Ausbildungsmarkt, Lehrstelle

Ausbildungsmarkt: Fast jede zweite Lehrstelle bleibt unbesetzt

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DIHK-Umfrage 2026 zeigt: 49 Prozent der Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Wirtschaftskrise und mangelnde Passung der Bewerber sind die Hauptgründe.

DIHK-Umfrage 2026: Fast jeder zweite Betrieb hat freie Ausbildungsplätze
Ein unbesetzter Arbeitsplatz in einem modernen Industriebetrieb, der den Fachkräftemangel symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Lage auf dem deutschen Ausbildungsmarkt bleibt dramatisch. Laut der aktuellen DIHK-Umfrage 2026 konnte fast jeder zweite Betrieb im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Plätze besetzen. Mit 49 Prozent verharrt die Quote der unbesetzten Stellen seit 2023 auf Rekordniveau.

Wirtschaftskrise bremst Ausbildungsbereitschaft

Obwohl der Fachkräftemangel vielerorts als Top-Risiko gilt, schrumpft das Angebot. 29 Prozent der befragten Unternehmen bieten in diesem Jahr weniger Lehrstellen an als 2025 – ein Anstieg um drei Prozentpunkte. Nur 13 Prozent haben ihr Angebot ausgeweitet, 58 Prozent halten die Zahl stabil.

Hauptgrund: die schwache Konjunktur. Bei Betrieben mit negativen Geschäftserwartungen fährt jeder zweite sein Ausbildungsengagement zurück. Konkret nennen 37 Prozent wirtschaftliche Probleme, 24 Prozent Umstrukturierungen und 14 Prozent generellen Personalabbau.

Besonders hart trifft es die Industrie (59 Prozent unbesetzte Stellen), den Verkehrssektor (55 Prozent) sowie Bau und Handel (jeweils 53 Prozent). Regional zeigt sich ein ähnliches Bild: In Niedersachsen konnten laut IHK-Befragung nur 53 Prozent der Betriebe alle Stellen besetzen.

Wenn die Basics fehlen

Die Suche nach Nachwuchs scheitert zunehmend an der mangelnden Passung zwischen Anforderungen und Bewerberkompetenzen. Rund die Hälfte der Unternehmen beklagt Defizite beim Arbeits- und Sozialverhalten der Schulabgänger. 40 Prozent sehen erhebliche Lücken in Mathe, Deutsch und wirtschaftlichem Grundwissen.

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Trotz allem investieren die Betriebe: Drei von vier Unternehmen mit Qualifikationsdefiziten finanzieren inzwischen Nachhilfe oder Fördermaßnahmen für ihre Azubis. Die Strategie zahlt sich aus – 66 Prozent übernehmen alle Absolventen, weitere 14 Prozent mindestens drei Viertel.

DIHK und Gewerkschaften fordern Reformen

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov verlangt höhere Priorität für die berufliche Bildung. Nötig seien Reformen, um die Attraktivität der Ausbildung zu steigern und strukturelle Probleme anzugehen.

Auch die Arbeitnehmerseite schlägt Alarm. DGB-Vize Elke Hannack warnte Ende Juli vor Kürzungen bei der Berufsausbildung. Ihre Rechnung: 2025 standen 729.000 ausbildungsinteressierten Jugendlichen nur 476.000 neu abgeschlossene Verträge gegenüber. Zudem gibt es bundesweit rund 2,7 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss. Hannack fordert eine Ausweitung der Ausbildungsgarantie und eine Umlagefinanzierung wie in Bremen oder Berlin.

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Wohnungsnot wird zum Azubi-Hindernis

Erstmals taucht ein neuer Faktor in der DIHK-Umfrage auf: bezahlbarer Wohnraum. 66 Prozent der Betriebe sehen hier dringenden politischen Handlungsbedarf. Sieben Prozent berichten, dass Bewerbungen konkret an zu weiten Arbeitswegen oder fehlenden Unterkünften scheiterten.

Eine mögliche Lösung sehen rund 50 Prozent der Betriebe in der Ausbildung von Jugendlichen aus Drittstaaten.

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