Ausbildung: Jeder zweite Azubi psychisch belastet – DGB-Report
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Situation für Auszubildende in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am 20. August 2026 in seinem neuen Ausbildungsreport bekannt gab, fühlt sich mittlerweile jeder zweite Auszubildende psychisch belastet.
Die Studie, für die 13.227 Teilnehmer aus 25 verschiedenen Berufen befragt wurden, zeichnet ein kritisches Bild der aktuellen Ausbildungsqualität und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Nachwuchskräfte.
Demnach ist die allgemeine Zufriedenheit der Auszubildenden auf 65,7 Prozent gesunken. Dies entspricht einem Rückgang um 5,9 Prozentpunkte im Vergleich zu früheren Erhebungen und markiert den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2006. Die Ursachen für diese Entwicklung sind laut den Erhebungsergebnissen vielfältig und liegen sowohl in der betrieblichen Organisation als auch in der privaten Lebenssituation der Befragten begründet.
Leistungsdruck und Personalmangel belasten den Nachwuchs
Ein zentraler Faktor für die psychische Belastung ist der steigende Druck am Arbeitsplatz. Die Befragten gaben an, insbesondere unter Leistungs-, Zeit- und Verantwortungsdruck zu leiden.
Verschärft wird diese Situation durch einen spürbaren Personalmangel in vielen Ausbildungsbetrieben. Dies führt dazu, dass Auszubildende häufig Aufgaben übernehmen müssen, die über ihren eigentlichen Ausbildungsstand hinausgehen oder nicht dem Ausbildungszweck dienen.
Der Report belegt strukturelle Defizite in der Betreuung: Rund 8,9 Prozent der Auszubildenden gaben an, faktisch keinen Ausbilder im Betrieb zu haben. Zudem leisten 35,4 Prozent der Befragten regelmäßig Überstunden. Ein neuer Höchststand wurde bei den ausbildungsfremden Tätigkeiten verzeichnet: 16,3 Prozent der Azubis müssen Aufgaben erledigen, die keinen Bezug zu ihrem gewählten Beruf haben.
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Finanzielle Sorgen und schwierige Wohnsituation
Neben den Arbeitsbedingungen im Betrieb tragen erhebliche finanzielle Sorgen zur Belastung bei. Fast die Hälfte der Befragten (49,9 Prozent) gab an, unter finanzieller Belastung zu leiden. Die Vergütungen reichen in vielen Fällen nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten: 65,3 Prozent der Auszubildenden erklärten, dass sie von ihrer Ausbildungsvergütung nicht selbstständig leben können.
Besonders drastisch zeigt sich dies am Wohnungsmarkt. Für 35 Prozent der Auszubildenden stellt die aktuelle Wohnsituation eine erhebliche Belastung dar. Die Kombination aus steigenden Lebenshaltungskosten und stagnierenden oder nur langsam steigenden Vergütungen führt dazu, dass viele Nachwuchskräfte bereits während ihrer ersten Berufsjahre unter hohem wirtschaftlichem Stress stehen.
Sinkende Vertragszahlen und fehlende Motivation
Die mangelnde Attraktivität der Rahmenbedingungen spiegelt sich auch in der Motivation der jungen Erwachsenen wider. Etwa 8,4 Prozent der Befragten bezeichneten ihre aktuelle Ausbildung als bloße Notlösung. Dies korreliert mit den allgemeinen Marktdaten für den Ausbildungssektor: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dies entspricht einem Rückgang um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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Experten sehen in den Ergebnissen des Berichts ein deutliches Warnsignal für den Wirtschaftsstandort. Wenn die Qualität der Ausbildung sinkt und gleichzeitig die psychische sowie finanzielle Belastung steigt, wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, qualifizierte Nachwuchskräfte zu binden und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Der DGB-Ausbildungsreport 2026 verdeutlicht, dass strukturelle Verbesserungen bei der Betreuung und eine Anpassung der Vergütungsmodelle notwendig sind, um die duale Ausbildung wieder zu stabilisieren.
