COP28ROUNDUP, Israel

COP28/ ROUNDUP 3/ Klima-Organisationen: Israel will PalÀstinenser «eliminieren»

11.12.2023 - 15:22:31 | dpa.de

Auf der UN-Klimakonferenz in Dubai hat ein Netzwerk von Umweltorganisationen den Negativpreis "Fossil des Tages" an Israel vergeben - mit drastischen Formulierungen zum laufenden MilitÀreinsatz im Gaza-Krieg.

"Das Handeln Israels zielt darauf ab, das palÀstinensische Volk durch den sich entfaltenden Völkermord und ethnische SÀuberung zu eliminieren", erklÀrte das Climate Action Network (CAN). Ihm gehören nach eigenen Angaben mehr als 1900 zivilgesellschaftliche Organisationen in mehr als 130 Staaten und auf internationaler Ebene an - darunter Greenpeace, Oxfam, WWF und Germanwatch. Die deutschen Organisationen gingen teils auf Distanz.

In einer Pressemitteilung vom Sonntagabend heißt es, der "Konflikt" habe bereits das Leben von 7000 palĂ€stinensischen Kindern gekostet. Israel habe in den vergangenen zwei Tagen Kliniken bombardiert und dabei umliegende Zelte von FlĂŒchtlingen verbrannt, inklusive deren Bewohnern. Die islamistische Hamas, die den Krieg mit einem Überfall auf Israel am 7. Oktober ausgelöst hatte, wird nicht erwĂ€hnt.

Die in Bonn ansĂ€ssige Organisation Germanwatch distanzierte sich. "Die BegrĂŒndung fĂŒr das Fossil of the day an Israel am 10.12.23 machen wir uns trotz des sehr problematischen Vorgehens Israels im Gazastreifen weder zu eigen, noch tragen wir sie mit", erklĂ€rte der Politische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Christoph Bals auf dpa-Anfrage. Germanwatch habe sich in den Auswahlprozess nur indirekt ĂŒber CAN Europe einbringen können. "Wir haben gegen die Auswahl Israels gestimmt und - als diese dann doch vollzogen wurde - unsere roten Linien fĂŒr die BegrĂŒndung mitgeteilt. Diese Eingabe wurde dieses Mal leider nicht berĂŒcksichtigt."

Als Konsequenz habe man am Montagmorgen die Mitarbeit in der Politischen Koordinierungsgruppe von CAN International ausgesetzt. Das Gremium aus rund 50 Personen hatte sich laut Bals wÀhrend der COP28 tÀglich getroffen, um strategische Absprachen zu treffen. In den Arbeitsgruppen zu den wichtigen Klimathemen arbeite man aber weiter mit.

Auch Oxfam Deutschland nahm Abstand. "Wir machen uns diese Aussage nicht zu eigen und unterstĂŒtzen sie in keiner Form", teilte die Organisation auf Anfrage mit. Man sei bestĂŒrzt ĂŒber die "skrupellose Gewalt der Hamas" und verurteile diese aufs SchĂ€rfste. Gleichzeitig sei man auch besorgt "ĂŒber die eskalierende militĂ€rische Gewalt und humanitĂ€re Lage im Gazastreifen". An der Auswahl und BegrĂŒndung sei die Organisation nicht beteiligt gewesen.

WWF Deutschland gab an, ebenfalls nicht an der Auswahl oder der BegrĂŒndung beteiligt gewesen zu sein. Allerdings distanzierte sich die Organisation nicht von weiterer Zusammenarbeit mit dem Netzwerk. Die vielen zivilen Opfer des Krieges bewegten viele in der Klimabewegung, hieß es. "Dabei entscheiden sich unterschiedliche Akteure fĂŒr unterschiedliche Strategien." Man verurteile Verletzungen des Völkerrechts. "Wir sind solidarisch mit den Opfern des Terrors und den zivilen Opfern des Konflikts auf beiden Seiten und stehen an der Seite der Israelis und PalĂ€stinenser, die sich nach einem echten und dauerhaften Frieden sehnen."

Der Gaza-Krieg spielt auch auf der UN-Klimakonferenz mit ihren 97 000 Teilnehmern aus aller Welt eine Rolle. Bei Protesten auf dem GelÀnde wird der Konflikt immer wieder thematisiert.

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