Ausbildung, Auszubildende

Ausbildung 2026: 90% Auszubildende zufrieden trotz Platzrückgang

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen hohe Zufriedenheit in der Ausbildung, zugleich erschweren weniger Plätze, psychische Belastungen und finanzielle Sorgen den Einstieg.

Ausbildungsplatz wählen: Diese Faktoren entscheiden über Zufriedenheit
Helle, modern gestaltete Lernumgebung mit klaren Linien, natürlichem Lichteinfall und minimalistischer Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die Wahl des richtigen Ausbildungsbetriebs entscheidet maßgeblich über den Erfolg und die Zufriedenheit im Berufsleben. Aktuelle Medienberichte und Studien wie die Bertelsmann-Untersuchung „Ausbildungsperspektiven 2026“ sowie der DGB-Ausbildungsreport 2026 verdeutlichen, welche Kriterien für eine hochwertige Ausbildung entscheidend sind. Neben einer respektvollen Atmosphäre und klaren Strukturen rücken zunehmend die psychische Gesundheit und die finanzielle Absicherung in den Fokus.

Kriterien für die Auswahl eines Ausbildungsplatzes

Um die Qualität eines Betriebs vorab einzuschätzen, empfehlen Experten verschiedene Ansätze. Ein wesentliches Merkmal für gute Ausbildungsbetriebe ist, dass die Auszubildenden ernst genommen werden und ein respektvoller Umgang herrscht. Transparenz spielt ebenfalls eine Rolle: Klare Ausbildungspläne geben Orientierung über den Verlauf der Lehre.

Interessenten wird geraten, bereits im Vorstellungsgespräch gezielte Fragen zu stellen und, wenn möglich, Gespräche mit aktuellen Auszubildenden des Unternehmens zu führen. Oft gebe das eigene Bauchgefühl einen wichtigen Hinweis darauf, ob die Unternehmenskultur zum Bewerber passt.

Hohe Zufriedenheit trifft auf schwierige Marktbedingungen

Die Bertelsmann-Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“, für die 1.763 junge Menschen und 1.325 Auszubildende befragt wurden, zeichnet ein überwiegend positives Bild der aktuellen Situation. Demnach äußerten sich 90 % der Auszubildenden zufrieden mit ihrer Situation. 87 % der Befragten gaben an, dass sie ihren gewählten Beruf erneut wählen würden.

Als positive Faktoren wurden eine gute Teamatmosphäre (86 %), das regelmäßige Erlernen von Neuem (85 %) sowie als sinnvoll empfundene Aufgaben (83 %) genannt. Bei 79 % der Teilnehmenden stehe der Spaß an der Arbeit im Vordergrund.

Trotz dieser individuellen Zufriedenheit zeigen die Marktdaten der Studie Herausforderungen auf: Die Anzahl der Ausbildungsplätze sank um 5 %, während die Zahl der Neuabschlüsse um 2 % auf 476.000 zurückging. Gleichzeitig stieg die Zahl der erfolglosen Bewerber um 19 % auf 84.000 Personen an.

Auf der anderen Seite blieben 54.400 Stellen unbesetzt, was einem Rückgang von -22 % entspricht. Die Bedeutung eines Abschlusses bleibt hoch: Die Arbeitslosenquote bei Personen ohne Abschluss liegt laut der Studie bei 21 %, während sie mit einer abgeschlossenen Ausbildung lediglich 4 % beträgt.

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Psychische Belastung und Betreuungsqualität

Der DGB-Ausbildungsreport 2026 hebt den Zusammenhang zwischen der Betreuung und der psychischen Gesundheit hervor. Wenn Ausbilder immer erreichbar sind, fühlen sich nur 8,5 % der Auszubildenden stark psychisch belastet. Bei selten erreichbaren Ansprechpartnern steigt dieser Wert auf 36 % an.

Eine gemeinsame Studie von Bertelsmann und dem IW ergänzt, dass 20 % der Auszubildenden emotional belastet sind und 15 % ein schlechtes Wohlbefinden aufweisen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Abbruchquote: Während bei stabilen Teilnehmenden nur 12 % an einen Abbruch denken, sind es bei stark eingeschränkten Auszubildenden 74 %. Als Gründe für einen Abbruch nannten 17 % der Befragten Diskriminierung oder Mobbing.

Finanzielle Situation und Vergütungsstrukturen

Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist die finanzielle Lage. Laut dem DGB-Ausbildungsreport fühlen sich 49,9 % der Auszubildenden finanziell belastet, und 65,3 % gaben an, von ihrer Vergütung nicht leben zu können. Im Bereich des DGB Rheinland-Pfalz und Saarland müssen Auszubildende durchschnittlich 41 % ihres Einkommens für die Miete aufwenden.

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Die WSI-Studie liefert konkrete Zahlen zur Vergütung: Die tarifliche Ausbildungsvergütung liegt im ersten Jahr im Durchschnitt bei 1.165 Euro, während die gesetzliche Mindestvergütung 724 Euro beträgt. In den Folgejahren steigt der tarifliche Durchschnitt auf 1.255 Euro (2. Jahr), 1.353 Euro (3. Jahr) und 1.454 Euro (4. Jahr).

Die gesetzliche Mindestvergütung liegt in diesen Stufen bei 854 Euro, 977 Euro und 1.014 Euro. Spitzenreiter bei der Bezahlung sind Pflegeberufe im öffentlichen Dienst mit bis zu 1.491 Euro beim Bund und in den Gemeinden sowie 1.441 Euro bei den Ländern.

Zusätzlich zur Grundvergütung bieten fast alle Branchen Sonderzahlungen an. Lernmittelzuschüsse finden sich in zehn Branchen, Mobilitätshilfen in fünf. Die Übernahme nach der Ausbildung ist in zwölf untersuchten Branchen fest geregelt. Angesichts der finanziellen Herausforderungen fordert der DGB unter anderem eine höhere Mindestvergütung, ein Azubi-Ticket sowie eine Bauoffensive für geförderten Wohnraum.

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