Ausbildungsmarkt, Bundesagentur für Arbeit

Ausbildung: Nur 40 Prozent der Bewerber starten eine Lehre

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 13:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesagentur für Arbeit registriert eine historische Lücke beim Übergang junger Menschen in die Berufsausbildung. Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt trotz eines Rückgangs der Arbeitslosigkeit im Oktober schwach.

Arbeitsmarkt zeigt regionale Unterschiede

  • Die Bundesagentur registrierte im Oktober 2,955 Millionen Arbeitslose und eine Quote von 6,3 Prozent.
  • In Berlin kamen 179 Bewerber auf 100 Ausbildungsstellen.
  • Bremen hatte mit 11,0 Prozent die höchste Arbeitslosenquote der Länder.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober um 40.000 gesunken. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa

Weniger Jugendliche starten in Ausbildung

Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, doch der Aufschwung erreicht den Ausbildungsmarkt kaum: Von Oktober 2025 bis Ende September 2026 vermittelte die Bundesagentur für Arbeit 179.000 von 447.000 bekannten Bewerbern in ein Ausbildungsverhältnis. Die Quote von 40 Prozent ist nach Angaben der BA-Vorstandsvorsitzenden Andrea Nahles die niedrigste seit der Wiedervereinigung.

Höheres Arbeitslosigkeitsrisiko ohne Abschluss

Die tatsächliche Zahl der Ausbildungsanfänger dürfte höher liegen, weil sich viele Jugendliche selbstständig einen Platz suchen. Dennoch bleibt der Trend problematisch: Wer keine Berufsausbildung hat, trägt ein sechsfach höheres Risiko, arbeitslos zu werden.

DGB warnt vor Einschnitten

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel warnte die Bundesregierung vor Kürzungen bei der Arbeitslosenversicherung und bei der Bundesagentur. Es wäre „völlig irre“, jetzt Personal in den Arbeitsagenturen abzubauen, sagte Piel.

Beratung erreicht viele Jugendliche

Bundesweit sind 4.700 Berufsberater im Einsatz. Die Förderung reicht bis zur assistierten Ausbildung für Jugendliche ohne Schulabschluss; den Mobilitätszuschuss für längere Wege nutzten jedoch nur rund 200 Personen.

Wirtschaft schwächt Ausbildungsangebot

„Die wirtschaftliche Schwäche hat das Ausbildungsangebot deutlich verringert“, sagte Nahles. In Berlin kommen derzeit auf 100 Ausbildungsstellen 179 junge Menschen, die einen Platz suchen.

Minister verspricht Unterstützung

Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer betonte, junge Menschen müssten gerade in dieser Phase mit aller Kraft eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt erhalten.

Qualifikation und Stellen passen oft nicht

Bundesweit ist das Verhältnis von Bewerbern und Stellen ungefähr ausgeglichen. Häufig passen jedoch die Qualifikationen der Jugendlichen und die Anforderungen der Betriebe nicht zusammen.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger forderte, junge Menschen und Betriebe besser zusammenzubringen. Jeder zweite Betrieb sehe bei Bewerbern gravierende Lücken bei grundlegenden Kompetenzen wie Rechnen, Schreiben und Lesen.

Arbeitslosigkeit sinkt nur leicht

Im Oktober sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber September um 40.000 auf 2,955 Millionen. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zurück, lag aber 44.000 über dem Wert des Vorjahres.

Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt schwach

Bei den Arbeitsagenturen waren im Oktober 654.000 offene Stellen gemeldet, 31.000 mehr als ein Jahr zuvor. Zugleich bezogen 1,065 Millionen Menschen Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung.

Die Zahl der erwerbsfähigen Menschen in der Grundsicherung sank um 172.000 auf 3,559 Millionen. In Bremen war die Arbeitslosenquote mit 11,0 Prozent am höchsten, in Bayern mit 4,0 Prozent am niedrigsten.

Der Ausbildungsmarkt steht vor einem doppelten Problem: Die schwache Konjunktur drückt das Angebot der Betriebe, zugleich passen freie Stellen und die Profile der Bewerber häufig nicht zusammen. Die Bundesagentur für Arbeit meldete für den Zeitraum von Oktober 2025 bis September 2026 insgesamt 469.000 Ausbildungsstellen, darunter 453.000 betriebliche Angebote. Die Zahl der betrieblichen Stellen lag damit unter dem Vorjahreswert.

Besonders deutlich wird die Spannung daran, dass trotz unbesetzter Ausbildungsplätze viele Jugendliche keinen Einstieg finden. Ende September waren bundesweit 48.000 Stellen unbesetzt, während 46.000 Bewerberinnen und Bewerber keinen Platz gefunden hatten. Betroffen sind unter anderem Lebensmittel-, Bau-, Gastronomie-, Metall- und Verkehrsberufe.

Folgen für Arbeitsmarkt und Betriebe

Für Jugendliche erhöht ein verpasster Ausbildungsstart das Risiko eines schwierigen Übergangs in Beschäftigung. Für Unternehmen verschärft sich zugleich der Fachkräftemangel, wenn offene Stellen nicht mit passenden Bewerbern besetzt werden. Die schwache Herbstbelebung am Arbeitsmarkt unterstreicht, dass sich diese Probleme nicht allein durch eine kurzfristige Erholung lösen lassen.

Entscheidend wird daher sein, Ausbildungsangebote und Bewerber regional besser zusammenzubringen und Zugangshürden zu senken. Beratungsangebote, Mobilitätshilfen und assistierte Ausbildung können dabei unterstützen; ihre Wirkung hängt jedoch davon ab, ob Jugendliche und Betriebe sie tatsächlich nutzen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Schwache Herbstbelebung am Arbeitsmarkt - Schlechtere Chancen für Ausbildungssuchende“ (30.10.2026)

Der Beitrag bestätige den historischen Tiefstand bei den Ausbildungsstarts und stelle zusätzlich die Zahl unbesetzter Stellen sowie die regionalen und beruflichen Passungsprobleme heraus. Anders als die dpa-Meldung fokussiere er stärker auf das Verhältnis von gemeldeten Ausbildungsstellen und Suchenden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Fast drei Millionen Arbeitslose im Oktober“ (30.10.2026)

Der Artikel bestätige den leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 2,955 Millionen und die Quote von 6,3 Prozent. Sein Schwerpunkt liege stärker auf der schwachen Herbstbelebung und der saisonbereinigten Entwicklung als auf dem Ausbildungsmarkt.

Beide Beiträge ordneten die Ausbildungs- und Arbeitsmarktdaten als Ausdruck einer schwachen wirtschaftlichen Dynamik ein. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der Stern die Ausbildungschancen vertiefe, konzentriere sich die Tagesschau auf die allgemeine Arbeitslosigkeit.

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