Auftragseingang April: Industrie fĂ€llt um 3,8 Prozent ĂŒberraschend stark
08.06.2026 - 16:21:01 | boerse-global.de
Das Statistische Bundesamt meldet einen preis-, saison- und kalenderbereinigten RĂŒckgang von 3,8 Prozent zum Vormonat. Analysten hatten nur mit einem Minus von 2,0 Prozent gerechnet. Der Einbruch folgt auf einen revidierten Zuwachs von 4,5 Prozent im MĂ€rz â damals hatten Vorzieheffekte die Zahlen verzerrt.
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Elektroindustrie und Maschinenbau besonders betroffen
Die Auftragsflaute erfasst fast alle SchlĂŒsselbranchen. Die Elektroindustrie verzeichnet mit minus 16,3 Prozent den stĂ€rksten Einbruch. Der Maschinenbau bĂŒĂte 7,4 Prozent ein, die Automobilindustrie 5,3 Prozent. Im Dreimonatsvergleich Februar bis April ergibt sich fĂŒr die Gesamtindustrie ein Minus von 3,1 Prozent.
Das AuslandsgeschĂ€ft fĂ€llt mit minus 4,2 Prozent besonders schwach aus. Innerhalb der Eurozone brechen die AuftrĂ€ge sogar um 11,1 Prozent ein. AuĂerhalb der Eurozone gibt es ein minimales Plus von 0,8 Prozent. Die Inlandsnachfrage sank um 2,9 Prozent.
Iran-Krieg belastet Lieferketten
Ăkonomen sehen die Hauptursache im Nahost-Konflikt. Der Ende Februar begonnene Iran-Krieg habe die Energiepreise massiv steigen lassen. Die Sperrung der StraĂe von Hormus sorgt zudem fĂŒr Unsicherheit in den globalen Handelswegen. Die MĂ€rz-ZuwĂ€chse werten Experten rĂŒckblickend als Krisenreaktion: Unternehmen zogen Bestellungen vor, um LieferengpĂ€sse zu vermeiden.
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Das Ifo-Institut meldet eine VerschĂ€rfung der MaterialengpĂ€sse. Im Mai berichteten 15,9 Prozent der Industriebetriebe von Problemen â im April waren es noch 13,8 Prozent. Commerzbank-Chefvolkswirt KrĂ€mer warnt: âDer Krieg im Nahen Osten fordert einen hohen Tribut. Die deutsche Wirtschaft wird im zweiten Quartal voraussichtlich schrumpfen."
DĂŒstere Aussichten fĂŒr 2026
Die Stimmung bleibt angespannt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berichtet, dass rund ein Drittel der Industriebetriebe mit einer weiteren Verschlechterung rechnet. Neben den Energiepreisen dĂ€mpfen strukturelle Probleme die Konjunktur. Auch das Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnt vor negativen Effekten auf Inflation und Wirtschaftswachstum.
Analysten von Deutsche Bank Research halten eine technische Rezession fĂŒr möglich. Sie prognostizieren fĂŒr 2026 ein BIP-Wachstum von nur 0,5 Prozent. Das Ifo-GeschĂ€ftsklima lasse keine baldige Erholung erkennen.
Stahlkrise spitzt sich zu
Die deutsche Stahlindustrie steckt zusĂ€tzlich in einer eigenen Krise. 2025 lag die Produktion bei nur 34,1 Millionen Tonnen â der niedrigste Wert seit der Finanzkrise 2009. Die IG Metall hat fĂŒr den 12. Juni zu einer GroĂdemonstration in Berlin aufgerufen.
Besonders Thyssenkrupp Steel Europe steht unter Druck: Dort sind 11.000 Stellenstreichungen geplant. Die saarlĂ€ndische MinisterprĂ€sidentin Rehlinger warnt, dass der Umbau zu klimaneutraler Produktion durch Ănderungen im EU-Emissionshandel gefĂ€hrdet sei. Die EU reagierte bereits auf den Wettbewerbsdruck: Sie halbierte die zollfreien Importmengen und fĂŒhrte Strafzölle von 50 Prozent ein.
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