle Aufsichtsratssitzung, in der weitere Details zum Sparkurs festgelegt werden könnten, ist für den 4. September angesetzt.

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Trotz der massiven Proteste bleibt die rechtliche Lage vorerst stabil. Es gilt weiterhin die Friedenspflicht, weshalb offizielle Streiks derzeit nicht durchgeführt werden dürfen. Die Belegschaft in Neckarsulm setzt daher vorerst auf den öffentlichen und politischen Druck, um die Konzernleitung zu einer Kurskorrektur zu bewegen.

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